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Warum der Film "Le Mans 66" nicht überzeugen kann | BR24

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Der neue Kinofilm über die historische Rivalität zwischen den Rennställen von Ford und Ferrari überzeugt durch gute Schauspieler: Christian Bale und Matt Damon wachsen wieder mal über sich hinaus. Aber ist deshalb der ganze Film gut?

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Warum der Film "Le Mans 66" nicht überzeugen kann

Der neue Kinofilm über die historische Rivalität zwischen den Rennställen von Ford und Ferrari überzeugt durch gute Schauspieler: Christian Bale und Matt Damon wachsen wieder mal über sich hinaus. Aber ist deshalb der ganze Film gut?

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Enzo Ferrari. Dieser italienische Teufel mit seinen roten Rennern. Ginge es nach Henry Ford II, würde er seinen Konkurrenten unangespitzt in den Boden rammen. Dass Ferrari ein Übernahmeangebot des Amerikaners dazu genutzt hat, den Wert seines Unternehmens nach oben zu treiben, um schließlich mit Fiat zu fusionieren – ok. Aber dass er Ford als unfähigen Erben seines legendären Vaters bezeichnet, geht zu weit. Das schreit nach Rache.

Autos, Rache, Alphamännchen

Es geht martialisch zu in "Le Mans 66", dazu muss man nicht einmal den Originaltitel des Films kennen, der "Ford versus Ferrari" lautet. Motorsport und Alphamännchen, da muss es ja krachen. Aber nicht nur. Das schränkt die Zielgruppe zu stark ein. Also wird nicht stumpf das historische Kräftemessen zwischen den beiden Autogiganten in den 1960er-Jahren nacherzählt, nein, es braucht mehr: eine Underdog-Geschichte über Freundschaft, Stolz und das Überwinden von Hindernissen, die ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruht – und die man auch versteht, wenn man mit Autos so rein gar nichts am Hut hat.

Fords Ritter in glänzender Rennwagen-Rüstung sind Ken Miles und Carrol Shelby. Der eine ist Rennfahrer, der andere ein Sportwagen-Konstrukteur, der seine Profikarriere hinter dem Steuer aufgrund eines Herzfehlers beenden musste. Er weiß, was einen guten Fahrer ausmacht. Und deswegen will Shelby unbedingt Ken Miles, um Ferrari in die Schranken zu verweisen. Der Auftrag, den Shelby von Henry Ford II persönlich bekommen hat, lautet: Einen Rennwagen zu konstruieren und ein Team zusammenzustellen, das beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans den ewigen Sieger Ferrari versenkt. Jeder andere hätte ihn ausgelacht. Aber Shelby ist ein Mann der Leidenschaft. Ebenso wie Miles. Allerdings hat der sein Temperament nicht im Griff und legt sich kurz vor einem Rennen schon mal mit den Kontrolleuren an.

© Twentieth Century Fox, 2019

Christian Bale in "Le Mans 66"

Christian Bale als Mann mit kurzer Zündschnur

Ken Miles, der Mann mit der kurzen Zündschnur, wird von Christian Bale gespielt. Und Bale tut, was er so gut und glaubwürdig wie kaum ein anderer kann: missmutig dreinblicken, schweigende Verachtung signalisieren und im Fall einer Attacke die Verbalgeschütze oder auch die Fäuste in Anspruch nehmen.

Für Ford, ein Unternehmen, das sein Geld primär mit Familienkutschen macht, ist diese Mischung dann doch zu explosiv. Sie wollen Miles loswerden. Und fertig ist der Konflikt: Saubermann-Image versus Hard Working Man, Profit versus Leidenschaft. Regisseur James Mangold, der mit dem Johnny-Cash-Biopic "Walk the Line" schon einmal bewiesen hat, dass er schwierige Legenden inszenieren kann, ist voll in seinem Element – schießt aber spürbar über die Ziellinie hinaus. Ja, Bale spielt – mal wieder - oscarverdächtig gut und hat mit Matt Damon in der Rolle des Carrol Shelby einen ähnlich überzeugenden Partner an seiner Seite. Und ja, die Rennszenen setzen neue Standards im Motorsport-Leinwanddrama. Aber am Ende wird man trotz der Kritik an Henry Ford II und seinem Team aus Bürohengsten das Gefühl nicht los, einen 150 Minuten langen Werbespot für die Marken Ford, Dunlop und diverse sehr bekannte Softgetränk- und Alkoholhersteller gesehen zu haben.

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