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Warum Brotbacken Arbeit für die Seele ist | BR24

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Seit 1825 wird auf dem Hof von Resi Reichl im oberbayerischen Schwindegg Brot gebacken. Die 78-jährige Bäuerin setzt die Tradition ihrer Vorfahren fort. Denn das Backen ist für sie ein bewusster Umgang mit der Schöpfung.

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Warum Brotbacken Arbeit für die Seele ist

Seit 1825 wird auf dem Hof von Resi Reichl im oberbayerischen Schwindegg Brot gebacken. Die 78-jährige Bäuerin setzt die Tradition ihrer Vorfahren fort. Denn das Backen ist für sie ein bewusster Umgang mit der Schöpfung.

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Die Bäuerin Resi Reichl aus Schwindegg bei Dorfen backt seit 50 Jahren jede Woche Brot. Mehr als vier Tage lässt sie dem Sauerteig Zeit, um zu gehen. Wenn der Holzofen auf Temperatur pressiert es. Sohn Hans hilft beim Formen der Brotlaibe.

Vor dem Backen wird das Brot gesegnet

Bevor das Brot in den Ofen geschoben wird, segnet es Resi Reichl immer mit den gleichen Worten: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Herr segne dieses Brot und alle, die davon essen." Diese Sätze stehen für ihren Glauben, aber auch für ihre Dankbarkeit. Wenn sie ihr Bestes gibt, dann gibt der Herrgott seinen Segen dazu, ist sie überzeugt. Die Bäuerin lebt mit den Jahreszeiten, sie freut sich, wenn Obst und Gemüse wachsen und gedeihen und zum rechten Zeitpunkt geerntet werden. Was nicht frisch verbraucht wird, wird eingemacht.

"Ich glaube, ein Problem ist, dass alles im Überfluss vorhanden ist. Alles ist immer verfügbar ist. Es gibt Erdbeeren im Winter. Mir würde nie einfallen, diese zu kaufen." Resi Reichl, Bäuerin

Respekt vor Lebensmittel

Der Respekt vor Lebensmitteln und die Liebe zur Arbeit – beides gehört für Resi Reichl zusammen. Und ein guter Umgang mit der Schöpfung. "Das ist die Verantwortung, die wir haben. Und wenn ich beobachte, wie alles - Getreide, Obst, Gemüse - wächst, dann ist das zwar viel Arbeit, aber es macht eine Freude, diese Lebensmittel zu ernten. Und dann schätze ich sie auch viel mehr."

Verantwortung und Respekt gilt auch für den Umgang mit ihren Tieren. Massentierhaltung kommt für Reichls nicht in Frage. Drei Viertel aller Kühe in Deutschland werden in Großbetrieben gehalten. Die meisten dieser Tiere sehen den Himmel zum ersten Mal auf dem Weg zum Schlachthof. Bei Reichls sind die 29 Rinder viel draußen. Das beste Futter ist frisches Gras, das Resi Reichl mit der Sense mäht, so wie sie es vom Vater gelernt hat.

75 Kilo Nahrungsmittel wirft jeder Deutsche im Jahr weg

Das tägliche Brot hat für Resi Reichl einen besondere Bedeutung. Zum einen ist es aufwendig in der Zubereitung, zum anderen bekommt sie durch das Selberbacken eine andere Wertschätzung für Brot - und Nahrungsmittel generell. Weggeschmissen wird bei ihr nichts.

Die Wegwerfgesellschaft ist für die Bäuerin unverständlich, weil sie weiß, wie viel Mühe hinter jeder Ernte steckt. Etwa 75 Kilo Nahrungsmittel pro Jahr wirft jeder Deutsche auf den Müll. Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, weil zu viel gekauft wurde, weil es falsch gelagert wurde. Oder weil es einfach nicht mehr schmeckt. Resi Reichl hat immer noch den Ausspruch ihrer Mutter im Ohr, "für jeden weggeworfenen Brösl muast ins Fegfeuer" - auch wenn sie nicht mehr ans Fegefeuer glaubt. Aber es sein was Wahres sei trotzdem dran.

Lebensmittelabfälle vermeiden: So geht's

- Nicht zu viel einkaufen: Ein Blick in den Kühlschrank vor dem Einkauf hilft.

- Erst probieren, dann wegwerfen: Vieles schmeckt noch, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

- Reste kreativ verkochen: Auch aus Resten lässt sich ein leckeres Essen zaubern.

- Richtiges Lagern von Lebensmittel: Lebensmittel in getrennten Behältern aufbewahren verlängert deren Lebensdauer.

Rezept für das Sauerteig-Brot von Resi Reichl (für 20 Leibe)

500 Gramm Roggenmehl mit warmem Wasser und einer Prise Zucker zu einem Brei verrühren. Den Brei den Tag über gehen lassen, abends wieder etwa 500 Gramm Roggenmehl, warmes Wasser und eine Prise Zucker hinzugeben. Einige Tage an einem nicht zu kalten Ort gehen lassen, der Teig muss Blasen werfen. Wichtig: der Teig wächst jeden Tag, deshalb eine große Schüssel oder einen Eimer verwenden.

Nach ungefähr fünf Tagen wird der Teig verarbeitet. Es kommt pro Laib ungefähr ein Esslöffel Salz dazu und als Gewürz Kümmel. Den Teig kneten und wieder gehen lassen, bis er doppelt so groß ist. Dann werden die Laibe geformt und das Brot kann gebacken werden.

Mehr zum Thema Lebensmittel und Brotbacken gibt es in STATIONEN am Mittwoch, 14. Oktober 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.