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Warum ausgerechnet Päpste zum Stoff für Serien und Filme werden | BR24

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Nach der Serie "The Young Pope" zeigt Sky nun "The New Pope". Das Motto lautet offenbar: Pope sells. Die mysteriöse und anachronistische Welt des Vatikan hat schon öfter Stoff für Hochglanzproduktionen geliefert.

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Warum ausgerechnet Päpste zum Stoff für Serien und Filme werden

Nach der Serie "The Young Pope" zeigt Sky nun "The New Pope". Das Motto lautet offenbar: Pope sells. Die mysteriöse und anachronistische Welt des Vatikan hat schon öfter Stoff für Hochglanzproduktionen geliefert.

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Zwei Päpste im Vatikan, das ist derzeit nicht nur die reale Lage im Kirchenstaat. Das ist auch der Stoff aus dem der italienische Regisseur Paolo Sorrentino eine neue Serie gestrickt hat. "The New Pope" ist seit dem 20. Februar auf Sky zu sehen. In den Hauptrollen stehen sich John Malkovich als Johannes Paul III. und Jude Law als Pius XIII. gegenüber. Um ihn drehte sich bereits Sorrentinos erste Staffel seiner Papst-Serie, "The Young Pope". Überhaupt scheint der Papst als Serien- oder Kinostar gerade Konjunktur zu haben – auch wenn die Kirchenaustrittszahlen stetig steigen. Erst im vergangenen Herbst kamen eine Dokumentation über Benedikt XVI. und ein Spielfilm über "Die zwei Päpste" in die Kinos.

Was macht den Papst als Protagonisten so interessant?

Wenn Päpste im Film die Hauptrolle spielen, dann sind es meistens die ganz großen Stars, die in die roten Schuhe schlüpfen. 1968 begeisterte Anthony Quinn Zuschauer weltweit "In den Schuhen des Fischers". Nach ihm verkörperten unter anderem John Goodman, Jude Law, Anthony Hopkins und nun auch John Malkovich historische wie fiktive Päpste im Film. Die Figur des Papstes hat in der Filmgeschichte ihren festen Platz. Und zwar nicht ohne Grund, meint Andreas Gruber.

Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor lehrt an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. "Was sehr, sehr spannend ist an der Figur des Papstes, das sind die sinnlichen Reize. Also alleine die Kostümierung, der Vatikan mit seinem Prunk und all seinen Schätzen, das hat ja was Sinnliches in der Ausstrahlung und das ist natürlich auch mit Macht verbunden. Der Papst, er repräsentiert ja nicht nur die Moral, sondern faktisch geht es ein Stück weit immer auch um die Macht", analysiert der Filmemacher.

Sinnlichkeit und Macht – eine Mischung, die Raum bietet für große Emotionen und menschliche Dramen. Die Spannung der Papstfilme nährt sich aber auch aus einem Paradox: "Eigentlich ist der Papst ein Mann der Öffentlichkeit, aber andererseits wissen wir sehr wenig über ihn", sagt die Schweizer Religionswissenschaftlerin Natalie Fritz. "Im Vatikan leben vor allem Männer unterschiedlichen Alters in einer Art riesigen Wohngemeinschaft nach äußerst strengen Regeln zusammen. Und wie genau das im Alltag funktioniert, das wissen wir nicht. Und natürlich lassen wir uns dann sehr gerne auf Spekulationen ein."

Serien und Filme suggerieren einen Blick durchs Schlüsselloch

Der Vatikan und seine uralten Traditionen. Der Papst als quasi absolutistischer Monarch in Europa. Das sind Anachronismen in unserer demokratischen und schnelllebigen Gesellschaft. Anachronismen, die Fragen aufwerfen und Neugier wecken. Und genau diese bedienen Film- und Fernsehproduktionen wie "Die zwei Päpste" oder "Der junge Papst" beziehungsweise "Der neue Papst". Sie suggerieren einen Blick durchs Schlüsselloch in die päpstlichen Gemächer oder lassen die Zuschauer beim Konklave dabei sein. Ihre Plots fokussieren die menschliche Seite des Pontifex. Wer ist dieser Stellvertreter Christi auf Erden, die Person hinter dem Amt?

"Da kommt natürlich die Frage auf: Wer traut sich zu in eine solche Rolle zu schlüpfen – das ist eine riesige Belastung. Und dann ist man erst noch ein Verfechter der Moral, also man kann sich nicht benehmen wie man möchte", schildert Religionswissenschaftlerin Natalie Fritz die besondere Beziehung von Person und Amt des Pontifex.

Der Film "Habemus Papam" des italienischen Regisseurs Nanni Moretti zeigt einen zweifelnden Papst, der sich der Last seiner Verantwortung nicht gewachsen fühlt. Erst sucht er beim Psychologen Hilfe und tritt schließlich zurück – eineinhalb Jahre vor Benedikt XVI. Die Papstfilme greifen zudem heiß diskutierte kirchenpolitische Themen auf, wie die Frage nach dem Zölibat oder der Rolle der Frau in der Kirche. Die Legende um die Päpstin Johanna wurde 2009 von Sönke Wortmann verfilmt.

Die Serien und Filme zeigen, welches Bild die Gesellschaft vom Papst hat

In Paolo Sorrentinos Serie "The New Pope" sehen wir John Malkovich als Papst Johannes Paul III., der seinen charismatischen Vorgänger ersetzen muss. Der liegt nämlich im Koma und wird von seinen Anhängern wie ein Heiliger verehrt. Auch das ist eine filmische Interpretation, einer aktuellen, aber unklaren Situation im Vatikan, so Christian Kuchler: "Dass es nach langer, langer Zeit wieder zwei Päpste gibt, die plötzlich unterschiedlicher Meinung sein können und von denen einer päpstlicher als der Papst sein kann, das ist etwas, was Menschen fasziniert und was sie offensichtlich auch unterhält."

Die Papstfilme oder -Serien zeigen, welches Bild eine Gesellschaft von Papsttum und Kirche hat. Sie üben aber auch Kritik am System und spiegeln, welche Art Papsttum sich viele Menschen wünschen würden. In "Ein Papst zum Küssen" sieht man den britischen Darsteller Robbie Coltrane Anfang der 1990er Jahre als Papst, der mit allen Regeln bricht. Christian Kuchler: "Dann zeigte das viel mehr das, was an Reformwünschen in der westlichen Welt gegenüber dem Katholizismus und dem Papsttum im Speziellen vorhanden ist. Denn die völlig progressive Form, die er damals in Szene gesetzt hat, das Brechen mit allen Konventionen war alles andere als das Auftreten von Johannes Paul II."

Und so sind die Filmgeschichten rund um die Päpste in einer Aussage erstaunlich realitätsnah – dass nämlich im Vatikan nichts so ist, wie es scheint.