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"Warmer, weicher Klang": Akustik-Test für Nürnberger Konzertsaal | BR24

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In einem Modell haben Musiker die Akustik des neuen Nürnberger Konzertsaals getestet. Die Vorfreude war groß, haben sich doch die Verantwortlichen vor fast einem Jahr Anregungen vor Ort in Luzern geholt - bei einem der besten Konzertsäle der Welt

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"Warmer, weicher Klang": Akustik-Test für Nürnberger Konzertsaal

In einem Modell haben Musiker die Akustik des neuen Nürnberger Konzertsaals getestet. Die Vorfreude war groß, haben sich doch die Verantwortlichen vor fast einem Jahr Anregungen vor Ort in Luzern geholt – bei einem der besten Konzertsäle der Welt.

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Von
  • Jörg Hertle

Die Augen von Ralf-Jörn Köster leuchten wie die eines kleinen Buben zu Weihnachten. Der Solo-Oboist der Staatsphilharmonie Nürnberg war tatsächlich der erste Musiker, der im neuen Nürnberger Konzertsaal spielen konnte – zumindest in dessen Modell im Maßstab 1:20. Ein Stück aus "Scheherazade" von Nikolai Rimski-Korsakov hat er angespielt im 2,80 Meter langen, und 1,30 Meter breiten Akustik-Modell des Konzertsaals. Sein Publikum: 1.500 Männchen mit Schaumstoff-Körpern und Holzköpfen.

Werkstattbesuch des Musiker-Baubeirats

Je vier Musiker der Staatsphilharmonie und der Nürnberger Symphoniker durften das Modell im Maßstab 1:20 in Augenschein nehmen. Ralf-Jörn Köster: "Ich habe auf Anhieb gedacht, dass das sehr schön ist. Die moderne Anmutung ist auch so, dass sie gelungen ist, weil sie nicht aufdringlich ist, aber sehr warm einbindend. Von dem hellen Holz trotzdem eine warme Optik." Und der Klang innerhalb des Modells? "Es ist ein wunderbares Gefühl", schwärmt Köster.

"Einfach etwas auszuprobieren, was wir schon seit längerer Zeit vorhaben, dass wir das sehen dürfen. das ist das Erste gewesen, was uns als Musiker hier schon gezeigt wurde. Und jetzt die Akustik als allererster bespielen zu dürfen, das ist ein ganz, ganz tolles Erlebnis. Und, ja, das Ergebnis: Warmer Klang. Auch wenn es ein bisschen eng ist und ein bisschen warm." Ralf-Jörn Köster, Solo-Oboist Staatsphilharmonie Nürnberg

400 Arbeitsstunden für Konzertsaal-Modell

Gut 400 Arbeitsstunden haben die Modellbauer des Nürnberger Ateliers Neoos schon in das Modell gesteckt. Sie haben es im Auftrag des belgischen Akustikspezialisten Professor Eckard Kahle gebaut, der sich international mit der Klangoptimierung von Konzert- und Opernhäusern einen Namen gemacht hat. Nach einer ersten Messung im Modell im zeitigen Frühjahr wurde die Wandgestaltung verändert. Nun arbeiten zwei Bau-Akustiker an der weiteren Feinabstimmung. Dazu haben sie im Modell winzige Lautsprecher und Mikrofone eingebaut. Damit können sie die genormten Töne abspielen und aufnehmen.

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Je vier Musiker der Nürnberger Symphoniker und der Staatsphilharmonie Nürnberg testen die Klangqualität des neuen Konzertsaals. Das Modell steht derzeit in der Werkstatt einer Nürnberger Architektur-Modellbauers.

Akustik-Tests: "Vogelquietschen" statt Musik

"Eigentlich benutzen wir so komische Test-Töne. Für manche klingen sie wie Vogelquietschen. Also, das würde man nicht als Musik bezeichnen", lacht Akustiker Evan Green. Der in England aufgewachsene Soundtüftler musste für die Messungen auch die Töne maßstabsgerecht verkleinern.

"Was für uns in Eins-zu-Eins-Maßstab in der Realität 1.000 Hertz ist, also 100 Wellen pro Sekunde, das wird mal 20 gerechnet. Das heißt 20.000 Hertz. Das ist ganz an der oberen Grenze des Hörbaren und das nehmen wir dann mit diesen sehr keinen Mikros auf und mit dem Rechner wird das umgewandelt auf ein-zu-eins-Frequenz und Maßstab." Evan Green, Akustiker

Lebendiger und besuchenswerter Konzertsaal

Der Intendant der Nürnberger Symphoniker, Lucius A. Hemmer, ist begeistert darüber, dass nicht nur Architekten, Politiker und Akustiker am Entwurf des neuen Konzertsaals beteiligt wurden, sondern eben auch je vier Musiker beider Nürnberger Orchester. Als eine Art von Bau-Beirat.

"Man hat nicht den Fehler gemacht zu sagen, du Architekt, du Akustiker, bau mal den besten Saal der Welt und der kostet irgendwas. Sondern, man hat sich erst mit den Bauherren, mit den Nutzern, den zukünftigen Nutzern, die den Saal zum Leben erwecken, auseinandergesetzt und die gefragt, was stellt ihr euch eigentlich vor, wo spielt ihr am liebsten, wie könnt ihr euch das vorstellen, dass ich einen lebendigen, besuchenswerten Konzertsaal habt." Lucius A. Hemmer, Intendant der Nürnberger Symphoniker

Im kommenden Jahr soll mit dem Bau des Konzertsaals neben der Nürnberger Meistersingerhalle begonnen werden. Im Jahr 2024 werden dann die ersten 1500 Zuhörerinnen und Zuhörer die Premiere im neuen Spielzimmer der Philharmoniker und der Symphoniker erleben.

© Media Cover Image

Ein Modell des Konzertsaals in Nürnberg

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