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Wandas Album "Ciao!" zeigt, was die Band kann – und was nicht | BR24

© BR kulturWelt

Wanda galten lange als einer der coolsten Musik-Importe Made in Austria. In ihrem vierten Album sagen die fünf Österreicher jetzt "Ciao!". Ein Missverständnis, denn es geht weiter mit dem musikalischen Wiener Schmäh, diesmal etwas weniger brillant.

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Wandas Album "Ciao!" zeigt, was die Band kann – und was nicht

Dem Indie-Rock haben Wanda mit "Bologna" und "Bussi Baby" echte Mitgröl-Hits geschenkt. Mit dem Album "Ciao!" beweisen die Österreicher, dass sie wissen, wie man Rockfans glücklich macht – aber auch, dass sie eine ziemlich langweilige Band sind.

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In einem Interview haben Wanda kürzlich gesagt, mit der politischen Lage in Österreich sei es wie mit dem Wetter. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Kann man letztlich nichts dran ändern. In "Ciao Baby", dem Eröffnungsstück von Wandas viertem Album "Ciao!" – mit Ausrufezeichen – ist der Tonfall ganz ähnlich.

Weitergrölen nach Bologna

"Manchmal lach ich, manchmal wein ich", singt Marco Michael Wanda, der Sänger der Band, in gewohnt jaulendem Tonfall. Wanda sind ein Phänomen. Mit ihrem Überhit "Bologna" wurden sie 2015 zum österreichischen Überraschungserfolg und stiegen auch hoch in die deutschen Charts ein. Ihr tanzbarer Indie-Rock taugt zum gemeinsamen Grölen. Doch eigentlich sind Wanda eine ziemlich langweilige Band. Sie haben nichts zu sagen. Ihre Musik will nichts ändern, sondern einfach nur bewahren. Komplexität ist ihnen auch auf "Ciao!" eher fremd. Die oberflächlichen Texte gehen weiter in "Der Erste Der Aufwacht", einem Stück über Beziehungen:

"Spannend, dass diese Welt noch steht, dass die Autos fahren und alles so weitergeht" - diesen Songtext könnte man fast als Affront gegen "Fridays For Future" verstehen. Die Klimakrise? Ist Wanda ganz egal. Aber natürlich geht es nicht um Klimaschutz, sondern darum, Beziehungen nicht ganz so ernst zu nehmen. Denn, meinen Wanda in ihrem Song "Nix Reparieren": Die Sonne scheint immer, auch wenn man sie nicht sieht, und es mal schlecht läuft mit dem Partner oder der Partnerin.

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Rauchpause mit Bier: Sänger Marco Michael Wanda bei einem Auftritt in Berlin Ende August

Naive Texte, nervöses Spiel

Nun passiert im Laufe des Hörens von "Ciao!" aber etwas Seltsames: Wanda machen einen so ratlos mit ihrer schnöden Naivität, diesem österreichischen Fatalismus in den Texten, dass man eher mal auf die Musik hört. Und die ist gar nicht so schlecht. Sie macht im besten Sinne nervös: die Gitarren klingen wie von Oasis eingespielt, das Songwriting erinnert an die Beatles: kurz, prägnant, tanzbar. Marco Michael Wanda dehnt die Vokale wie ein Kaugummi. Alles wirkt sehr zackig und unruhig. Und am besten sind Wanda, wenn sie irgendwas in ständiger Wiederholung singen, wenn Sätze abbrechen, wenn alles Melodie ist, wie im Stück "Nach Hause Gehen".

Der Musikexpress meint, Wanda seien die "vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation". Aber welcher Generation eigentlich? Wanda scheinen Musik zu machen für Leute, die häufig älter sind als sie: Rockfans, die das Handgemachte lieben. Die einfach nur Spaß haben wollen. Denen die emanzipatorischen Effekte von Popmusik nicht so wichtig sind.

© dpa Bildfunk / Alexander Bachmayer

"Ciao!" – das vierte Album von Wanda, erschienen bei Vertigo Berlin

Popmusik vom Reißbrett

Immerhin: Auf "Ciao!" grölen Wanda etwas weniger Parolen als auf vorherigen Alben. Es geht um kafkaeske Träume, die Sehnsucht nach Liebe natürlich, den Anfang und das Ende vom Leben. Schade bloß, dass das alles sehr banal ist. Die Songs sind gut gemacht, wirken aber auch wie am Reißbrett zusammengestellt. Das ist massentaugliche Popmusik, mit kleinen Highlights hier und da, doch am Ende sind die Songs nur Nachbildungen von etwas, das andere Bands in der Vergangenheit schon viel besser gemacht haben.

„Ciao!“ von Wanda ist bei Vertigo Berlin (Universal) erschienen.

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