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Waldkindergärten: Was Kinder zwischen Bäumen lernen | BR24

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Über 350 Waldkindergärten gibt es mittlerweile in Deutschland, die Idee stammt ursprünglich aus Skandinavien. Eltern, die sich für das Konzept entscheiden, tun dies meist sehr bewusst und nehmen für den richtigen Kindergarten auch lange Wege im Kauf.

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Waldkindergärten: Was Kinder zwischen Bäumen lernen

Über 350 Waldkindergärten gibt es mittlerweile in Deutschland, die Idee stammt ursprünglich aus Skandinavien. Eltern, die sich für das Konzept entscheiden, tun dies meist sehr bewusst und nehmen für den richtigen Kindergarten auch lange Wege im Kauf.

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Es ist halb neun am Morgen, es regnet und die 16 Kinder zwischen drei und sechs Jahren sitzen auf kleinen Baumstammhockern rund um eine Feuerschale. Sie frühstücken und beobachten das Feuer. Auch ein Vater sitzt dabei, seine kleine Tochter wird zur Zeit hier im Waldkindergarten "Kallamatsch" eingewöhnt.

"Ich glaube es ist natürlicher, wenn man mit vielen Kindern draußen auf der Wiese oder im Wald ist, als wenn man sich in einem Raum einsperrt", sagt der Vater auf die Frage, warum seine Tochter nicht in einen konventionellen Kindergarten geht. "Hier haben sie Luft zum Atmen und Platz zum Toben. Ich glaube, das macht die Kinder ausgeglichener."

Möglichst immer draußen sein

Ein paar Meter neben der geschützten Feuerstelle steht ein Bauwagen, 8 mal 2 Meter lang, mit Holz ausgebaut, gemütlich. Der Bauwagen steht auf einem leeren Parkplatz, direkt am Rand des Englischen Gartens in München. Im Bauwagen sind die Kinder nur an sehr kalten Tagen zum Essen, manchmal zum Malen oder auch zum Ausruhen.

"Wir haben eine kleine Küche", sagt Sylvia Bauch, Waldorfpädagogin und Leiterin des Kindergartens. "Die Eltern kommen mittags und bringen das Essen vorbei, Freitags kochen wir mit den Kindern zusammen." Doch das eigentliche Leben in diesem Kindergarten findet draußen statt. "Wir haben keine Spielsachen hier, nur das was man outdoor gebrauchen kann: Seile, einen Ball oder Werkzeug, aber auch Bücher und Malsachen."

Der richtige Umgang mit der Natur

Seit fast 18 Jahren gibt es diesen Kindergarten in München. Für das Verhalten in der Natur bekommen die Kinder spezielle Regeln. "Wir treten keine Pflanzen zusammen, wir wollen, dass die Bienen kommen, dass wir Honig bekommen zum Essen", sagt Sylvia Bauch, die seit 17 Jahren hier arbeitet. "Die Kinder dürfen auf Bäume kraxeln, mit diesen ganzen Naturmaterialien spielen, damit sie lernen damit umzugehen."

Nach dem gemeinsamen Frühstück regnet es heute in Strömen, den Kindern macht das nichts aus. Sie sind regenfest angezogen, die Wechselwäsche liegt im Bauwagen bereit. Wie in allen Kindergärten folgen die Kinder auch hier einem bestimmten Rhythmus und Tagesablauf. Nach dem Frühstück kommt das Freispiel. Dann wird in den Wald gegangen. In diesem Fall ist das der große Englische Garten.

Natur mit allen Sinnen erleben

Die Kinder laufen durch Pfützen, retten Regenwürmer aus dem Wasser oder schichten Blätter zu Haufen auf. "Mit allen Sinnen das Leben erfahren", das machen Kinder im Waldkindergarten nach Ansicht der Kinderpflegerin Karin Hartl. "Die Natur spüren, das Wetter spüren, merken, dass es jeden Tag anders ist, anders riecht, sich anders anfühlt, dass man merkt, die Natur ist schützenswert." In der Begegnung mit der Natur lernen die Kinder auch, Erschöpfung und Kälte auszuhalten und auch, sich selbst zu beruhigen.

Natürlich stoßen sie auch an die Grenzen der Natur. "Wir haben mal ein totes Baby Eichhörnchen gefunden, das vor uns gestorben ist", erinnert sich Sylvia Bauch, "das musste natürlich beerdigt werden, da gab es auch Diskussionen über den Tod." Vergänglichkeit erleben die Kinder auch auf ihrem "Spielplatz", wenn zum Beispiel ein beliebter Kletterbaum nach Jahren umfällt. "Da sind wir dann auch sehr traurig und hoffen, dass daraus wieder etwas gutes entsteht und philosophieren darüber auch mit den Kindern."