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Waldbaden - Trend aus Japan treibt Bayern ins Grüne | BR24

© Bayerischer Rundfunk/Unser Land/Kerstin Nagel

Waldbaden - ein Allgäuer Bergbauer und Hotelier bietet zusammen mit einer Waldtherapeutin seinen Gäste das Baden unter Bäumen an - ohne Handtuch, dafür aber mit Klangschalen.

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Waldbaden - Trend aus Japan treibt Bayern ins Grüne

In Japan liegt Waldbaden als "Shinrin yoku" schon lange im Trend. Doch auch in Bayern entdecken Waldbesitzer, Umweltpädagogen und Hoteliers den Freizeittrend als Marktlücke und umweltpädagogische Chance.

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Der Wald als Gefühlserlebnis - zum Beispiel im Meerauwald bei Oberstaufen. Waldbaden, "Shinrin yoku", wird in Japan und Südkorea seit Jahrzehnten praktiziert und erfreut sich mittlerweile auch in Bayern immer größerer Beliebtheit. Dafür braucht man weder Wasser noch Handtuch, gemeint ist das Eintauchen in die Waldatmosphäre. Der Wald dient sozusagen als Badewanne.

Seinen Allgäuer Berg-Mischwald bewirtschaftet Klaus Hauber so wie er es von seinem Vater gelernt hat. Er ist Bergbauer und Hotelbetreiber. Inzwischen bietet er auch Waldbaden an. Auch wenn er den Trend anfangs befremdlich fand, das Wohlgefühl, das ein Waldaufenthalt bewirkt, kennt er aus eigener Erfahrung. "Im Wald sich aufzuhalten, genieße ich immer schon, schon als Kind", erklärt Hauber seine Motivation. "Die Gäste kommen aus den Städten und haben dieses Stück Natur, was ja hier total ursprünglich ist, nicht mehr um sich, den Duft, die Feuchtigkeit, das Licht. Das Erleben Wald ist schon etwas Besonderes. Ich möchte es gern weitergeben."

Bergbauer Hauber: "Das Erleben im Wald ist etwas Besonderes"

Dafür aber muss der Wald gesund sein, muss gepflegt, geschützt und bewirtschaftet werden. Hauber hat einen sich stets verjüngenden Dauerwald: mit Tanne, Fichte, Buche, Bergahorn, Esche und Erle. Was urwüchsig aussieht, ist allerdings jahrzehntelange Arbeit. In seinem Wald funktioniert die Naturverjüngung gut, aber man muss nachhelfen, erklärt er gerne seinen Gästen, und man müsse als Forstwirt in anderen Zeitdimensionen denken, denn die Arbeit macht sich nicht unmittelbar bezahlt. Man pflanzt und wirtschaftet vielmehr für nachfolgende Generationen.

Als neue Einkommensquelle sieht Hauber das Waldbaden deswegen eher nicht: "Mit Waldbaden an sich kann man aus meiner Sicht kein Geld verdienen", so der Bergbauer, "aber man verdient den Respekt der Menschen, die darin eine Einsicht kriegen." Angefangen hat Hauber mit einer kleinen Landwirtschaft und acht Gästebetten. Über die Jahre hat er gemeinsam mit seiner Frau immer mehr angrenzende Flächen erworben und sein Hotel zu einem Naturressort mit über 60 Zimmern und 60 Hektar Fläche ausgebaut.

Mit Forstwirtschaft sei heute nicht mehr so viel zu verdienen wie früher, sagt er. Das Waldbaden sieht er als Chance, den Wald zu schützen und zugleich seine Lebensgrundlage zu sichern. "Der gesunde Wald ist aber immer etwas wert. Das wird in Zukunft so bleiben und das war in der Vergangenheit so. Und ich wünsche mir auch, dass unser Sohn das so weitermacht", so der Forstwirt.

Wald stärkt wissenschaftlich erwiesen das Immunsystem

Beim Waldbaden geht es um Atem-, Wahrnehmungs-, Entspannungsübungen und sanfte Bewegung - im Wald von Hauber angeleitet von Heilpraktikerin und Waldtherapeutin Susanne Gürtler. "Waldbaden heißt, in der Atmosphäre des Waldes zu baden und wirklich alles mit all unseren Sinnen wahrzunehmen. Eben das, was Bäume, Moose, Rinde, Boden, Blätter an diese Luft eben abgeben", erklärt die Waldtherapeutin.

Durch zahlreiche internationale Studien ist die beruhigende und gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes belegt. Die von Pflanzen und Bäumen verströmten bioaktiven Substanzen, sogenannte Terpene, sollen eine positive Wirkung auf das menschliche Immunsystem haben, Blutdruck und Puls senken und das Stresshormon Kortisol abbauen.