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"Wackersdorf": Arte-Film als Geschichtsunterricht | BR24

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Das 1985 auf dem gerodeten WAA-Gelände im Taxöldener Forst entstandene Hüttendorf "Wackerland" wird im Januar 1986 von der Polizei geräumt.

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    "Wackersdorf": Arte-Film als Geschichtsunterricht

    Die Anti-Atom-Bewegung trifft Anfang der 80er-Jahre in Wackersdorf im Landkreis Schwandorf auf handfeste Interessen von Wirtschaft und Politik. Ein sehenswertes Drama rollt das Geschehen neu auf.

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    • BR24 Redaktion

    Es gibt Orte, bei deren Namen es sofort klingelt. Orte aus dem Geschichtsbuch. Wackersdorf gehört dazu. Hier in der Oberpfalz hat Bayerns Staatsregierung unter Franz Josef Strauß zu Beginn der 80er-Jahre eine nukleare Wiederaufarbeitungsanlage errichten wollen. Von dem Streit, der die ganze Bundesrepublik bewegte, erzählt das Drama "Wackersdorf" am Freitag um 20.15 Uhr auf Arte.

    Diese Gegend Bayerns ist um 1980 wirtschaftlich schwer gebeutelt. Landrat Hans Schuierer ( gespielt von Johannes Zeiler) steht entsprechend gehörig unter Druck. Auf einer Bürgerversammlung in Wackersdorf zu den Themen Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven sagt der SPD-Mann: "Strukturwandel ist unvermeidlich." Er verspricht alles zu tun, was "in seiner Macht" steht. Er bittet die Bürger ums Durchhalten.

    Landrat kommen Bedenken

    Wie das gehen soll, wird er von einem aufgebrachten Mann gefragt: "Erst war die Arbeit weg, dann das Haus, jetzt auch noch Frau und Kind." Bald darauf scheint eine Wende greifbar. Denn der Landrat bekommt Besuch: Karlheinz Billinger (gespielt von Fabian Hinrichs), Vertreter einer Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen, will ihm den Standort Wackersdorf für eine WAA schmackhaft machen. Nicht zuletzt verspricht der Lobbyist rund 3.000 neue Arbeitsplätze.

    Doch Schuierer kommen rasch Bedenken. Er liest sich durch Fachbücher über Atomenergie. Seine Skepsis erfährt wachsenden Zuspruch durch seine ebenfalls zweifelnden Mitarbeiter und seine Familie. Der Landrat schließt sich schließlich der Widerstandsbewegung um Monika Gegenfurtner (gespielt von Anna Maria Sturm) an. Es beginnt ein politisches Ränkespiel, bei dem die Industrie an ganz dicken Strippen zieht - geht es doch um richtig viel Geld.

    Da scheint jedes Mittel recht, vom Abriss eines Protest-Turmes ohne rechtliche Grundlage bis hin zur "Lex Schuierer". Sie besteht bis heute und besagt, dass der Freistaat Bayern kurzerhand die Befugnisse eines Landratsamtes übernehmen kann - der Herr Landrat wird somit entmachtet und spricht prompt von einer "Demokratur".

    Herablassende Art der Münchner Politiker

    Alles dies zeigt der fast zweistündige Spielfilm klar und deutlich auf. Die politische Geschichte ist so straff erzählt und überzeugend gespielt, da hätte es ein paar eingeblendete dokumentarische Szenen gar nicht gebraucht. Die Zeitgeschichte wird in jeder Szene deutlich, nicht zuletzt durch die exzellente Ausstattung - da zählen viele Details vom grünen Telefon mit Wählscheibe, den dicken Autos (nicht aus Bayern), üppigen Präsentkörben, schönen Trachtenumzügen und der ebenso schwierigen wie umfangreichen Recherche mit postkartengroßen Mikrofiches in der Bibliothek.

    Fein beobachtet ist auch die herablassende Art der Politiker aus München, die sogar ihre eigene Weißwurst (mit Petersilie im Sud!) mitbringen, die selbstverständlich gezuzelt und nicht aufgeschnitten wird. Das macht der Landrat natürlich schon mal verkehrt, in der falschen Partei ist er ohnehin. Schuierer wird von Johannes Zeiler in jeder Szene grandios gespielt - er hat viele davon, auch wortlose und kann sehr eindrucksvoll die Arme verschränken oder entsetzt schauen. Seine Wandlung vom einfachen Provinzpolitiker zum engagierten Landrat mit Mumm wirkt absolut glaubhaft.

    Schuirer: "Ein einziges Lügenpaket"

    Der echte Hans Schuierer war Landrat von 1972 bis 1996, hat alle angestrengten Disziplinarverfahren gegen ihn überstanden, ist heute 89 und lebt noch immer in seiner Heimatgemeinde. Rückblickend war die Wiederaufarbeitungsanlage - kurz WAA - für Schuierer "ein einziges Lügenpaket von Anfang bis zum Ende", wie er 2014 in einer Rede zum 25. Jubiläum des Baustopps der WAA sagte.

    Im April 1986 geschah das Unglück im Kernkraftwerk Tschernobyl, im Mai 1989 wurden die bis dahin zehn Milliarden DM teuren Bauarbeiten eingestellt. Auf dem Gelände befindet sich heute der "Innovationspark Wackersdorf".

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