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Museumsleiterin Magdalena Bayreuther (li.) und Mitarbeiterin Kerstin Schnabel in der Hofer Dauerausstellung zu Flucht und Vertreibung nach 1945.

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"Flucht und Vertreibung": Museum in Hof ist Vorreiter in Bayern

Die Ängste auf der Flucht, aber auch die gelungene Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen in Hof nach 1945 beleuchtet das städtische Museum in einer umfangreichen Dauerausstellung. Seit nunmehr zehn Jahren findet diese bundesweit Beachtung.

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Annerose ZuberAnnerose Zuber
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Diese Ausstellung ist ein Dauerbrenner: Das städtische Museum beleuchtet seit zehn Jahren in einer umfangreichen Schau das sensible Thema "Flucht und Vertreibung nach 1945". Am Donnerstag wird das Jubiläum der Dauerausstellung mit einem Podiumsgespräch gefeiert. Hof sei in Bayern das städtische Museum, welches das Thema Flucht und Integration nach dem Zweiten Weltkrieg am ausführlichsten behandele, so Museumsleiterin Magdalena Bayreuther.

Zwei Millionen Flüchtlinge in Hof

Im Hofer Stadtteil Moschendorf stand eines der größten Durchgangslager und bis in die 1950er-Jahre hinein war Hof für rund zwei Millionen Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen, Schlesien oder dem Sudetenland erste Anlaufstelle im Westen. Rund 15.000 von ihnen haben in Hof dauerhaft eine neue Heimat gefunden. Im Museum geht es auf drei Etagen um die Themenbereiche "Wegmüssen und Ankommen", "Aufbauen und Heimischwerden", "Erinnern, Mahnen und Versöhnen". Anhand von rund 400 Exponaten wird die historische Fluchtbewegung in sehr persönlichen Geschichten anschaulich erzählt.

Holzkisten und Vermisstenbilder von Kindern

Betten aus dem Flüchtlingslager und Suchbilder von vermissten Kindern sind ebenso zu sehen wie Holzkisten, in denen Vertriebene ihr Hab und Gut verpacken mussten. Es ist eine Vase dabei, die eine Frau bei der Flucht zurücklassen musste und Jahrzehnte später bei einem Besuch in Tschechien von der neuen Bewohnerin ihres ehemaligen Elternhauses zurückbekam. Auch die unterschiedlichen Ansätze der Politik im Lauf der Jahrzehnte beim Umgang mit den ehemaligen Ostgebieten werden thematisiert.

Hofer Ausstellung neun Jahre vor Berliner Dokumentationszentrum

Die große Hofer Dauerausstellung ist Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland und wird als "authentisch, ausgewogen und unpathetisch" gelobt. Das Konzept für die Hofer Museumserweiterung 2012, die von zahlreichen Stiftungen, der EU und dem Freistaat Bayern finanziell unterstützt wurde, galt als Vorreiter im Umgang mit dem sensiblen Thema. Damals diskutierte man in Berlin zum Beispiel noch vehement über das geplante Dokumentationszentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung", es wurde erst im Sommer 2021 eröffnet.

Thema Flucht ist brandaktuell

Die Kuratorin des Berliner Dokumentationszentrums spricht am Donnerstagabend gemeinsam mit dem Hofer Kulturamtsleiter Peter Nürmberger und Stefan Planker, dem Direktor des ebenfalls gerade erst eröffneten Sudetendeutschen Museums München, über die Notwendigkeit solcher "Flucht-Museen". Die frühere Museumsleiterin Stefanie Menke und Sandra Kastner blicken auf den Aufbau der umfangreichen Ausstellung zurück. "Das Thema ist jetzt leider durch den Krieg in der Ukraine wieder brandaktuell", so die Hofer Museumsleiterin Bayreuther im BR-Gespräch. Schulen und Jugendgruppen können spezielle Führungen für Jugendliche ab 14 Jahren buchen. Ein museumspädagogisches Angebot für jüngere Kinder scheitert bisher an der dünnen Personalausstattung des Stadtmuseums.

Die Ausstellung ist Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher aus ganz Deutschland und wird als "authentisch, ausgewogen und unpathetisch" gelobt

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