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Emilia und Noah sind die beliebtesten Vornamen 2020

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    Vornamen-Hitliste 2020: Emilia und Noah am beliebtesten

    Wie soll das Kind heißen? Eine schwierige Frage – und eine der Mode. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat die aktuellen Favoriten ermittelt. Eine Statistik, an der sich auch etwas über Geschlechterbilder und Ost-West-Unterschiede ablesen lässt.

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    • BR24 Kultur

    Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat die häufigsten Vornamen des vergangenen Jahres ermittelt: Auf den drei vorderen Plätzen landen bei den Mädchen Emilia, Hanna und Emma, bei den Jungen Noah, Leon und Paul. Die große Überraschung folgt laut GfdS auf Platz vier: Matteo, von Platz 13 aufgestiegen. So große Sprünge seien in den letzten Jahren selten gewesen, stellt die Gesellschaft in einer Pressemitteilung fest.

    "Lautliche Monotonie" bei den Mädchennamen

    Die Jungennamen seien "dynamischer und lautlich disparater", heißt es weiter, während bei den Mädchen "nach wie vor wenig Bewegung und viel lautliche Monotonie herrsche". Was vor allem heißt: Beliebte Mädchennamen enden auf "a", dem klassischen Kennzeichen des Femininums also. Vielleicht sagt das ja sogar etwas über den Stand der Geschlechterbilder im Land? Würde bedeuten: Mädchen sollen gern betont weiblich sein – oder auf besonders klassische Weise weiblich.

    Während die beliebtesten Erstnamen eher kurz sind – Mia, Ella, Ben und Finn –, sind Zweitnamen häufig länger und klangvoller: Elisabeth, Charlotte, Katharina, Alexander, Maximilian. 35% der Kinder bekommen einen "Folgenamen", so die GfdS, und hier ändere sich schon seit Jahren wenig in der Beliebtheit. Interessant ist: Folgenamen werden immer weniger in Anlehnung an die Namen von Vorfahren vergeben, sondern dienen als "reine Traditionsnamen", "die ein gewisses Prestige transportieren" sollen.

    Kein "o" für Bayern

    Beobachten lassen sich auch regionale Unterschiede: Endungen auf "o" bei Jungennamen kommen auf den vorderen Plätzen häufiger in Ostdeutschland vor, wo Matteo sogar Spitzenreiter ist. Schon in der DDR waren italienische Namen wie Enrico, Mario oder Sandro sehr beliebt. In die Top 50 des Bundesliste schafft es nur Lio auf Platz 34, den größten Abstand zu allen Bundesländern aber nimmt Bayern ein, so die GfdS: "Hier kommt Matteo erst auf Platz 14, Theo gar auf Platz 28. Auf Platz 1 steht Lukas, auf Platz 4 Maximilian und auf Platz 5 Jakob." Die regionalen Unterschiede sind also deutlich – ein Hinweis darauf, wie beharrlich sich landsmannschaftliche Traditionen halten.

    Den "Thomas-Kreislauf" durchbrechen

    Dass die Namensgebung nicht nur abhängig vom Geschlecht, sondern auch von der Generation ist, zeigt ein Blick ins Online-Archiv der GfdS: In den 1990er-Jahren war die Bibel bei der Namenvergabe in Mode, Maria und Lukas, die Babys von damals, gehen heute auf die 30 zu. Und im ersten Jahrgang, der Statistik von 1977, landeten bei den Mädchen Nicole, Tanja und Simone in der Top Ten, bei den Jungen Michael, Andreas und Thomas. Der Glamour vorsichtiger Internationalität fand sich zu dieser Zeit also definitiv eher bei weiblichen Vornamen.

    Und der "Thomas" von damals steht Jahrzehnte später für ein hartnäckiges gesellschaftliches Problem: 2017 stellte die gemeinnützige Allbright-Stiftung fest, die Vorstände deutscher Unternehmen seien noch immer sehr homogen und "durch und durch von 'Thomas' geprägt". Was nicht nur eine Feststellung zur Gender-Frage, sondern auch eine über Herkunft und Alter ist. Und es bleibt noch einiges zu tun, diesen sogenannten "ewigen Thomas-Kreislauf" zu durchbrechen und mehr Diversität in die Führungsetagen zu bringen. Darauf zu warten, dass er einfach mit den Jahren zum "Lukas-Kreislauf" oder irgendwann zum "Noah-Zirkel" wird, wäre sicher keine gute Idee.

    Die GfdS wertet seit 1977 für ihre Erhebung die Vornamen aus, die in die Geburtsurkunden an deutschen Standesämtern eingetragen werden. Die der Statistik zugrundeliegenden Daten decken nach Angaben der Organisatoren der Namenslisten 90 Prozent aller 2020 in Deutschland vergebenen Vornamen ab.

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