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Vor zehn Jahren gestorben: Der Filmproduzent Bernd Eichinger | BR24

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Bildrechte: BR/Constantin Film Produktion GmbH/Karin Rocholl

"Christiane F.", "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose", "Das Parfum": Bernd Eichinger stand für einige der größten Kinoerfolge der 1980er und 1990er Jahre. Am 24. Januar 2011 starb er mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt.

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Vor zehn Jahren gestorben: Der Filmproduzent Bernd Eichinger

"Christiane F.", "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose", "Das Parfum": Bernd Eichinger stand für einige der größten Kinoerfolge der 1980er und 1990er Jahre. Am 24. Januar 2011 starb er mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt.

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Von
  • Markus Metz

Ein Leben für das Kino: Schon während Bernd Eichinger, geboren 1949 in Neuburg an der Donau, an der "Hochschule für Fernsehen und Film" in München studierte, jobbte er in den Bavaria Studios. Kaum hatte er sein Diplom in der Tasche, gründete er 1974 seine eigene Produktionsfirma "Solaris Film". Diese brachte einige Schlüsselwerke des Jungen deutschen Films in die Kinos wie "Falsche Bewegung" von Wim Wenders oder "Stunde Null" von Edgar Reitz.

Eichinger wollte mehr als Produzent sein

Zufrieden war Eichinger damit nicht, verstand er sich doch als "kreativer" Produzent: Einer, der Stoffe aufspürt und gemeinsam mit dem Regisseur ein Filmkonzept dafür entwickelt. Und einer, der den Kinozuschauern nicht nur ein paar schöne Stunden verspricht, sondern ein Event: !Ich glaube, dass sich ein Projekt, das Erfolg haben soll, dadurch auszeichnet, dass es zum Ereignis wird", erklärte Bernd Eichinger 1987 der Deutschen Welle. "Darin liegt eigentlich das ganze Geheimnis: Dass man das Lebensgefühl der Leute, die dann letztlich ins Kino gehen, irgendwie mit verspüren muss."

Die Constantin ist tot, es lebe die Constantin!

Als Ende der 1970er Jahre die traditionelle "Constantin Film" in Konkurs ging, wusste Bernd Eichinger die Gelegenheit zu nutzen. Als Geschäftsführer und Teilhaber der "Neuen Constantin" machte er den Filmverleih auch zur Produktionsfirma. Und seine für bundesrepublikanische Verhältnisse megateuren Bestsellerverfilmungen wie "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und Michael Endes "Die unendliche Geschichte" lockten die Menschen in die Kinos.

Ein Kloster für 10 Millionen DM

Wenn Eichinger sich ein Projekt in den Kopf gesetzt hatte, scheute er weder Kosten noch Mühen: Für die Umberto Eco-Verfilmung "Der Name der Rose“ ließ er für zehn Millionen DM ein Kloster auf einen italienischen Hügel bauen. Solche Budgets waren natürlich nicht ohne die Beteiligung amerikanischer Studios zu stemmen. So hatte Eichinger immer wieder heikle Verhandlungen in den USA durchzustehen, bei denen oft die Existenz der Constantin auf dem Spiel stand.

Ein erschreckender Anruf für Bully Herbig

"Für mich war Eichinger eigentlich Hollywood, Hollywood in Deutschland, in München – und eigentlich für eine gewisse Zeit auch sehr weit weg, also gar nicht so erreichbar", erinnert sich der Comedian und Regisseur Michael "Bully" Herbig. "Das heißt, dieser Anruf mit dem Originalsatz 'Der Bernd will dich sehen', der hat mich schon erst einmal ziemlich erschreckt."

Seiner Zeit voraus

Anfang der 1990er Jahre zog Bernd Eichinger nach Hollywood. Vom Constantin-Büro in Los Angeles mit Blick auf den Pazifik aus spürte er Stoffen und Geldgebern nach, war manchmal zu spät und manchmal seiner Zeit voraus. Für seine Lieblingsidee, den Superhelden-Comic "The Fantastic Four" zu verfilmen, interessierte sich damals in Hollywood noch niemand. Gleichzeitig fungierte Eichinger als Produzent europäischer Constantin-Projekte wie "Salz auf unserer Haut" oder "Das Geisterhaus".

Große Budgets und derbe Komödien

Eichingers Erfolg als Produzent beruhte auf drei Säulen. Die eine war die Verfilmung von Bestseller-Romanen – bekannte Stoffe, berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler, große Budgets. Die zweite waren Film-Versionen von bekannten Pop- und Comic-Serien wie "TKKG", "Werner" oder dem Zombie-Horror-Computerspiel "Resident Evil". Und die dritte Säule waren deutsche Komödien von nicht besonders feinfühligem Humor wie "Manta, Manta" oder "Ballermann 6".

Politisches Kino bringt Oscar-Nominierung

Ende der 90er Jahre übernahm Eichinger bei "Das Mädchen Rosemarie" erstmals auch die Regie. Zu dem Remake eines großen Erfolgs des deutschen Nachkriegskinos über die Welt von Nobelprostitution und Korruption hatte er auch das Drehbuch geschrieben. Als die Constantin 1999 an die Börse ging, zog sich Eichinger bald aus dem Tagesgeschäft zurück und konzentrierte sich auf seine eigenen Projekte. Er schrieb die Drehbücher zu "Der Untergang" über Hitlers letzte Tage im Führerbunker und zu "Der Baader Meinhof Komplex", die beide für den Oscar nominiert wurden.

Bernd Eichingers Gespür für den Publikumsgeschmack füllte regelmäßig die Kinos, bei der Kritik fanden seine Filme weniger Zuspruch. Doch den deutschen Film hat der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur so nachhaltig beeinflusst wie nur wenige andere.

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Der bayerische Produzent Bernd Eichinger war einer der Größten der deutschen Filmbranche und führte bei einigen Filmen wie "Der große Bagarozy" selbst Regie. 2011 ist er gestorben.

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