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Vor München-Konzert: Rapper Kollegah weist Vorwürfe zurück | BR24

© Matthias Balk/dpa

Rapper Kollegah

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    Vor München-Konzert: Rapper Kollegah weist Vorwürfe zurück

    Er distanziere sich von Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit, betonte der umstrittene Rapper bei einem Konzert in Leipzig. Am 14. Dezember soll er im Münchner "Backstage" auftreten. Kritiker halten das für "geistige Brandstiftung".

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    Zumindest diesmal gab es beim gestrigen Auftritt in Leipzig keinerlei Zwischenfälle: Rapper Kollegah alias Felix Blume, stand im dortigen "Haus Auensee" auf der Bühne, aber Proteste und Handgreiflichkeiten blieben aus. Es kamen nach Angaben der "Leipziger Volkszeitung" auch nur wenige Zuschauer. Bei einem früheren Auftritt am selben Ort war der Sänger mit einem Besucher aneinander geraten und im August 2017 vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 18 000 Euro verurteilt worden (90 Tagessätze zu 200 Euro). Kollegahs Anwalt hatte behauptet, es sei "Notwehr" gewesen, weil ein Fan dem Künstler angeblich eine "teure Sonnenbrille vom Kopf reißen" wollte.

    Dem Management des umstrittenen Sängers war es jetzt wichtig, die Botschaften zu verbreiten, die der Künstler am Ende seiner Leipziger Bühnenshow seinen Fans mitteilte. Laut Videomitschnitt distanzierte er sich von Antisemitismus und sagte, einer "seiner besten Freunde" sei Jude. Er sei auch weder homophob, noch frauenfeindlich: "Manchmal sehen die Leute uns nur von außen und können uns gar nicht so richtig einschätzen und checken eigentlich gar nicht, dass unsere Musikkultur, unser Hip-Hop eigentlich verschiedenste Leute von aller Welt mehr zusammenbringt als teilt." Der Rap stehe dafür, Leute nach ihrem Charakter zu beurteilen, nicht nach ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Glauben.

    Frauenzeitschrift: "Sexist Man Alive"

    Am 14. Dezember soll Kollegah im Münchner "Backstage" auftreten, was Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) als falsches "Signal" und "geistige Brandstiftung" bezeichnete, weil sich der Sänger nicht ausreichend vom Vorwurf der Judenfeindlichkeit distanziert habe. Die Frauenzeitschrift "Emma" zeichnete den Rapper Ende Oktober als "Sexist Man Alive" aus, ein in diesem Jahr erstmals vergebener Negativpreis für besonders sexistisches Verhalten. "Keiner ist so sexistisch, homophob und so antisemitisch wie du", schrieb die von Alice Schwarzer geleitete Redaktion an den Sänger. Bei den ihrer Meinung nach krass gewaltverherrlichenden Texten von Kollegah will "Emma" nach eigener Aussage "auch keine Ironie und künstlerische Freiheit mehr gelten" lassen.

    © Matthias Balk/dpa

    Kollegah im Tonstudio in München

    Ein geplantes Konzert von Kollegah am 9. November im baden-württembergischenRastatt wurde mit der Begründung abgesagt, seine Texte seien zu aggressiv. Den Auftritt in Köln am 12. November hatte die dortige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bei einer Protestveranstaltung mit den Worten kommentiert: "Wer versucht, unsere Toleranz zu missbrauchen, der ist kein Vertreter von Meinungsfreiheit, sondern von Dummheit."

    München-Konzert noch nicht abgesagt

    Gleichwohl ist der Auftritt am 14. Dezember im Münchner "Backstage" im Rahmen der "Monument"-Tour bisher trotz heftiger Kritik nicht gestrichen worden. Vielmehr wird Kollegah auf der Homepage des Veranstalters als "momentan wohl polarisierendster Artist im deutschsprachigen Raum" angekündigt. Münchens Grünen-Chef Dominik Krause sprach von "billiger Provokation auf Kosten anderer" und forderte, das Konzert abzusagen, weil es nicht "vor so vielen Jugendlichen" stattfinden solle.

    Der Sänger machte Schlagzeilen, nachdem er bei einer Verleihung des Musikpreises "Echo" gemeinsam mit seinem Kollegen Farid Bang den Song "0815" interpretierte, in dem es wörtlich hieß: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Für das mittlerweile vom Jugendschutz indizierte Album "Jung, brutal, gutaussehend III" bekam er einen Preis. Das fand Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) "beschämend". Es gab einen derartigen Eklat, dass daraufhin der "Echo" eingestellt wurde.

    Nach einem privaten Besuch in der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz hatte Kollegah beteuert, seine "grundsätzliche Sensibilität gegenüber dem Holocaust" sei gewachsen.