Said Arif, Imam der Khadija Moschee, spricht mit Besuchern in der Khadija Moschee in Berlin Pankow. Rund 1000 Moscheegemeinden bundesweit laden in diesem Jahr wieder interessierte Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Moschee am 3.10.2022ein.
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Said Arif, Imam der Khadija Moschee, spricht mit Besuchern in der Khadija Moschee in Berlin Pankow.

    Vor Islamkonferenz: Forderung nach besserer Bezahlung für Imame

    Vor Beginn der Deutschen Islamkonferenz am Dienstag werden Forderungen laut: Imame sollen besser bezahlt werden. Wie das finanziert werden könnte, dazu gibt es unterschiedliche Ideen - von einer Moscheesteuer bis hin zu einer Stiftung.

    Wenn Bundesinnenministerin Nancy Faeser am Mittwoch die fünfte Phase der Deutschen Islamkonferenz (DIK) eröffnet, geht es einmal mehr um Imame in Deutschland. Zwar hat die DIK in den vergangenen Jahren wichtige Ergebnisse erzielt - wie etwa den Aufbau islamisch-theologischer Seminare an deutschen Universitäten. Allein: Den Moscheegemeinden fehlt oft das Geld, diese in Deutschland ausgebildeten Imame auch zu beschäftigen.

    Islamwissenschaftler: Beruf ist noch nicht attraktiv genug

    Der islamische Theologe Mouhanad Khorchide hofft deshalb bei der bevorstehenden DIK auf Impulse für eine bessere Bezahlung sowie bessere Arbeitsbedingungen für Imame. Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) plädierte er für eine Moscheesteuer, von der besonders Imame profitieren sollten. Bisher sei zwar einiges für deren Aus- und Weiterbildung in Deutschland erreicht worden, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster. Allerdings sei der Beruf des Imams wegen geringer finanzieller Unabhängigkeit, meist schlechter Arbeitsbedingungen und fehlender existenzieller Sicherheit nicht attraktiv genug. Die Imame, die etwa für die Leitung der Gebete in den Moscheen, Seelsorge und geistliche Dienstleistungen wie Verheiratungen zuständig sind, seien finanziell auf die Vorstände ihrer Moscheegemeinden angewiesen und lebten auch von Spenden.

    Nur wenige Studierende wollen Imam werden

    Von den rund 800 Studentinnen und Studenten, die bisher das Studium des theologischen Zentrums in Münster absolviert hätten, strebten laut Khorchide gerade einmal ein oder zwei eine Beschäftigung als Imam an. Die meisten wollten stattdessen Religionslehrer werden, in die Politikberatung oder in die Wissenschaft. Es sei wenig sinnvoll, Ressourcen in die Ausbildung deutschsprachiger Imame zu investieren, wenn die Absolventen dann andere Berufe wählten, sagte Khorchide.

    Khorchide für Moscheesteuer

    Eine Moscheesteuer könnte Imame finanziell besser ausstatten. Dazu müsste sie aber vor allem deren Bezahlung zugute kommen, statt an die Moscheevereine zu fließen, so Khorchide. Die Idee einer Moscheesteuer war in der Vergangenheit immer wieder im Gespräch, wurde aber bisher nicht umgesetzt. Unter anderem häuften sich organisatorische und rechtliche Fragen.

    Kiefer für staatlich finanzierte Moschee-Stiftung

    Unterdessen sprach sich der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer für die Gründung einer Moschee-Stiftung aus. Sie sollte vom Staat finanziert werden, aber zugleich von ihm und den muslimischen Verbänden unabhängig arbeiten, sagte Kiefer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zweck der Stiftung wäre die Bezahlung von in Deutschland ausgebildeten Imamen, die dann in Moscheegemeinden arbeiten könnten. "Mit 50 Millionen Euro pro Jahr könnte man 800 Imame in Vollzeit finanzieren", sagte Kiefer. Die bisherige Islampolitik, die Islaminstitute und -Studiengänge und sogar ein Islamseminar zur Ausbildung von Imamen hervorgebracht habe, habe ein Manko, sagte der Professor der Universität Osnabrück: "Keiner hat bedacht, wie es mit den Absolventen nach dem Studium weitergehen soll." Einzig die Lehramtsstudierenden hätten eine berufliche Perspektive.

    Für in Deutschland ausgebildete Imame fehlt das Geld

    Die Moscheegemeinden hingegen hätten für studierte Imame kein Geld. Sie seien froh, wenn ihre im Ausland ausgebildeten Imame auch von dort bezahlt würden. So entsende etwa die türkische Religionsbehörde Diyanet für Gemeinden des Verbandes Ditib Imame nach Deutschland und bezahle sie auch, sagte Kiefer. Dadurch entstünden Abhängigkeiten, die Deutschland eigentlich nicht wolle und die auch tatsächlich problematisch seien.

    "Wenn Deutschland die Finanzierung der Imame aus dem Ausland, etwa aus der Türkei, aber auch aus Katar oder Marokko nicht will, muss es selbst Geld in die Hand nehmen", sagte der Wissenschaftler. Die Stiftung wäre Kiefer zufolge ein unabhängiges Organ, das die Gelder nach vorher festgelegten Regeln verteilen würde, um etwa zu verhindern, dass Geld an Islamisten gezahlt wird. Nur Moscheegemeinden, die sich zum Grundgesetz bekennen, nicht aber Islamverbände, könnten Mitglieder sein. Ein Kuratorium, besetzt mit anerkannten muslimischen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft, sollte die Stiftung leiten.

    Neue Phase der Deutschen Islamkonferenz

    Die Deutsche Islamkonferenz ist seit 2006 das zentrale Forum für den Dialog zwischen Staat und Muslimen in Deutschland. Teilnehmer sind unter anderen die meisten islamischen Moscheeverbände sowie muslimische Einzelpersönlichkeiten. Khorchide ist Teilnehmer des Eröffnungspodiums bei der Auftaktveranstaltung.

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