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Berlin in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs

Berlin 1945. Die letzten Kriegstage. Zwei einfache Rekruten, Fritz und Schulz, schlagen sich durch die zerbombte Stadt. Der offizielle Auftrag ihres Vorgesetzten: eine Geldkassette ins Reichsluftfahrtministerium zu transportieren. Ihre eigene Mission: nicht zwischen die Fronten zu geraten, sondern irgendwie abzutauchen. Solange, bis der Krieg vorüber ist, ohne vorher vom heranrückenden Feind erschossen oder von der eigenen Truppe als Deserteure an die Wand gestellt zu werden.

Ein gewitzer Held auf der Flucht

Fritz und Schulz werden bald getrennt. Sie verlieren sich aus den Augen, um sich am Ende wiederzufinden: im Segelboot von Fritz, das den heimeligen Namen Traute trägt und an den Ufern des Wannsees als rettendes Versteck dient, einer Arche gleich. Während der Zeit ihrer Trennung verfolgt Burghart Klaußner in seinem kurzen, kompakten Roman allein Fritz, der auf seiner Flucht vor Freund und Feind einiges an Chuzpe beweist.

„Der Fritz, der, sagen wir mal, Held Nummer eins in dem Buch ist, ist ja sehr gewitzt und versteht es, sich durch Improvisation und Geistesgegenwart aus mancherlei Situation zu retten", sagt Burghardt Klaußner. "Ich hätte wahrscheinlich dasselbe gemacht.“

Ein hoch talentierter Debütant

„Vor dem Anfang“ ist ein Roman, der am Ende des zweiten Weltkriegs spielt, mit dem Titel aber auf das vorausdeutet, was nach diesem Ende begann. Aus dieser Warte besehen ist Klaußners Protagonist Fritz ein typischer Vertreter der vielen Noch-Mal-Davongekommenen, die in der Zeit dieses Neuanfangs nicht mehr zurückblicken wollten. Es brauchte schon Menschen wie den Staatsanwalt und Initiator der Auschwitz-Prozesse Fritz Bauer, den Burghart Klaußener auf der Leinwand verkörpert hat, um die Aufarbeitung der NS-Verbrechen anzustoßen.

„Ich glaube, schon der Name 'Fritz', der eindeutig für einen 'Deutscher geht’s gar nicht-Menschen' steht, hat eben zwei Ausprägungen", sagt Burghart Klaußner. "Beim Fritz Bauer ist er, wie wir heute erkennen, eine heldenhafte Figur. Bei meinem Fritz im Roman ist er der absolute Durchschnittsmann. Bei Friedrich dem Großen, dem alten Fritz, war er ein Kriegstreiber."

Burghart Klaußners Prosa entfaltet bei aller Lakonie im Tonfall und Schnörkellosigkeit der Dramaturgie einen erstaunlichen atmosphärischen Reichtum. Der Schauspieler erweist sich als hoch talentierter literarischer Debütant. Er versteht es, mit knappen Strichen Stimmungen zu zeichnen, und verwebt dabei gekonnt Sinneseindrücke und Emotionen miteinander.

Burghart Klaußners Roman "Vor dem Anfang" ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.