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Vor 50 Jahren ohrfeigte Beate Klarsfeld den Bundeskanzler | BR24

© Michael Euler

Beate Klarsfeld im Jahr 2017

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    Vor 50 Jahren ohrfeigte Beate Klarsfeld den Bundeskanzler

    Mit den Worten "Nazi!" verpasste Beate Klarsfeld am 7. November 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf dem CDU-Parteitag eine Ohrfeige. Sie wurde wegen Körperverletzung festgenommen und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

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    Die Vorgeschichte: Kurt Georg Kiesinger war 1933 in die NSDAP eingetreten und hatte seinen Kriegsdienst in der Rundfunkpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amts geleistet, die damals Parolen von Deutschlands Größe verbreitete sowie antisemitische Hetze. Zuletzt war Kiesinger stellvertretender Leiter. Dass dieser Mann deutscher Kanzler wurde, prangerte Beate Klarsfeld zunächst in der französischen Presse an, denn sie lebte in Paris. Als sie am 2. April 1968 Kiesingers Rede im Bundestag mit dem Ruf "Tritt zurück, Nazi!" unterbrach, wurde sie abgeführt. Auf den Berliner CDU-Parteitag am 7. November begab sie sich dann mit einem französischen Journalistenausweis. Sie kämpfte sich bis zu Kiesinger vor und ohrfeigte ihn. Da sie auch sein Auge traf, musste ein Arzt geholt werden.

    50 rote Rosen

    Der Schriftsteller Heinrich Böll schickte Beate Klarsfeld 50 rote Rosen, aber meistens wurde sie nach der Tat als Nestbeschmutzerin beschimpft. Die noch am selben Abend verhängte Gefängnisstrafe von einem Jahr wegen Körperverletzung und Beleidigung wurde später in vier Monate auf Bewährung umgewandelt.

    Die deutsche Protestantin jagte danach zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld Nazis in der ganzen Welt. Sie brachten den früheren Lyoner Gestapo-Chef Klaus Barbie, den sie 1971 in Bolivien aufspürten, in Frankreich vor Gericht. Dafür wurde Beate Klarsfeld im Ausland vielfach ausgezeichnet. Die israelische Knesset schlug sie zwei Mal für den Friedensnobelpreis vor. Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy hat sie zwei Mal mit Orden geehrt, auch der heutige Staatschef Emmanuel Macron empfing Beate und Serge Klarsfeld vor Kurzem im Élysée-Palast.

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