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Michael Verhoevens bayerischer Anti-Vietnamfilm "o.k." führte bei den Berliner Filmfestspielen 1970 zum Skandal. Anti-Amerikanismus lautete der Vorwurf. Der Film landete im Giftschrank der Geschichte. Jetzt kommt "o.k." erstmals als DVD heraus.

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Vor 50 Jahren ein Skandalfilm: Michael Verhoevens "o.k."

Michael Verhoevens bayerischer Anti-Vietnamfilm "o.k." führte bei den Berliner Filmfestspielen 1970 zum Skandal. Anti-Amerikanismus lautete der Vorwurf. Der Film landete im Giftschrank der Geschichte. Jetzt erscheint "o.k." erstmals auf DVD.

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Von
  • Moritz Holfelder

Filmequipement steht herum im Prolog zum Film. Fünf Schauspieler, unter ihnen Regisseur Michael Verhoeven, betreten ein Haus mitten in einem bayerischen Dorf. Ein großes Zimmer fungiert als Garderobe für die Filmleute. Verhoeven spricht mit seiner ebenfalls anwesenden Frau Senta Berger. Dann schwenkt die Kamera auf ein Mädchen, das am Fenster steht, Eva Matthes.

Vietnam in Bayern

Sie spielt die Mao - ein Mädchen, das 1966 in Vietnam von fünf amerikanischen GIs vergewaltigt und ermordet wurde. Der erschütternde Vorfall ging damals durch die Weltpresse und blieb dennoch innerhalb des US-Militärs ohne Konsequenzen. Michael Verhoeven machte daraus 1970 seinen Film "o.k." – als ein Reenactment der tatsächlichen Geschichte, aber mit bayerischen Darstellern. Fünf Soldaten richten im Dschungel einen Außenposten ein. Es passiert nicht viel, bis das vietnamesische Mädchen Mao mit einem Fahrrad vorbeikommt und das gesperrte Gelände passieren will.

Aggressiv überhöhter Heimatfilm

"o.k." ist auf seine ruppige Art ein radikaler Antikriegsfilm. Ungewöhnlich in seiner bayerischen Mundart, konsequent in seinen reduzierten Mitteln: Eine abgeholzte triste Waldlichtung im Grünwalder Forst bei München wird zum abstrahierten Schauplatz des Vietnamkrieges.

Die Kamera von Igor Luther schwebt bisweilen über dem Geschehen wie ein Beobachter aus dem All, kalt und unbarmherzig. Jahrzehnte vor der Erfindung von Drohnen lieh man sich einfach eine Feuerwehrleiter aus. Verfremdung, stilistische Brechung und schrille Musik waren Mittel, mit denen Ende der sechziger Jahre das junge europäische Kino der Neuen Wellen arbeitete. Und so bezog sich ein kompromissloser Regisseur wie Michael Verhoeven damals auf alte Heimatfilme, um sie dann aggressiv zu überhöhen und ihnen jegliche Form der Tümelei auszutreiben.

Im Büro der Münchner Sentana Film hängt bis heute ein Foto von den Dreharbeiten über seinem Schreibtisch – es zeigt einen der Schauspieler im Schützengraben. Michael Verhoeven: "Den haben sich die Schauspieler selbst ausgehoben. Weil, es war eine sehr, sehr sparsame – ich möchte aber nicht sagen: billige – Produktion! Und dann haben wir das da gedreht. Wir wussten schon, das ist ungewöhnlich. Gar nicht wegen des Themas, das hätte auch ein anderer machen können, aber nicht so. Wir hatten schon das Gefühl, was wir hier machen, ist wichtig."

Zeitlose Sprengkraft

Wenn man "o.k." nach 50 Jahren anschaut, wird einem bewusst, wie glatt und formal unaufregend das heutige junge Kino im Vergleich zu damals oft daherkommt. "o.k." besitzt eine zeitlose Sprengkraft – etwa wenn der von Gustl Bayrhammer famos gespielte Captain, bei dem sich ein Zeuge des Mordes an Mao beschwert, die Angelegenheit rigoros bagatellisiert. Kaltblütiges militärisches Denken, das sich heute noch genauso findet wie damals, bringt "o.k." mitreißend auf den Punkt. Der Film ist ein unbequemes Meisterwerk – und endlich, nach über 50 Jahren, regulär zu sehen.

"o.k." von Michael Verhoeven ist als DVD erschienen in der Edition Filmmuseum, inklusive Bonusmaterial und einem Essay.

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