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Radio: Hochspannungsraum für Tontechnik des Rundfunksenders Funkstunde AG im Voxhaus in der Potsdamer Straße in Berlin im Jahr 1924.

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    Vor 100 Jahren: Die Geschichte des Radios in Deutschland beginnt

    Live im Rundfunk lief "Stille Nacht, heilige Nacht": Was heute zur Weihnachtszeit normal ist, war vor 100 Jahren eine wichtige neue Errungenschaft. Inzwischen hat sich vieles geändert. Und doch bleibt das Radio weiterhin wichtig.

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    Von
    • Günter Herkel
    • BR24 Redaktion

    "Achtung, Achtung, hier ist die Sendestelle im Vox-Haus"– mit diesen Worten begann am 29. Oktober 1923 offiziell die Geschichte des Rundfunks in Deutschland, als in einer Dachkammer des Vox-Hauses am Potsdamer Platz die "Funk-Stunde Berlin" den regelmäßigen Sendebetrieb auf Welle 400 Meter (= 749,5 Khz) aufnahm.

    Stille Nacht, heilige Nacht im Rundfunk

    Tatsächlich hatte das erste elektronische Massenmedium der Welt aber bereits drei Jahre früher erste Spuren im Äther hinterlassen. Am 22. Dezember 1920 schrieben Techniker der Hauptpoststelle Königs Wusterhausen bei Berlin sich in die Annalen des Rundfunks ein: Ihr live gespieltes Lied "Stille Nacht, heilige Nacht", ausgestrahlt über einen 10-Kilowatt-Langwellensender, gilt als erste deutsche Rundfunksendung.

    Bei Ausbruch der Novemberrevolution 1918 hatten sich kurzzeitig revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte der Funkanlagen bemächtigt. Die rasch steigende Reichweite machte den Rundfunk zu einem mächtigen Medium, dessen Kontrolle von Anfang an heftig umkämpft war. Bereits Ende 1925 gab es rund eine Million Hörerinnen und Hörer in Deutschland, eine Zahl, die bis 1932 auf etwa vier Millionen stieg.

    Instrument der kulturellen Weiterbildung

    Aufgrund seiner vergleichsweise einfachen Technik galt der Hörfunk in seinen Anfängen manchen Zeitgenossen als Demokratisierungsinstrument. Die damals aktive Arbeiterradiobewegung grenzte sich von den "bürgerlichen" Amateur- und Bastelvereinen ab. Sie betrachtete den Rundfunk nicht als bloßes Unterhaltungsmedium, sondern als Instrument zur "kulturellen Weiterbildung der Arbeiterklasse".

    Die Nazis hatten andere Pläne. Den NS-Propagandisten erschien es als ideales Instrument zur ideologischen Gleichschaltung der Bevölkerung. Mit dem sogenannten "Volksempfänger" förderte das Propagandaministerium die Entwicklung des Radios zum Massenmedium. Vom Volksmund wurde das vergleichsweise günstige Gerät schnell als "Goebbels-Schnauze" verspottet. Allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Andersdenkende und Andershörende wurden gnadenlos verfolgt. Wer britische BBC hörte, riskierte sein Leben.

    Geburt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

    Nach dem Zweiten Weltkrieg entzogen die Allliierten Deutschland die Aufsicht über den Rundfunk. Nie wieder – so die westlichen Siegermächte - sollte das Radio ein zentrales Instrument staatlicher Informationskontrolle sein. Organisiert werden sollte es nach dem Vorbild der BBC: staatsfern, durch Gremien kontrolliert, aus Gebühren finanziert.

    1950 schlossen sich die Landesrundfunkanstalten (darunter auch der 1948 gegründete BR) zur Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) zusammen. Radio über Mittelwelle und Ultrakurzwelle, dazu das erste Fernsehprogramm: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie wir ihn heute kennen, war geboren.

    In der zentralistischen DDR dagegen sicherte sich der Staat die vollständige Kontrolle über den Rundfunk. Vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs zwischen Ost und West schlug im Äther nun die Stunde der Störsender. Vor allem der "Rundfunk im amerikanischen Sektor" (RIAS) war der SED-Staatsführung ein Dorn im Auge und Ärgernis im Ohr. Folglich ließ sie ihn mit hohem technischem Aufwand systematisch stören.

    Ab 1984 wurden private Sender zugelassen

    Bis in die 1980er Jahre versorgten die öffentlich-rechtlichen Anstalten in der Bundesrepublik ihr Publikum als Monopolisten mit immer vielfältigeren Programmen. Ab 1984 wurden auch privat-kommerzielle Sender zugelassen, viele neue Lokalradios entstanden. Dies allerdings geknüpft an die Existenz eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der Grundversorgung und Meinungsvielfalt absicherte. Damit war die Grundlage des bis heute gültigen dualen Rundfunksystems geschaffen.

    Längst hat der Hörfunk seine Rolle als Leitmedium an das Fernsehen abgetreten. Für die "digital natives" ist inzwischen das Internet zur Hauptinformations- und -Unterhaltungsquelle geworden. Aber noch immer schalten 54 Millionen Deutsche täglich eines der rund 70 öffentlich-rechtlichen und der etwa 280 Privatradios ein. In 94 Prozent der Haushalte steht mindestens ein Radio. Und fast jeder vierte Haushalt besitzt ein digitales DAB+-Radio.

    Zukunft des Radios

    Wie sieht das Radio in 20 Jahren aus? Welche Rolle wird es in unserem Leben künftig einnehmen? Die Entwicklung des Mediums im Internetzeitalter bleibt spannend, vor allem dank der Konkurrenz zwischen UKW, DAB+ und Webradio oder auch der wachsenden Bedeutung von Streamingdiensten wie Spotify.

    "Video killed the Radio Star"? Im Gegenteil. Das Radio ist lebendiger denn je. Es liefert verlässliche Information, gute Unterhaltung, strukturiert unser Leben und begleitet uns durch den Tag – gerade auch in Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie.

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