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Szene aus der Fernsehserie Flipper, USA 1962

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    Von Lassie bis Charly: Welche Bedeutung haben Tiere im Film?

    Delphin Flipper, Pferd Fury oder ein Hund namens Beethoven – Tierfiguren sind aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken. Schon zu den ersten Bewegtbildern gehörten Aufnahmen von Tieren. Tiere faszinieren. Noch mehr, wenn sie Freunde sind.

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    Von
    • Antje Dechert

    Die frühen Filmemacher stellten durch Tiere die ungezähmte Natur dar. Daneben stand der zivilisierte und kultivierte Mensch, der sich von den Tieren abgrenzen sollte, so Olaf Stieglitz, Professor für amerikanische Kulturgeschichte an der Universität Leipzig. "Man hat versucht, sich ein Bild vom Tier zu machen und damit auch ein Bild vom Menschen, seiner Werte, Vorstellungen und einer idealen Gesellschaft."

    In Filmen und Serien, in denen Tiere zu titelgebenden Haupt- und Nebenfiguren gemacht wurden, wie bei Fury oder Flipper, spiegeln sie oft menschliche Eigenschaften wieder. "Es gibt ja in vielen Kulturen die Tradition der Fabel, in der die Tiere als moralische Instanz fungieren und in gewisser Hinsicht setzt sich diese Tradition in solchen Serien und Filmen fort."

    Lassie als Vorbild?

    So erscheint die kluge Collie-Hündin Lassie in der gleichnamigen US-Fernsehserie aus den 50er Jahren vor dem Hintergrund des Kalten Krieges als die perfekte "US-Staatsbürgerin". "Da geht es um das Ideal der Familie, des Vororts oder der Kleinstadt", so Stieglitz, "um die vermeintliche Natürlichkeit der Arbeits- und Geschlechterverhältnisse, um die vermeintliche Eindeutigkeit von Gut und Böse."

    Aber bei Lassie schwinge auch mit, dass diese ideale Gesellschaftsordnung nicht selbstverständlich ist. Von außen droht immer Gefahr. Ein Spiegel des kollektiven Unterbewussten der 1950er Jahre. Zwar wird der Kommunismus in der Serie nie konkret als Feindbild benannt, aber symbolisch ist er präsent – wiederum durch Tiere.

    Gute und böse Tiere

    "Es gibt Folgen in 'Lassie', in denen bestimmte Tiere mit diesem bedrohlichen Außen assoziiert werden", sagt Stieglitz, "zum Beispiel der Kojote, der auf die Farm kommt und die Nutztiere bedroht oder die Katze, die auftaucht und sich schlau auf ihre eigenen Vorteile besinnt, während der Hund das Gemeinwohl im Sinne hat."

    Gute Tiere verkörpern menschliche Ideale, böse Tiere bedrohen diese. Von letzteren wimmelt es im Horrorfilm. Da stehen Insekten, Spinnen und Schlangen für Grauen, Chaos, Dystopie und menschliche Abgründe. "Es gibt das Mischwesen, das häufig sehr menschlich daherkommt, aber nichtsdestotrotz das Tier in sich trägt", sagt Kulturwissenschaftler Stieglitz. Im Horror-Genre schwinge dabei die Frage mit: "Wer sind wir? Wie kommt das Andere in uns und wie können wir es wieder aus uns verbannen?"

    Das Menschliche im Tier

    In manchen Filmen verschwimmt die Grenze zwischen Mensch und Tier. Prominentes Beispiel ist King Kong, der Menschenaffe, der sich in eine Frau verliebt. "King Kong bekommt ein Gesicht, Gefühle, Persönlichkeit und Charakter. Er liebt und seine ökonomische Ausbeutung wird angeprangert", so Stieglitz, der auch darauf hinweist, dass im Bild vom dunklen Affen und der "weißen Frau" rassistische Untertöne mitschwingen.

    Eine Grenze gebe es bei der Vermenschlichung King Kongs, "wenn es darum geht, die finale Verbindung mit dem Menschen über Begehren über Sexualität einzugehen, das wird im Film verweigert. Bis hier hin und nicht weiter." Wer steht innerhalb, wer außerhalb der Gemeinschaft, wer darf dazugehören, was ist normal, was nicht? Bei Bildern von Tieren geht es um Machtfragen – unter Menschen, aber letztlich auch um die Macht des Menschen über Tiere.

    Das Tier als Freund

    In den allermeisten Filmen ist am Ende der Mensch überlegen. Und dennoch zeigt sich da auch etwas anderes. Die Sehnsucht nach einem freundschaftlichen, harmonischen Mensch-Tier-Verhältnis. Denn Publikumslieblinge wie Kommissar Rex, der seinem Herrchen sogar die Wäsche macht, das Schweinchen Babe oder der Schimpanse Charly sind in Film und Serien nicht nur die sympathischeren Zeitgenossen, sondern auch als gleichberechtigte Gefährten zu sehen.

    Für den Historiker Olaf Stieglitz spiegeln sich darin die lauter gewordenen Debatten um Tierwohl und Tierrechte. "Solche Serien, solche Filme sind eine Möglichkeit, dem schlechten Gewissen über Massentierhaltung oder Tierversuche einerseits entgegenzutreten ohne es andererseits wirklich ernsthaft thematisieren zu müssen."

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