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Von der DDR ins SOS-Kinderdorf | BR24

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Jörg-Olaf Lamprecht arbeitet als SOS-Kinderdorfvater in Dießen am Ammersee

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Von der DDR ins SOS-Kinderdorf

Jörg-Olaf Lamprecht arbeitet als SOS-Kinderdorfvater. Er kümmert sich um Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, weil sie schon eine schwere Krise oder Gewalt erlebt haben.

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In Dießen am Ammersee leben zwischen 55 und 60 Kinder im SOS-Kinderdorf. Jede SOS-Kinderdorffamilie hat eine Mutter, die sich um die Kinder kümmert und ihnen ein Zuhause gibt. In ganz seltenen Fällen ist es ein Vater, der diese Rolle übernimmt. Jörg-Olaf Lamprecht leitet ein Kinderdorf. In seiner Familie leben sechs Kinder.

Von der Diktatur zur Demokratie: ein schwerer Weg

2011 kommt er mit seiner Frau aus Thüringen nach Oberbayern. Der Fall der Mauer, das wiedervereinigte Deutschland und das Ende der Diktatur haben das Leben von Jörg-Olaf Lamprecht komplett verändert. In der DDR arbeitet Lamprecht als Funker im Sperrgebiet, möchte auch Pionierleiter werden. Doch dann verliebt er sich in eine katholische Frau – und heiratet sie. Die SED möchte seine Frau als Mitglied registrieren, zuvor soll sie aus der Kirche austreten. Die Lamprechts lassen sich nicht „verdrehen“ und halten dem Druck des Staatsapparats stand. Doch als Staatsbediensteter im SED-Staat geht Lamprecht damit ein großes Risiko ein. Seine Karriere ist beendet.

Er steht zu seiner Frau und schließt sich den Protesten an: stellt Kerzen ins Fenster und nimmt an den Friedensmärschen teil. Nach dem Mauerfall fällt er erst einmal in ein großes Loch, muss sein Leben neu sortieren. In seiner schwierigen Lebensphase ist ein Pfarrer sein Wegbegleiter.

Neuanfang als SOS-Kinderdorfvater

Er rät ihm, Erzieher zu werden. Mit 40 drückt Lamprecht nochmal die Schulbank, macht eine Ausbildung. 2011 erfährt er, dass ein SOS-Kinderdorfvater gesucht wird. Jörg-Olaf Lamprecht bewirbt sich und wird genommen. Auch seine Frau unterstützt ihn bei seinen Plänen. Das Kinderdorf in Dießen ist für Jörg-Olaf Lamprecht und seine Frau Eva-Maria eine neue Heimat geworden. Das Ziel einer weiten Reise.

„Der Wunsch gerade meine Kinder im Kinderdorf zu erziehen, ist vor allem der Wunsch nach Ehrlichkeit, nach Offenheit, nach Mut, weil genau das alles hat uns in der DDR gefehlt“, sagt Lamprecht. Er sorgt dafür, dass nicht nur Trauer, Wut und Gewalt den Alltag bestimmen, sondern auch Freude und Lachen: Deshalb macht er viele gemeinsame Ausflüge mit den Kindern – wie Segeln auf dem Ammersee und Wanderungen in die Berge.

Mehr über Jörg-Olaf Lamprecht und seinen Werdegang erfahren Sie in STATIONEN am 6. November um 19 Uhr im BR Fernsehen und im Anschluss in der BR Mediathek.