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"Nichts als Angeberei": Influencerin rechnet mit Instagram ab | BR24

© picture-alliance/Silas Stein

Geht von Instagram eine besondere Suchtgefahr aus?

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    "Nichts als Angeberei": Influencerin rechnet mit Instagram ab

    Unter den sozialen Netzwerken ist Instagram eines der erfolgreichsten: 2018 verzeichnete das Netzwerk über eine Milliarde User weltweit, in Deutschland sind es 15 Millionen. Jetzt rechnet eine Aussteigerin in einem Buch mit dem Insta-Wahnsinn ab.

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    Egal ob Fitness, Lifestyle, Mode oder Do-it-Yourself, in dem Fotonetzwerk tummeln sich Influencer nahezu aller Altersklassen und Interessensgebiete und konkurrieren um die Aufmerksamkeit der User. Eine Ex-Influencerin, die Instagram inzwischen den Rücken gekehrt hat, veröffentlicht nun ihre persönliche Generalabrechnung mit dem sozialen Netzwerk als Buch, das sie in München vorgestellt hat.

    Ex-Influencerin verbrachte 672 Stunden jährlich auf Instagram

    In "Unfollow – Wie Instagram unser Leben zerstört", das am 7. Februar erscheint, macht die Wirtschaftsjournalistin Nena Schink auf das große Suchtpotenzial von Instagram aufmerksam. Die 27-Jährige war selbst lange Zeit als Influencer auf Instagram aktiv, postete Fotos von sich im Bikini auf einer Wassermelonen-Luftmatratze. Bis zu zwei Stunden täglich habe sie auf Instagram verbracht, so Schenk gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "14 Stunden wöchentlich, 672 Stunden jährlich. 28 Tage. Ein Monat. Hochgerechnet: fünf volle Jahre meines Lebens."

    Bundesdrogenbeauftragte warnt vor Suchtpotenzial

    Nicht umsonst heiße es, dass Instagram süchtiger mache als Alkohol und Zigaretten, so Schenk. Tatsächlich dokumentiert eine Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) aus dem Jahr 2018, dass bereits 2,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen 12 und 17 Jahren die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der sogenannten "Social Media Disorder Scale" erfüllen. "Wenn du dich nur für dich selber interessierst und dann nur dafür lebst, dass andere Menschen deine Bilder liken, kann das nicht gesund sein", sagt die Ex-Influencerin Schink heute. Und auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig warnt, es gebe sogar einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und Depressionen.

    Auf Instagram gewinnt man "nichts als Aufmerksamkeit"

    Nun ist die Beobachtung, dass soziale Netzwerke ein hohes Suchtpotenzial bergen, an sich nichts Neues. Trotzdem hält die Wirtschaftsjournalistin gerade Instagram für besonders schädlich. Facebook sei gegründet worden, um mit Freunden in Verbindung bleiben zu können, LinkedIn, um beruflich voranzukommen. "Aber auf Instagram gibt es nichts anderes als die Aufmerksamkeit der anderen zu gewinnen", sagte Schink der dpa. "Deswegen mutieren wir alle eigentlich zu Arschlöchern und es herrscht nichts vor als soziale Angeberei."

    Influencer: "Auf Instagram cooler als im echten Leben"

    Und natürlich ist Instagram für viele Nutzer auch ein lukratives Geschäft: Nach Angaben des 2017 gegründeten Bundesverbandes Influencer Marketing (BVIM) beläuft sich der Branchenumsatz in Deutschland, Österreich und der Schweiz im laufenden Jahr auf 990 Millionen Euro. Bis zu 165.000 Menschen, so die Schätzung des Verbandes, verdienen mit Instagram, Blogs oder Youtube-Videos Geld. Nena Schink fand den Weg aus ihrer Instagram-Sucht, weil Familienmitglieder sie immer häufiger auf ihr Suchtverhalten ansprachen. Auch reale Begegnungen mit Influencern seien heilsam für sie gewesen, so die Autorin, und die Erkenntnis, dass viele Influencer auf Instagram cooler wirken als im echten Leben. "Da habe ich mich schon gefragt, warum ich eine Stunde am Tag damit verbringe, das Leben dieser Mädchen zu verfolgen", sagt Schenk.

    (mit Material von dpa)

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