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Vom IS verschleppt - durch die Hölle nach Bayern | BR24

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Das Jesidentum ist eine der ältesten monotheistischen Religionen. Die meisten Jesiden leben als Minderheit im Irak. Dort werden sie von IS-Terroristen verfolgt. Einige von ihnen haben nach fürchterlichem Martyrium in Deutschland Asyl gefunden.

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Vom IS verschleppt - durch die Hölle nach Bayern

Sie haben Dinge erlebt, die man sich kaum vorstellen kann. Drei Schwestern, die der Religion der Jesiden angehören. Vor sechs Jahren wurden sie vom Islamischen Staat im Irak verschleppt. Die Vereinten Nationen erinnern heute an Menschen wie sie.

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Von
  • Irene Esmann

Es ist ein Ort irgendwo in Bayern. Hier können die drei Schwestern der Familie A. in Frieden leben. Doch vor sechs Jahren haben sie die Hölle durchgemacht - in ihrer Heimat Irak. Sie wurden verfolgt und verschleppt vom sogenannten Islamischen Staat, weil sie einer religiösen Minderheit angehören: den Jesiden.

Verkauft, zwangsverheiratet und vergewaltigt

"Sie haben uns in ein Gefängnis gesteckt und haben gesagt: ihr müsst Muslime werden", erzählt eine der Schwestern. Sie ist erst 21 jahre alt. Erlebt hat sie all das, da war sie 16. Ihre beiden älteren Schwestern haben Ähnliches durchgemacht. Als sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren, wurden sie geschlagen und vergewaltigt. Sie bekamen nichts mehr zu essen und zu trinken.

In den vergangenen Jahren tötete der sogenannte Islamische Staat tausende jesidische Männer sowie ältere Frauen. Mädchen und junge Frauen wurden verkauft, zwangsverheiratet und vergewaltigt, Kinder versklavt.

Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt

Ein ganzes Volk ist seitdem auf der Flucht, harrt in den nordirakischen Bergen aus oder lebt in Flüchtlingscamps. Die meisten von ihnen sind schwer traumatisiert. Für Menschen wie sie haben die Vereinten Nationen heute den Gedenktag für die Opfer religiöser Gewalt ins Leben gerufen.

Schock, dass dies im 21. Jahrhundert passiert ist

Die jesidische Schriftstellerin und Bachmann-Preisträgerin Ronya Othmann ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Viele ihrer Verwandten haben ebenfalls Grausames erlebt. Deren Schicksal hat Ronya Othmann in literarischen Texten verarbeitet. Sie will den Jesiden damit helfen, über etwas zu sprechen, für das es eigentlich gar keine Worte gibt.

Man zähle im Laufe der Geschichte insgesamt 74 genozidale Massaker und auch in anderen Zeiten wurden jesidische Frauen versklavt, erzählt sie. "Aber es war schon ein Schock, dass sich das im 21. Jahrhundert vor den Augen der Weltbevölkerung wiederholt hat."

Noch immer sind Jesiden im Irak nicht sicher

Die Terrororganisation Islamischer Staat rechtfertigt die Taten mit religiösen Motiven. Die Jesiden sind in ihren Augen "Ungläubige". Ein Genozid, der noch nicht vorbei ist, sagt Ronya Othmann: "Noch immer sind Frauen gefangen. 2.800 Frauen werden noch vermisst. Die Täter laufen vielfach frei herum."

Nach fünf Monaten in Gefangenschaft gelang den drei Schwestern die Flucht vor ihren Peinigern. Bis heute wissen sie nicht, ob ihre beiden Brüder noch am Leben sind. Und: Eigentlich wünschen sie sich, möglichst bald wieder in ihre Heimat, den Irak, zurückzukehren. Doch die Bedrohung ist immer noch nicht gebannt.

Fünf Jahre in Deutschland - die Alpträume bleiben

In Bayern fühlen sich die drei Schwestern sicher. Sie hatten vergleichsweise Glück, kamen vor fünf Jahren im Rahmen eines Sonderkontingents für besonders bedrohte Flüchtlinge nach Deutschland.

Hier bekommen sie auch psychologische Unterstützung. Aber, so eine der Schwestern: "Manchmal kann man nicht richtig schlafen, wegen der Träume. Man kann einfach nicht vergessen, was die gemacht haben."

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