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Vom Bordstein auf die Bühne – Breakdance-Crew aus Schweinfurt

Vom Bordstein auf die Bühne – Breakdance-Crew aus Schweinfurt

Vor 24 Jahren haben drei Jungs aus einem Turnverein in Schweinfurt mit Breakdance angefangen. Inzwischen ist die Dancefloor Destruction Crew weltweit unterwegs und hat sogar ein eigenes Kreativzentrum. Die Tänzer haben ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Die Geschichte der Dancefloor Destruction Crew klingt wie ein Märchen. Anfangs sind sie in Fußgängerzonen aufgetreten und haben in Jugendzentren trainiert. Die Gruppe wuchs und holte 2007 ihren ersten Weltmeistertitel. Es folgen Gastspiele in unzähligen TV-Shows und Auftritte kreuz und quer über den Erdball. Heute sind alle Profitänzer und können von ihrem ehemaligen Hobby gut leben.

DDC Factory als Homebase und Kreativzentrum

Alles passiert inzwischen im eigenen Kreativzentrum, der sogenannten DDC Factory. Dem Headquarter und Trainingszentrum der Dancefloor Destruction Crew in Schweinfurt. Dort werden Ideen geboren, Choreographien einstudiert und Auftritte organisiert. Der Mann, der die Fäden im Hintergrund zieht, heißt Marcel Geissler. "Wir haben schon früher immer viel hintendran gemacht und jetzt ist das noch mehr geworden, dass wir eben komplett Events veranstalten, konzeptionieren, aber auch kreative Gestaltung", erzählt Marcel. "Also die Inszenierung komplett durchdenken, aber auch die ganze Produktion. Selbst Konzerte veranstalten, selbst das Marketing machen, die Vermarktung und so weiter."

Bildrechte: Raphael Götz DDC

Auftritt der Dancefloor Destruction Crew am Roßmarkt in Schweinfurt.

Kurse für Kinder und Jugendliche

Seit einigen Jahren gibt die Dancefloor Destruction Crew ihr Wissen auch an den Nachwuchs weiter. Es gibt Kurse und Workshops für Breakdance, Hip Hop, Discodance oder Akrobatik. Die DDC Factory ist seit Juli 2019 die zentrale Anlaufstelle für Tänzer und Kreative. Vorher haben sie in wechselnden Turnhallen oder bei der Tanzschule Pelzer trainiert und wurden von anderen Vereinen quasi nur geduldet. Dann bot sich die Chance, ins ehemalige Fitness-Center der in Schweinfurt stationierten US-Soldaten auf dem sogenannten Kessler Field einzuziehen. Das sollte nach dem Abzug der Amerikaner eigentlich abgerissen werden, aber die Stadt ließ sich auf einen Kompromiss ein.

Eigene Halle selbst renoviert

Die DDC kümmert sich in Eigenregie um alles selbst und zahlt dafür nur eine geringe Miete. "Wir haben viel daran gemacht", erzählt Marcel. "Ich habe keine Ahnung, wie wir das damals geschafft haben. Dann haben wir doch immer simple Lösungen gefunden, aus der Halle was herauszuholen. So konnten wir schon nach neun Monaten mit Kursbetrieb aufmachen. Dann haben wir die Stadträte und den OB eingeladen und den neuen Kreativspot gezeigt. Die waren alle sofort begeistert und haben gesagt, die Halle darf man nicht abreißen. Sowas wünscht sich eigentlich jede Stadt."

Bildrechte: Wolfram Hanke BR

Sommerfest der DDC - vorne die Open Air-Bühne, im Hintergrund die DDC Factory

Inzwischen ist die DDC Factory eine Anlaufstelle für alle möglichen Profis aus der Entertainment-Branche. Mit verschiedenen Kursräumen, Ateliers, einer große Halle für Auftritte und einem Co-Working Space. Diese Bemühungen haben inzwischen auch außerhalb von Schweinfurt für Aufsehen gesorgt. Im Juli hat das Bayerische Wirtschaftsministerium die DDC Factory mit dem Staatspreis für bayerische Kreativorte ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro.

Crossover-Projekte mit Klassik-Regisseur

Inzwischen hat auch die Hochkultur die Dancefloor Destruction Crew für sich entdeckt. Christoph Hagel, freier Regisseur und Operndirigent aus Berlin, arbeitet mit den Tänzern der DDC an einem neuen Projekt. Es heißt "Goldberg Moves" und bringt die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach mit den akrobatischen Bewegungen des Breakdance zusammen. "Goldberg Moves" ist nicht die erste Zusammenarbeit von Christoph Hagel mit der DDC. Angefangen hat alles beim Würzburger Mozartfest. Evelyn Meining, die damalige Intendantin, hat ein Crossover-Projekt in Auftrag gegeben, das unter dem Namen "Breakin‘ Mozart" 2013 Premiere feierte. Mit der Produktion "Fuck You Wagner" gab es dann 2016 eine Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit.

Bildrechte: Raphael Götz DDC

Inzwischen ist die Dancefloor Destruction Crew weltweit unterwegs.

Die Tänzerinnen und Tänzer der DDC reisen in verschiedenen Teams rund um die Welt. Zum Oktoberfest nach Blumenau in Brasilien, zum Circus Festival in China, zum Finale der Formula E in London oder auf Schlagertour in ganz Deutschland mit Florian Silbereisen. Höhepunkte hat die Dancefloor Destruction Crew schon viele erlebt, aber das absolute Highlight war der Auftritt in Kenia bei einem Charity Event vor dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Hobby zum Beruf gemacht

Im Februar haben die Chef-Choreographen von Helene Fischer und No Angels ein Video mit über 50 Tänzerinnen und Tänzern in der DDC Factory gedreht. Eingefädelt von Marcel Geissler, der sich mit der DDC einen Traum erfüllt hat. "Es werden keine Stunden erfasst, oder so. Auch bei unseren Mitarbeitern. Wir leben vom Ergebnis und von dem, was wir machen", sagt Marcel Geissler. "Das Besondere bei uns ist eben, dass wir einen Traum leben dürfen. Wir müssen nicht klassisch arbeiten, sondern wir machen einfach das, worauf wir Bock haben."

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