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Für viele derzeit ein rotes Tuch: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki

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    Visitatoren abgereist: Wie geht's nun weiter im Erzbistum Köln?

    Die zerrüttete Situation zwischen Kardinal Woelki und den Gläubigen beunruhigt den Vatikan. Papst Franziskus hat daher zwei Visitatoren ins Erzbistum Köln geschickt. Diese sind nach nur einer Woche bereits wieder abgereist. Wie geht's jetzt weiter?

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    Von
    • Martin Jarde

    Nicht nur für viele Gläubige, selbst für Priester im Erzbistum Köln ist Kardinal Rainer Maria Woelki zu einem roten Tuch geworden. Da sich die Situation seit Monaten eher verschlimmert als besser zu werden, ist man auch im Vatikan beunruhigt.

    Kardinal Woelki unter Beobachtung des Vatikan

    Papst Franziskus hat daher im Mai beschlossen, zwei Visitatoren ins mitgliederstärkste deutsche Bistum zu schicken. Der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende sollten sich ein Bild vor Ort machen, Gespräche führen und Einblick in die Akten nehmen. Dass dies bei einer so großen Diözese und einer derart verfahrenen Situation nicht ganz einfach ist, scheint klar.

    Kirchenrechtler: Überraschend kurze Visitation in Köln

    Umso überraschender war es für viele, dass die beiden Gesandten des Papstes bereits am Dienstag - also am achten Tag ihres Aufenthalts in Köln - wieder abreisten. "Irritierend" nennt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller die kurze Verweildauer. "14 Tage hätte es schon gebraucht, um mit allen zu sprechen, denn die Lage ist komplex", sagte er in einem Podcast seiner Universität.

    Prinzipiell gibt es keine genauen Vorgaben, wie lange eine Apostolische Visitation zu dauern hat. Auch wie sie durchgeführt wird, ist im Kirchenrecht nicht geregelt. Die tatsächlichen Vollmachten des Apostolischen Visitators werden im Ernennungsschreiben des Papstes spezifiziert. Inoffiziell gilt eine Apostolische Visitation als erstes Anzeichen eines Misstrauens gegenüber dem Diözesanbischof. Tatsächlich kann sie aber auch nur den Grund haben, weitere unabhängige Informationen zum Sachstand zu sammeln.

    Gesandte des Papstes sprechen zuerst mit Missbrauchsopfern

    So hatten sich die Visitatoren bei ihrer Ankunft in der vergangenen Woche zuerst mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs getroffen. Die Bischöfe dankten allen Gesprächspartnern sowie allen Personen, die sich per E-Mail oder Brief an sie gewandt hatten.

    Die Gespräche fanden in einem vertraulichen Rahmen statt; bis auf die Missbrauchsbetroffenen wurden alle Gesprächspartner gebeten, nicht über die Inhalte der Treffen zu reden. Auch eine Liste der befragten Personen wurde nicht offiziell veröffentlicht. Bekannt wurde aber, dass die Bischöfe unter anderem mit der früheren Opferbeauftragten Christa Pesch, dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem Vorsitzenden des Diözesanrates des Erzbistums Köln, Tim Kurzbach, gesprochen haben.

    Franziskus lässt Rücktrittsgesuch von Bischof Heße verstreichen

    Der Hamburger Erzbischofs Stefan Heße hatte Franziskus angesichts der ihm in einem Gutachten nachgewiesenen Pflichtverletzungen am 18. März seinen Amtsverzicht anboten. Canon 189 Paragraph 3 des kirchlichen Gesetzbuchs von 1983 sieht für Fälle wie diese vor, dass der Papst diesen Verzicht "innerhalb von drei Monaten" annehmen muss. Andernfalls verliert er jede Rechtskraft.

    Diese Frist ist am vergangenen Wochenende verstrichen. Heße ist damit de jure wieder so frei wie vor der Veröffentlichung des Kölner Missbrauchsgutachtens.

    Bericht der Visitatoren geht direkt an Papst

    Die Visitatoren schreiben nun einen Bericht über ihre Gespräche und Erkenntnisse. Dieser Bericht geht direkt an den Papst, denn alleine ihm sind sie verantwortlich. Wann die beiden Visitatoren ihren Bericht Franziskus vorlegen, ist nicht bekannt.

    Ob der Bericht eine reine Schilderung der Situation vor Ort enthält oder Empfehlungen gibt bzw. Konsequenzen empfiehlt, hängt von dem nicht-öffentlichen Auftrag ab, den der Papst den beiden Visitatoren gegeben hat.

    Was bedeutet Entscheidung für Kirche in Deutschland?

    Doch unabhängig davon: "Am Ende macht sich das Kirchenoberhaupt ein eigenes Bild und entscheidet allein", erklärt der Freiburger Kirchenrechtsprofessor Georg Bier gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur. Dabei wird Franziskus vermutlich nicht nur die Lage in Köln in den Blick nehmen. Er könnte mit abwägen, was seine Entscheidung für die - nicht erst seit dem abgelehnten Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx - international derzeit arg beäugte Kirche in ganz Deutschland bedeutet. Wann dies sein wird, ist völlig offen.

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