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Bildrechte: Museum im Kulturspeicher Würzburg

Mit einer Sonderausstellung widmet sich das Würzburger Museum im Kulturspeicher der "Italiensehnsucht" deutscher Künstler der Klassischen Moderne. Und auch wenn die Ausstellung ins Netz ausweichen muss, sorgt sie für Lichtblicke im Corona-Winter.

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Virtuelle Ausstellung: "Italiensehnsucht" gegen den Corona-Blues

Mit einer Sonderausstellung widmet sich das Würzburger Museum im Kulturspeicher der "Italiensehnsucht" deutscher Künstler der Klassischen Moderne. Und auch wenn die Ausstellung ins Netz ausweichen muss, sorgt sie für Lichtblicke im Corona-Winter.

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Von
  • Jochen Wobser

Es hätte so schön sein können, so passend. Würzburg im Wintergrau, kurze Tage, Schneematsch auf den Straßen - und Trauben von Kunstinteressierten pilgern ins Museum im Kulturspeicher, um sich dort eine Portion Süden für die Seele abzuholen. Das war eine der Ideen, als die stellvertretende Museumsleiterin Henrike Holsing gemeinsam mit der freien Kuratorin Martina Padberg die Ausstellung "Italiensehnsucht" konzipierte. Dann kam die Corona-Pandemie, mit dem Teil-Lockdown Anfang November die erneute Schließung des Museums - und alles war anders.

Corona und Teil-Lockdown: eine Ausstellung ohne Besucher

"Italien und der Süden sind uns zur Zeit ein bisschen ferner als sonst. Mit Corona und den Reisebeschränkungen bekommt so ein Begriff wie Italiensehnsucht noch einen ganz anderen Beiklang", sagt Henrike Holsing und geht durch die menschenleere Sonderausstellung. Seit dem 14. November hängen die Bilder. Besucher waren noch keine da.

Mehr als 100 Werke sind es, die meisten sind Leihgaben aus Museen und von Privatsammlern. "Das war schon ein Aufwand, diese Ausstellung zusammenzustellen", sagt Henrike Holsing. "So eine schöne Ausstellung und niemand kann kommen. Da blutet mir das Herz."

Digitales Ersatzprogramm mit Audioguide, Videos und Quiz

Aber Immerhin: Das Museum im Kulturspeicher bietet Teile der Ausstellung als Digitalversion im Netz an. Da gibt es Videos der Kuratorinnen, eine App mit Quiz und natürlich: die Werke, versehen mit einem Audioguide. Die Bildbeschreibungen wurden zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk im Würzburger BR-Studio produziert.

Seit dem Ausstellungsbeginn fließen jedes Wochenende zwei neue Bilder ins digitale Angebot ein. Etwa 20 Arbeiten sollen bis Mitte Februar präsentiert werden. Die persönliche Begegnung mit den Kunstwerken könne aber auch durch das schönste Online-Angebot nicht ersetzt werden, so Henrike Holsing. Und gerade dieses Ausstellung habe viele lohnende Begegnungen im Petto.

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Bildrechte: BR/Jochen Wobser

Dr. Henrike Holsing, die Stellvertretende Leiterin des Würzburger Museums im Kulturspeicher

Italien-Begeisterung der Klassischen Moderne im Fokus

Denn die Vielfalt der Würzburger Ausstellung ist groß, die "Italiensehnsucht" hat viele Gesichter. Die Schau versammelt Ölgemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen von 31 deutschsprachigen Künstlerinnen und Künstlern, die das Sehnsuchtsziel Italien für sich entdeckt haben.

Das Besondere: Während üblicherweise die Italienreisen des 19. Jahrhunderts im Fokus stehen, widmet sich jetzt zum ersten Mal eine Ausstellung den Jahren 1905 bis 1933 – also der Klassischen Moderne.

Ausstellung bietet bekannte Namen und Neuentdeckungen

Vertreten sind bekannte Namen wie Ernst Barlach, Max Beckmann, Erich Heckel oder Karl Schmidt-Rottluff. Die Ausstellung bietet aber auch Neu- und Wiederentdeckungen, vor allem Künstlerinnen wie Dora Hitz oder Anna Rée. Oder auch Mathilde Vollmoeller-Purrmann, deren Rom-Aquarelle aus den 1920ern einen förmlich hineinziehen in einen flirrend heißen Sommertag auf der Piazza del Popolo. "Wie es der Künstlerin gelingt, mit den Aquarellfarben die Hitze der Stadt einzufangen, das begeistert mich", schwärmt Henrike Holsing.

Von der italienischen Idylle bis zum "Unbändigen des Lebens"

Städte wie Rom, Florenz oder die Zauberstadt Venendig und vor allem auch die Küsten wie die Amalfiküste rund um Sorrent und Positano: Das waren die Orte, wo die Italienreisenden Motive fanden und künstlerisch verarbeiteten. Mal mit der voll ausgeschöpften Farbpalette des Südens, mal konsequent schwarz-weiß wie bei Otto Pankok.

Auf seinen großformatigen Radierungen schäumt die Meeresgischt und der Vesuv schickt eine Rauchsäule zum Himmel. "Das ist spannend, Pankok bringt noch mal einen ganz anderen Aspekt in die Ausstellung ein", sagt Henrike Holsing. Denn der Künstler habe in Italien nicht die Idylle gesucht, sondern "das Unbändige des Lebens".

Nächste Stationen sind Zwickau und Bonn

Das pralle Leben dieser Ausstellung ist Besucherinnen und Besuchern zunächst verwehrt. Und so bleibt die Hoffnung, dass bis zum Ausstellungsende am 21. Februar 2021 der reale Besuch noch möglich sein wird, bevor die Ausstellung weiterwandert nach Zwickau und Bonn. Vorerst muss der digitale Ersatz reichen. Aber auch die virtuelle Version ist eine wohltuende Kunsttherapie: Italiensehnsucht gegen Coronawinterblues.

© Museum im Kulturspeicher Würzburg
Bildrechte: Museum im Kulturspeicher Würzburg

Ausschnitt aus Otto Pankoks Radierung Bild "Meer I" (1924)

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