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So feiert die Veste Oberhaus in Passau das 800-jährige Jubiläum | BR24

© Museum Oberhaus

800 Jahre Veste Oberhaus - Jetzt wird gefeiert

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So feiert die Veste Oberhaus in Passau das 800-jährige Jubiläum

Seit 800 Jahren thront die Veste Oberhaus hoch über Passau. Dieses Jubiläum wird mit der Ausstellung "Mächtig. Prächtig" gefeiert: 450 Exponate und Mitmachstationen zeigen die vielfältige Geschichte der einstigen Residenz der Passauer Fürstbischöfe.

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„Mächtig. Prächtig“ – so heißt die Sonderausstellung in der Veste Oberhaus. Und genau das denkt man, wenn man den ersten Ausstellungsraum, den Rittersaal, betritt und aus den Fenstern auf Passau schaut. Was für ein Blick. Mächtig. "Diesen herrschaftlichen Überschau-Blick, den haben die Passauer Fürstbischöfe aus Italien mitgebracht, wo die Medici in ihren Villen in der Toscana hinabgeschaut haben auf ihr Territorium", erzählt Museumsleiterin Stephanie Buchhold. "Und diese Idee haben die Passauer Fürstbischöfe mitgebracht und auch verwirklicht.“

Anderthalb Jahre hat sie mit ihrem Team an der Ausstellung gearbeitet. Den roten Faden bildet die Baugeschichte der Veste: Der Weg von der kleinen Kapelle samt Bergfried im Jahr 1219 hin zu einer der größten Burganlagen Europas. 3D-Animationen und Modelle zeigen: Mitte des 15. Jahrhunderts geht der Ausbau so richtig los. Die Fürstbischöfe wollen persönliche Gemächer und Komfort. Die Burg wird zum Renaissanceschloss oder, wie Buchhold sagt, „ein lichtdurchflutetes, warmes, repräsentatives, eigentlich wahnsinnig modernes Schloss.“

Wappenhalter und Wittelsbacher

Die Burg wächst weiter. Ernst von Bayern lässt ein repräsentatives Zeughaus und eine Harnischkammer bauen. Zwei handgeschnitzte Holzfiguren stammen aus dieser Zeit. „Das sind die Wappenhalter mit dem Wappen der Visconti, der so geht die Vermutung, aus dem Rittersaal stammt und einer von vielen Wappenhalter war. Es könnte sein, dass Ernst von Bayern dort eine Wappengalerie seiner Vorfahren angebracht hat. Weil Ernst von Bayern sich immer als Wittelsbacher Herzog gesehen hat und weniger als geistlicher Herr und hier das auch zelebriert hat. Wenn das so zutrifft, dann zelebriert er damit auch die Herrschaft und den Glanz der Wittelsbacher. Wir haben natürliche viele geistliche Dinge in der Zeit. Aber weltliche Skulpturen sind wirklich selten, es ist ein großes Glück, dass das erhalten geblieben ist.“

Zur gleichen Zeit ist der Ritterkult en vogue. In der Ausstellung steht eine Ritterrüstung, ein sogenannter Riefelharnisch. Bis auf die Beine ist die gesamte Rüstung geriffelt. „Das ist Repräsentation auf die Spitze getrieben, man ist nur noch ein Zeichen.“ Wir folgen der Chronologie und landen in der Zeit des Barock. Die Burg wird militärisch genutzt, Batterien und Wehrmauern kommen hinzu. Mehr als 65.000 Quadratmeter Fläche sind jetzt umbaut. Exemplarisch für diese Zeit ist eine riesige Kanone. Sie wurde aus der Dauerausstellung hergetragen.

Zeitreise durch die Burggeschichte

Besonders spannend: Rund um die Kanone hängen handgezeichnete Pläne für die Burg, die nie realisiert wurden. „Sie sehen riesige Ausbauten, nicht erst bei Napoleon, sondern auch schon vorher bei den Österreichern. Das ist hier der Berg gegenüber der Burg gelegen. Riesige Festungswerke, das hätte man auch gar nicht finanzieren können, allein die Bauarbeiten wären gigantisch gewesen.“

In den 50er-Jahren wird die Veste zum Campingplatz. Auf einem Bild ist ein Wohnwagen zu sehen. Stephanie Buchhold bleibt fasziniert stehen: „Ich frage mich immer, wie ist diese Familie auf die Burg gekommen. Weil wer unsere Burgeinfahrten kennt… das würde ich gerne wissen.“

Die Ausstellung endet mit einem Blick in die Zukunft. Was könnte noch kommen? Eine Seilbahn vielleicht? Und als was könnte die Burg noch genutzt werden? „Wir könnten auch als Lagerhalle enden, auch das ist möglich. Sie hat so viele Rollen gespielt in 800 Jahren. Es gibt nichts, was die Burg nicht schon war. Auch Lagerhalle schon. Wir sind da ganz offen und warten ab. Vielleicht überlebt das Bild im Archiv und in 1000 Jahren macht's jemand auf für die nächste Ausstellung und sagt: Ach, ist ja lustig.“

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