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Verstummt? Kirchenmusik in Corona-Zeiten | BR24

© dpa

Ein Chor probt für ein Konzert in der Nikolaikirche in Leipzig 2017.

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    Verstummt? Kirchenmusik in Corona-Zeiten

    Gottesdienste sind nach dem Corona-Lockdown wieder möglich. Doch die Regeln für Feiern sind streng: Ehrenamtliche Posaunen- und Kirchenchöre dürfen bis auf weiteres nicht auftreten. Profis wollen diese Lücke füllen und appellieren an die Kirchen.

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    Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) appelliert an die Kirchen, in den kommenden Wochen bei Gottesdiensten bevorzugt freischaffende Musiker auftreten zu lassen und diese zu bezahlen. Zum Beispiel die Jazz-Trompeterin Angela Avetisyan. Sie ist Profimusikerin. Wegen der Corona-Beschränkungen ist es für sie aber derzeit unmöglich geworden, von ihrer Musik zu leben.

    Einzige Auftrittsmöglichkeit für Profi-Musiker: die Kirchen

    Alle Konzerte wurden abgesagt, es gibt so gut wie keine Auftrittsmöglichkeiten mehr. Eine Ausnahme bilden die Kirchen: In St. Matthäus, der evangelischen Kirche im Zentrum Münchens, darf Angela Avetisyan noch auftreten.

    Auch andere Kirchen haben freischaffende Musiker eingeladen, erzählt Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der evangelischen Kirche in Deutschland. Chorgesang ist aufgrund der Maßnahmen zum Infektionsschutz gerade tabu. Aber Musik gehöre zu einem Gottesdienst grundlegend dazu.

    "Mir ist das selbst aufgefallen in den ersten beiden Gottesdiensten nach den Corona Einschränkungen, der erste war irgendwie traurig und unsicher und verklemmt und der zweite war mit einer wunderbaren Kunstausstellung und einer Bratschistin und da ging mir auf, wir könnten das sehr gut gebrauchen." Johann Hinrich Claussen

    Kirchenchor ist mehr als musikalische Gottesdienst-Gestaltung

    Konzerthäuser bleiben geschlossen, Tourneen sind abgesagt, Engagements platzen. Kirchen werden zu den wenigen übrig gebliebenen Veranstaltungsorten für Musik. Auch die Michaelsgemeinde in Ottobrunn.

    Die dortige Pfarrerin Stefanie Wist sieht die Profimusiker als große Bereicherung. Trotzdem, sagt sie, ersetzten sie nicht das Gemeinschaftserlebnis eines Kirchenchores, der ja normalerweise in jedem Gottesdienst quasi mitpredigt.

    "Etwas Wesentliches unserer Kirchengemeinde, das Zusammenkommen unserer Ensembles und Chöre im Moment, kann nicht stattfinden. Das ist schmerzlich." Pfarrerin Stefanie Wist

    Kein Konzert-Ersatz: Kirchen haben nur begrenzte finanzielle Mittel

    Normalerweise gibt es einmal in der Woche Chorprobe, für Kinder und für Erwachsene. Das fehlt, sagt Stefanie Wist. Dennoch unterstützten sie die freischaffenden Künstler gerne.

    Einen Ersatz für den normalen Konzertbetrieb können Kirchen jedoch nicht bieten – denn auch die Kirchen haben nur begrenzte finanzielle Mittel. Gerade jetzt, wo Gottesdienstkollekten fast komplett wegfallen und aufgrund der Wirtschaftslage mit weniger Kirchensteuereinnahmen zu rechnen ist.

    Profi-Musiker: Auftritte auch wichtig für die Seele

    Trompeterin Angela Avetisyan ist trotzdem dankbar dafür, dass sie im März und April fast jede Woche in der St. Matthäus Kirche auftreten konnte. Und nicht nur wegen des Geldes: "Die Unterstützung war nicht nur finanziell, sondern auch seelisch. Das ist genau das, was man braucht. Manchmal sitzt man zu Hause und fragt sich, warum mache ich das überhaupt. Und in der Kirche durften wir spielen. Und dafür sind wir sehr sehr dankbar."

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