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"Verordnungs-Republik": Opernintendant kritisiert Kunstminister | BR24

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Nikolaus Bachler, der impulsive Chef der Bayerischen Staatsoper, ist heftig mit seinem Vorgesetzten, Kunstminister Bernd Sibler (CSU), aneinander geraten. Dieser habe zu wenig Kunst ermöglicht. Der Politiker nennt die Kritik "nicht nachvollziehbar".

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"Verordnungs-Republik": Opernintendant kritisiert Kunstminister

Nikolaus Bachler, der impulsive Chef der Bayerischen Staatsoper, ist heftig mit seinem Vorgesetzten, Kunstminister Bernd Sibler (CSU), aneinander geraten. Dieser habe zu wenig Kunst ermöglicht. Der Politiker nennt die Kritik "nicht nachvollziehbar".

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Er hat sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" mal richtig Luft gemacht: Nikolaus Bachler, noch bis Juli nächsten Jahres Intendant der Bayerischen Staatsoper, reagierte ziemlich harsch auf die bisherigen Entscheidungen von Kunstminister Bernd Sibler in der Corona-Krise. Überraschend ist das nicht, Bachler gilt als leidenschaftlicher Anwalt des Musiktheaters und hat auch im eigenen Haus den Ruf, forsch aufzutreten, wenn ihm etwas wichtig ist. Und wichtig ist ihm vor allem, dass gespielt wird, dass geprobt wird, kurz, dass sein Haus in der Öffentlichkeit präsent ist.

Als am 16. März große Opernhäuser wie die in Hamburg, Stuttgart, Berlin und Wien dicht machten, sorgte Bachler dafür, dass in München die Vorbereitungen für eine Premiere weitergingen, wenn auch mit deutlich verringertem Personal und entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen. Als Mitarbeiter Bedenken äußerten und die Presse alarmierten, reagierte der Intendant mit dem Satz, "alle selbsternannten Blockwarte" könnten sich "ab sofort anderen Thematiken widmen". Prompt musste sich Bachler kurz darauf öffentlich für seine "scharfe Formulierung" entschuldigen und den Betrieb dann doch komplett unterbrechen.

Kritik an "Verordnungs-Republik"

Jetzt legte er gleichwohl nach und sagte der "Süddeutschen", die Aufgabe des Bayerischen Kunstministeriums sei es, Kunst zu "ermöglichen", davon habe er aber seit Monaten nichts gemerkt. Vielmehr sei das Haus zu einem "verlängerten Arm des Gesundheitsministeriums" geworden. Außer "Hygieneverordnungen" sei nichts von dort gekommen. Die "Risiko-Aversion" in der Kultur sei "gigantisch". Bachler verwies darauf, dass im Herbst wieder Messen geplant würden, verglichen mit dem dortigen "Gewusel" sei die Oper ein "Hochsicherheitstrakt". Dieses Missverhältnis werte er als "Desinteresse" der Verantwortlichen an der Kunst. Der Intendant sprach auch von einer "Verordnungs-Republik".

© Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

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Kunstminister Sibler hält die Kritik für "nicht nachvollziehbar" und verwies gegenüber dpa darauf, dass er mit Bachler "im ständigen Austausch" stehe: "Wir haben alle Schritte gemeinsam besprochen." Der Gesundheitsschutz müsse auch für Künstler "an erster Stelle" stehen. Es habe auf dem Höhepunkt der Pandemie keine Alternative zum Lockdown auch in der Oper gegeben. Nur dank der "schnellen Reaktion" im März sei es möglich, jetzt wieder behutsam zu öffnen.

Auch andere Intendanten skeptisch

Während der im kommenden Jahr scheidende Opernchef Bachler sehr offen seinen Unmut über Bernd Sibler und die Bayerische Staatsregierung äußert, sind andere Intendanten deutlich vorsichtiger, teilen aber hinter vorgehaltener Hand die Kritik. So sagte der ebenfalls demnächst aufhörende Chef der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, er könne das Wort "systemrelevant" nicht mehr hören. Auch viele andere Theatermacher halten die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie für teilweise überzogen, nicht nachvollziehbar oder unlogisch. So sprach sich Josef Köpplinger, der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters, gegenüber dem BR gegen die pauschale Begrenzung der Zuschauerzahl aus. Derzeit können in Bayern maximal 100 Personen an Vorstellungen in geschlossenen Räumen teilnehmen. Es sei folgerichtiger, so Köpplinger, die Anzahl der Gäste von der Größe des jeweiligen Saals abhängig zu machen.

Grund für die steigende Nervosität in den Theatern ist vor allem der Blick auf den Herbst und die kommende Spielzeit. Derzeit ist völlig offen, ob und vor wie vielen Zuschauern ab September wieder gespielt werden kann. Die Bayerische Staatsoper will nach der Sommerpause deutlich früher als sonst üblich starten und plant für den 1. September ihre Eröffnungspremiere. Am Gärtnerplatz sollen möglichst alle Premieren stattfinden, wenn auch mit teils deutlich reduzierter Besetzung.

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