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Verlorenes Jahr: Kulturhauptstadt Rijeka geht in Verlängerung | BR24

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Es hätte Rijekas Jahr werden sollen. Aber nicht nur Corona erschwerte der Kulturhauptstadt aus Kroatien das Leben. Wird eine Verlängerung helfen?

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Verlorenes Jahr: Kulturhauptstadt Rijeka geht in Verlängerung

Das Projekt Kulturhauptstadt Rijeka stand unter keinem guten Stern. Nachdem Corona nun etliche Veranstaltungen vereitelt hat, darf Rijeka den Titel etwas länger tragen. Doch die Krise dauert an, dann kam noch das Erdbeben. So bleiben viele Zweifel.

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Von
  • Clemens Verenkotte

Rijeka geht nun, gemeinsam mit dem irischen Galway, als Kulturhauptstadt 2020 für vier weitere Monate in die Verlängerung. Das sei eine gute Entscheidung des Europa-Parlaments, loben Einwohner der kroatischen Hafenstadt: "Ich hoffe, dass diese Verlängerung die Realisierung mancher Programme bringen wird," sagt einer.

Es war kein einfaches Jahr für Rijeka. Alle Veranstaltungen mussten drastisch zurückgefahren werden. Die Corona-Auflagen führten in der kroatischen Adriastadt zur deutlichen Verringerung der vielfältigen Angebote. Ausländische Gäste sowie Künstlerinnen und Künstler konnten aufgrund der Reisebeschränkungen nur sehr begrenzt teilnehmen.

Irena Kregar Segota, die Direktorin des Kulturhauptstadt-Projekts, zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die vier Monate bis Ende April nächsten Jahres noch genutzt werden können: "Mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, werden wir das Programm weiterführen und auch Teile davon beenden, an denen wir dieses Jahr gearbeitet haben. Wir denken auch über zusätzliche Programme nach, und selbstverständlich werden wir einen feierlichen Abschluss vorbereiten."

Rijeka ist national umstritten

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hatten die kroatische Regierung und die Stadt Rijeka die Finanzierung der Projekte der Kulturhauptstadt stark verringert. Von den 70 Angestellten, die überwiegend in der Verwaltung beschäftigt waren, wurden 50 entlassen, beziehungsweise in Kurzarbeit geschickt. Einige Projekte, der Ausbau der Infrastruktur und einzelne Veranstaltungen, mussten reduziert oder abgesagt werden.

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Die Kür zur Kulturhauptstadt ist in Kroatien umstritten

Überhaupt war Rijeka in der kroatischen Öffentlichkeit von Anfang an als Kulturhauptstadt umstritten. Denn Rijeka gilt als die "rote Stadt". Seit der Unabhängigkeit des Landes regieren dort die Sozialdemokraten in diversen Koalitionen, stellen immer den Oberbürgermeister. In Kroatien dagegen regierte seit dem Jahr 2000 vorwiegend eine national-konservative Regierung unter Führung der HDZ. Von einer einhelligen Unterstützung für die Kulturhauptstadt Rijeka konnte nicht die Rede sein.

Wird die Verlängerung der Stadt nutzen?

Jetzt, mitten in der erneuten Corona-Welle, von der Kroatien seit Wochen stark erfasst worden ist, sind die staatlichen Haushaltsmittel überstrapaziert. So bremst Kulturministerin Nina Obuljen Korzinek etwaige Erwartungen: "Von dieser Verlängerung wird Rijeka keinen großen Nutzen haben. Wir haben aber ein Niveau der Finanzierung beibehalten, das unter diesen Umständen möglich war. Zwar nicht in vollem Umfang, denn auch das Programm ist radikal gekürzt und die Anzahl der Beschäftigten reduziert worden, aber ich denke, dass wir genügend Mittel gesichert haben, die für die Realisierung dieses verlängerten Programms nötig sind."

Je länger die Pandemie andauert, desto stärker rückt Rijeka in der nationalen wie internationalen Aufmerksamkeit in den Hintergrund. Ausnahmen gab es eher negative – etwa im Frühherbst: Damals wurde für mehrere Wochen eines der sichtbarsten Projekte des Kulturhauptstadtjahres auf dem Dach eines Hochhauses aufgestellt: Ein überdimensionaler, fünfzackiger Rote Stern, der als "Monument des Roten Rijeka" an die Errichtung des Roten Sterns erinnert, nach der Kapitulation der faschistischen Truppen Italiens. Sofort erhob der nationale Reservisten-Verband Protest. Das Symbol des "Bösen" sei nicht hinzunehmen, erinnere der Rote Stern doch an die Jugoslawische Volksarmee und ihren Krieg gegen Kroatien in den 90er Jahren.

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