BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Die Münchner Jazz-Band Fazer.

Bildrechte: Michael Wong
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Verjüngter Jazz aus Bayern: Fazer mit ihrem Album "Plex"

Die fünf Mitglieder der Münchner Band Fazer haben sich an der Musikhochschule kennengelernt. Mit "Plex" legen sie jetzt bereits ihr drittes Album vor und tragen damit dazu bei, den in Deutschland gemachten Jazz zu verjüngen und weiterzudenken.

Von
Matthias SchererMatthias Scherer
Per Mail sharen

Luftig, treibend, und clubtauglich – so klingt Jazz made by Fazer. Die Münchner schaffen es seit mehreren Jahren, ihre eklektischen Einflüsse aus Krautrock, Elektro-Sounds, afrikanischer und lateinamerikanischer Musik und eben auch Jazz miteinander zu kombinieren. Mit dem Ergebnis, dass ihr Sound in mehreren Welten stattfindet: in von Spotify kuratierten, reichweitenstarken Playlists wie "21st Century Jazz", im Dunstkreis des hippen Münchner Community-Senders Radio8000, und – wenn nicht gerade Pandemie ist – auf den Bühnen von Jazz-Clubs und -Festivals in ganz Deutschland und Europa.

Die Songs auf "Plex" entstanden noch vor dem ersten Lockdown. Sie wurden während einer gemeinsamen Woche auf dem Land eingeübt, und im Studio in München eingespielt. Dabei, so Bassist Martin Brugger, hielten Fazer die Waage zwischen Komposition und Struktur, und Improvisation und dem vielbeschworenen "Vibe": "Wir jeden da jetzt nicht über irgendwelche Skalen. Eigentlich sprechen wir eher in fachfremden Termini – es geht darum, wie sich der Song anfühlen soll, was für eine Stimmung er machen soll, wie er sich aufbaut, wie man Momente kreieren kann."

Zwei Schlagzeuger, viele Möglichkeiten

Tolle Momente gibt es auf diesem Album viele, und sie entstehen aus dem lockeren Zusammenspiel des Quintetts sowie ihrem Gefühl für Zwischentöne und Pausen. Dadurch, dass mit Simon Popp und Sebastian Wolfgruber gleich zwei versierte Schlagzeuger bei Fazer mitspielen, bieten sich spannende rhythmische Möglichkeiten. Gegeneinander versetzte, sich ergänzende, und immer songdienlich eingesetzte Polyrhythmen sind auch auf "Plex" ein wiederkehrendes Stilelement.

Dieses klangliche Markenzeichen wurde durch die Arbeit im Studio noch einmal betont, so Martin Brugger: "Wir haben es bei den Aufnahmen das erste Mal so gemacht, dass die zwei Jungs nicht zusammen in einem großen Raum gespielt haben, sondern getrennt. Simon war eher in einem kleineren Raum, und Sebastian in einem größeren. Und dadurch, dass eines der Drumsets – durch die Raumgröße bedingt - einen trockeneren Klang hatte, konnte man es je nach Song im Klangbild ein bisschen "näher ran" holen."

Auf einem Song lassen Fazer das Schlagzeug sogar ganz weg und zwar auf dem melancholischen "Morning", der zwischen den mehr nach vorne gehenden Stücken eine willkommene Durchschnaufpause bietet.

Moderner Jazz mit weltweitem Potenzial

Fazer sind mit ihrem global orientierten Jazz-Sound Teil eines größeren Phänomens. Seit ein paar Jahren bereits entdecken junge Musikerinnen und Musiker in den USA, in Großbritannien und auch in Deutschland den Jazz für sich, und dehnen beziehungsweise sprengen seinen Deutungsrahmen. Brugger steht dieser Entwicklung etwas ambivalent gegenüber: "Diese 'Welle' hat nicht so eine subversive Energie, wie es in der Entstehungsphase [von Jazz] der Fall war, im letzten Jahrhundert. Vor allem nicht hier, und vor allem nicht bei [von] weißen Deutschen [gespielter Jazz]. Deswegen kann ich gar nicht so gut erklären, warum Jazz jetzt gerade wieder ein Ding ist."

"Plex" mag im Bayern des 21. Jahrhunderts entstanden sein, hat aber die Tiefe und das Gefühl, um weltweit Anklang zu finden – bei alten Jazz-Fans, und allen, die es werden wollen.

"Plex" von Fazer ist bei City Slang erschienen.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

Sendung

kulturWelt

Schlagwörter