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Verhindert Rabatt auf Kirchensteuer Mitglieder-Austritte? | BR24

© picture alliance/PantherMedia

Symbolbild Kirchensteuer

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    Verhindert Rabatt auf Kirchensteuer Mitglieder-Austritte?

    Kirchenmitgliedschaft zum Sonderpreis: Darüber denkt aktuell die Evangelische Kirche in Deutschland nach. Mit einer niedrigeren Kirchensteuer für Jüngere will sie verhindern, dass diese aus der Kirche austreten. Nicht jeder findet den Vorschlag gut.

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    Die Kirchensteuer ist für viele ein Reizthema. Nicht nur Menschen, die von der Kirche enttäuscht oder auf sie wütend sind, treten aus, um sich die zusätzliche Abgabe zu sparen. Auch viele junge Menschen kehren der Institution den Rücken, wenn ihnen mit der ersten Gehaltsabrechnung bewusst wird, dass einen Teil ihrer Einnahmen die Kirche einstreicht.

    Rabatt auf Kirchensteuer als Mittel gegen Kirchenaustritt

    Letztere Wahrnehmung beschäftigt derzeit die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Sie möchte etwas dagegen tun, dass ihre Mitglieder aus finanziellen Gründen austreten und diskutiert über Reformen. Im Gespräch sind Erleichterungen für Berufseinsteiger. Wenn junge Erwachsene nicht mehr viel mit Kirche zu tun haben, sei das oftmals ein Grund für den Kirchenaustritt, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford Strohm, zur Begründung.

    Prognose: Zahl der Kirchenmitglieder halbiert sich bis 2060

    Die Reaktion darauf sei oftmals dieselbe, sagt Bernd Raffelhüschen, Direktor des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge. Vor einem Jahr hatte er im Auftrag der Kirchen prognostiziert, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 halbieren werde, wenn der gegenwärtige Trend anhält.

    "Wir haben herausgefunden, dass (...) tatsächlich mehr und mehr Leute überlegen: Was habe ich eigentlich für einen Nutzen aus den Kosten, die mir zum ersten Mal bewusst werden?" Bernd Raffelhüschen

    Kosten-Nutzen-Analyse: Was bekomme ich für mein Geld?

    Diese Kosten-Nutzen-Analyse führe dann dazu, dass viele Menschen und gerade kirchenferne Menschen überlegten: Warum soll ich dann eigentlich noch Mitglied bleiben, sagt Raffelhüschen: "Die melden sich dann also raus, und das hat tatsächlich was mit dem Geld zu tun.

    Entsprechend diskutiert die EKD nun, jungen Berufseinsteigern die Kirchensteuer vorerst zu erlassen oder nur einen geringeren Prozentsatz zu veranschlagen. Formuliert ist der Reformbedarf bei der Kirchensteuer auch in den "11 Leitsätzen für eine aufgeschlossene Kirche", die die EKD vor einem Monat vorgelegt hat.

    Acht Prozent Kirchensteuer in Bayern

    Acht Prozent auf die Einkommenssteuer zahlen Kirchenmitglieder in Bayern und Baden-Württemberg, in den übrigen Bundesländern sind es neun Prozent. Gerade bei vergleichsweise niedrigen Einstiegsgehältern könnte sich ein Rabatt durchaus rechnen - und die Kirche verlöre kaum etwas, sagt Raffelhüschen. Denn die echten Steuerzahler für die Kirche seien nicht die Berufseinsteiger, die wirklich bedeutsamen seien die zehn Prozent der reichsten Menschen in Deutschland, "und zwar die zehn Prozent, die dann in der Kirche bleiben".

    "Das Problem ist: Wenn ich die jungen Menschen verliere, werden sie später als alte, gut Verdienende auch nicht mehr in der Kirche sein." Bernd Raffelhüschen

    "Geringere Kirchensteuer löst Grundproblem nicht"

    "Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab." Unter diesem Titel hatte Jochen Teuffel, Pfarrer im schwäbischen Vöhringen an der Iller, bereits im Jahr 2014 ein flammendes Plädoyer gegen die Kirchensteuer geschrieben. Die Vorschläge, über die seine Kirche jetzt diskutiert, gehen ihm allerdings nicht weit genug. Schließlich werde damit nicht das Grundproblem gelöst, argumentiert Teuffel, nämlich "dass Kirchensteuer einfach eine Zwangsabgabe ist".

    Biete man zuerst einen vergünstigten Kirchensteuersatz und erhebe später die normale Kirchensteuer, stelle man die Menschen dann nur nochmals vor die selbe Entscheidung, sagt Teuffel:

    "Ich komme aus diesem Dilemma nicht raus, dass immer weniger Menschen die Überzeugung haben: Eine Steuer ist für die Kirche angebracht." Jochen Teuffel
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  • Katholische Kirche gegen Absenkung

    Die katholische Kirche hat derweil angekündigt, dass sie keine Absenkung der Kirchensteuer für bestimmte Gruppen plane. Basis für die Berechnung der Kirchensteuer sei die staatliche Lohn- und Einkommensteuer. Das bedeute, es zahlten grundsätzlich nur diejenigen Kirchenmitglieder Kirchensteuer, die hierzu aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der Lage seien, hieß es. Bei den Katholiken seien dies knapp die Hälfte.

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