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Präsentation eines Kamera-Stabilisations-Systems auf der NAB 2018.
© picture alliance / newscom
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Präsentation eines Kamera-Stabilisations-Systems auf der NAB 2018.

Das Medium Radio spielt seine Stärken aus, wenn es schnell und lokal ist, sagt Stephan Türkay von Lawo, einem der weltweit führenden Broadcast-Unternehmen aus Rastatt im Schwarzwald. Lawo baut unter anderem Mischpulte für Radio und TV. Die Badener haben mit dem Schwedischen Rundfunk ein Radiostudio entwickelt, das ganz ohne Mischpult auskommt. Es besteht nur aus einem Bildschirm, einem Touchscreen.

"Da haben wir einen sehr radikalen Wechsel der gesamten Bedienphilosophie gemacht. Die Leute lieben das, weil sie das Gefühl haben, dass sie das viel schneller beherrschen und begreifen, weil es viel näher an dem dran ist, was sie aus ihrem Privatleben kennen - von Tablet-Apps." Stephan Türkay, Lawo

"Remote Production" - Die Technik-Crew bleibt zuhause

Eine wichtige Entwicklung für die elektronischen Medien nennt sich "Remote Production". Heißt: Fernsehsender schicken zu wichtigen Ereignissen nur noch Journalisten und Kameras. Der Übertragungs-Wagen und der Großteil der Technik-Crew bleibt zuhause, wo dann auch produziert wird.

Die ARD hat so zum Beispiel im vergangenen Jahr die Fußball-WM in Russland übertragen. Alle Signale sind in Baden-Baden geschnitten und gemischt worden. 

Bilder werden von Kamera direkt an TV-Sender geschickt

Der japanische Kamerahersteller Sony bietet für seine Kameras mobile Übertragungseinheiten an. Video- Journalisten können ihre Bilder direkt zum TV-Sender schicken.

"Nach dem Dreh können die Videodaten automatisch in die Cloud oder an den Sender übertragen werden. Dort kann sofort mit dem Schnitt begonnen werden. Das Video lässt sich natürlich auch via Social Media verteilen oder natürlich im TV senden. Der Videojournalist kann auch direkt von seiner Kamera das Bild ins Internet streamen." Martin Linsey, Sony

Verbindung zu allen Radiostationen weltweit

Wenn im Radio mit Korrespondenten gesprochen wird, dann läuft das Tonsignal über das Internet. Die großen Radiosender wie die BBC, die ARD oder NPR in den USA haben eigene Voice Over IP-Netze mit dem sogenannten Sip-Protokoll aufgebaut, über das sie ihre weltweiten Korrespondenten-Büros angebunden haben. Vorteil: Beste Tonqualität in live Situationen via Web. Doch die SIP-Netzwerke der Broadcaster sind isolierte Inseln. Die will Kevin Leach von In:Quality in Großbritannien mit seinem Dienst sip.audio aufbrechen:

"Wenn man als Journalist in eine Breaking News Story gerät, dann wollen alle Medien mit einem sprechen: Sky News, CNN, ABC - alle Networks auf der Welt. Dann wird es schwierig, weil man keine standardisierte Plattform hat. Sip.Audio ermöglicht genau das. Man kann sich ohne Komplikationen zu anderen Broadcastern verbinden." Kevin Leach, In:Quality

Hochwertige Audio-Übertragungen per Webbrowser

Ein anderes Angebot präsentiert Cleanfeed aus London. Es erlaubt Journalisten hochwertige Audio-Übertragungen ganz einfach aus ihrem Webbrowser.

"Cleanfeed läuft ganz einfach im Webbrowser. Man braucht keine extra Software. Das Studio loggt sich ein und teilt die E-Mail-Adresse des Gesprächspartners mit. Dann können beide in hoher kristallklarer Tonqualität miteinander reden." Mark Hills, Cleanfeed

System verteilt Radio-Highlights auf Social Media

Die vielleicht spannendste Idee kommt von Bionics. Einem Start-up aus Großbritannien. Gründer Dan McQuillin sagt, abgefilmtes Radio ist langweilig. Besser: Radio, das seine Höhepunkte auf Twitter und Facebook verteilt. Das System schneidet auf Video eine Radiosendung mit, filmt die Studiogäste ganz ohne Kamerapersonal. Es misst danach die Resonanz auf Twitter und Facebook und empfiehlt den Radiomachern Highlight-Video-Clips zum Weiterverteilen auf Facebook.

"Lange Zeit haben Radiosender ihre Sendungen einfach als Videosignal gestreamt. Aber keiner will Radio schauen. Doch das Teilen bestimmter Inhalte ist spannend. Die Menschen reagieren emotional auf das Radio - sie lachen oder weinen. Und das wollen sie mit ihren Freunden teilen. Und genau danach suchen sie auf YouTube und Google." Dan McQuillin, Bionics