Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Missbrauchsprävention: Was Katholikinnen fordern | BR24

© picture alliance/Lena Klimkeit/dpa

Gegen Verheimlichung von Missbrauch

Per Mail sharen
Teilen

    Missbrauchsprävention: Was Katholikinnen fordern

    Von Donnerstag an will der Vatikan auf einer Konferenz den Missbrauch in der katholischen Kirche aufarbeiten. Engagierte bayerische Katholikinnen haben Ideen, wie Übergriffe in Zukunft verhindert werden können: zum Beispiel durch Gleichberechtigung.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Kurz vor Beginn des "Krisengipfels" zum Thema Missbrauch im Vatikan, fordern viele Katholiken mit Nachdruck Reformen, auch um die strukturellen Defizite ihrer Kirche zu beheben, die – so hat es die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz gezeigt – den Missbrauch in der Vergangenheit begünstigten: starre Hierarchien und eine starke Machtkonzentration auf Geistliche, "männerbündische" Strukturen oder auch der Pflichtzölibat, der eine "unreife Sexualität" begünstige. Gespannt hoffen engagierte Katholiken auch hier in Bayern auf Veränderungen in ihrer Kirche, besonders die Frauen.

    Frauen wollen viel verändern - um Missbrauch zu bekämpfen

    Barbara ist eine von ihnen. Im Erstkommunion-Unterricht passierte der Missbrauch. Das Erlebnis verfolgt Barbara bis heute. Sie waren fünf Kinder in der Gruppe, die oft Einzelgespräche beim Pfarrer hatten. Der Geistliche war für sie eine Autoritätsperson, so empfand sie es damals. "Sehr klein, war ich, noch im Grundschulalter," erinnert sie sich, "es ist in der Kommuniongruppe passiert".

    Damals hat Barbara sich nicht gewehrt gegen den sexuellen Missbrauch - sondern alles verdrängt. Bis zum 40. Lebensjahr: Plötzlich kamen nachts die Erinnerungen, mit aller Wucht. Der Pfarrer, der sie missbraucht hat, ist längst tot. Von der Kirche hat Barbara 5.000 Euro Schmerzensgeld bekommen. Aber keinen Brief, kein Gespräch, keine Entschuldigung. Ein typisch männliches Verhalten sei das, findet die 40-Jährige.

    Ihre Missbrauchsgeschichte verfolgt sie bis heute

    Seelsorgerliche Begleitung bekommt sie von der Gemeindereferentin ihrer Heimatpfarrei, Marion. Ein Durchbruch in der persönlichen Bewältigung des Erlebten sei das für sie gewesen, so beschreibt sie es. "Seit ich sie kenne, habe ich bei ihr einiges von meinem Rucksack, den ich mein Leben lang mitschleppe, durch meine Lebensgeschichte bei ihr abladen können. Sie hat immer wieder gefragt, wie es mir so geht, und ich habe sehr viel Mut und Kraft zugesprochen bekommen von ihr", sagt Barbara.

    Die Gemeindereferentin Marion vermutet einen Grund für den sexuellen Missbrauch auch in der Machtkonzentration auf die Männer im System katholische Kirche. Jetzt wartet sie gespannt auf die Ergebnisse des sogenannten "Krisengipfels" im Vatikan. "Ich habe die Hoffnung, dass, wenn Frauen mehr Mitsprache-Möglichkeiten bekommen in der Kirche, dass vielleicht auch die Missbrauchsfälle reduziert werden können, weil wir dann die Macht miteinander teilen, so dass es dann ein natürlicheres Milieu gäbe, wo man die Kinder besser schützen könnte", erläutert Marion.

    "Die Zeit ist reif für die volle Beauftragung von Frauen"

    Als Gemeindereferentin darf sie zwar Wortgottesdienste halten, aber keine Eucharistiefeier. Jetzt hofft die 56-Jährige, dass Papst Franziskus bald die Priesterweihe der Frau – oder zumindest das Diakonat der Frau ermöglicht. Dann könnten Frauen zumindest taufen, trauen und beerdigen - wie die männlichen Diakone. In der Praxis leiste sie ohnehin längst die gleiche Arbeit, so die Gemeindereferentin: "Es ist schon öfters der Fall gewesen, dass der Pfarrer keine Zeit hatte und dann musste ich einspringen. Und ich denke, die Zeit ist reif, dass ich inzwischen diese volle Beauftragung bekomme."

    Frauen wie Barbara und Marion sind überzeugt: Die Katholische Kirche braucht starke Frauen, gleichberechtigt mit den Männern. Nur so ließen sich Missbrauchsfälle wie der in Barbaras eigener Kindheit in Zukunft vermeiden. Auf das Treffen der Bischöfe im Vatikan richten die Katholikinnen nun ihre ganze Hoffnung.

    Für weitere Themen rund um Religion, Kirche und Spiritualität, abonnieren Sie den Newsletter der Religion und Orientierung unter www.br.de/newsletter-religion

    Sendung

    Abendschau

    Von
    • Friederike Weede
    Schlagwörter