Zerquält: Valeria Gordeev bei der Bekanntgabe der Juryentscheidung zum diesjährigen Bachmann-Wettbewerb
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Zerquält: Valeria Gordeev bei der Bekanntgabe der Juryentscheidung zum diesjährigen Bachmann-Wettbewerb

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Valeria Gordeev gewinnt Bachmannpreis

Ein Putz-Fanatiker hat die Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises in diesem Jahr auf ganzer Linie überzeugt. Die deutsche Autorin Valeria Gordeev setzte sich mit "Er putzt" gegen elf Mitbewerber durch. Sie ist die 47. Gewinnerin des renommierten Preises.

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Ihrem Empfinden nach hätte es mehr Preise geben müssen, meinte Valeira Gordeev leicht Überfordert bei der Entgegennahme des mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreises. Die 1986 in Tübingen geborene Autorin ist damit die 47. Gewinnerin des Bachmannwettbewerbs, der seit Donnerstag (und wie immer) im Österreichischen Klagenfurt stattfand. Gelesen hatte sie auf Einladung der Juryvorsitzenden Insa Wilke, die den Gewinnertext in ihrer Laudation als ein Plädoyer der Empfindlichkeit rühmte.

Verdiente Gewinnerin: Valeria Gordeev

Gordeev erzählt in "Er putzt" von einem jungen Mann, der gerne putzt und deswegen in Konflikt mit seiner Mutter gerät, die er beim Putzen für nachlässig und schlampig hält. Schon bei der Lesung am Donnerstag zeigt sich die Jury begeistert von diesem Text. "Kolossal gut" nannte ihn etwa Juror Thomas Strässle: "Mit welcher Präzision alles sprachlich abgebildet wird, finde ich großartig gelungen. (…) Nachdem ich das gelesen habe, habe ich mich selber in meiner Wohnung unwohl gefühlt – ich habe aber der Versuchung widerstanden, in meiner Wohnung eine Putzorgie zu veranstalten".

Mit einer bemerkenswerten "sprachlichen Hingabe" widme sich Gordeevs Text dem Vorgang des Putzens, meinte die Literaturkritikerin Miriam Zeh gegenüber dem BR. Dadurch weise er dem Vorgang des Putzens eine geradezu existentielle Dimension zu – als ordnungsstiftendes Mittel gegen das Chaos der Welt. Sie sei mit dem Urteil der Klagenfurter Jury sehr einverstanden. "Eine tolle Preisträgerin", nannte Zeh Gordeev im Interview.

Martin Piekar überzeugt mit seiner "Lese-Performance"

Neben Valeria Gordeev ist Martin Piekar der große Gewinner des diesjährigen "Bewerbs". Der 1990 geborene Frankfurter gewann sowohl den mit 10.000 Euro dotierten KELAG- als auch den Publikumspreis und konnte vor allem mit seiner Lese-Performance überzeugen. Piekar habe Klagenfurt "gerockt" meinte Juror Klaus Kastberger in seiner Laudatio. Miriam Zeh stimmt dem zu. Der Text lebe eben „sehr von seiner sprachlichen Dynamik“, so die Literaturkritikerin im BR.

Darüber hinaus bekam die Österreicherin Anna Felnhofer den Deutschlandfunkpreis. Die Schweizerin Laura Leupi wurde mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet.

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