BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

US-Auktionshaus: Antijüdischer Luther-Brief unterm Hammer | BR24

© picture-alliance/RR Auction/AP Photo

Antijüdisches Pamphlet unterm Hammer: Luther-Brief von 1543 wird versteigert

Per Mail sharen

    US-Auktionshaus: Antijüdischer Luther-Brief unterm Hammer

    Beim US-amerikanischen Auktionshaus RR-Auction in Boston kommt heute ein umstrittener Original-Brief von Martin Luther unter den Hammer. In diesem wettert der Reformator gegen das Judentum. Historiker und Juden sehen die Auktion teils kritisch.

    Per Mail sharen
    "Juden sind keine Juden, sondern leibhaftige Teufel, die unseren Herrn verfluchen." Martin Luther, 1543

    Es ist eine von Luthers schärfsten Aussagen gegen Juden, ein Zitat aus seinem Brief an den damaligen Berliner Probst Georg Buchholzer. "Das ist natürlich harter Tobak", sagt Thomas Kaufmann, Kirchenhistoriker an der Universität Göttingen. Der Luther-Forscher ordnet den Brief ein in die allgemein judenfeindliche Haltung, zu der der Reformator in seiner letzten Wirkungsphase gekommen war.

    Für Luther waren die Juden die Feinde der Endzeit

    "Luther sieht sich endzeitlichen Feinden gegenüber, also ein für das 16. Jahrhundert charakteristischer Antisemitismus, der sich von dem modernen rassentheoretisch begründeten Antisemitismus unterscheidet", sagt Kaufmann.

    "Und was Luther der Obrigkeit vorwirft: Ihr habt eigentlich nur Interesse an der Judensteuer und duldet dafür, dass Menschen, Juden - Teufel, die Christus schmähen - unter uns leben." In diesen Kontext gehöre der Brief.

    Der Besitz des Briefs ist trotz antijüdischen Inhalts nicht strafbar

    Das handschriftliche Original des Briefes war schon im frühen 20. Jahrhundert im Privatbesitz, vermutlich bereits seit dem 16. Jahrhundert. Diese Fälle gebe es relativ häufig, erklärt Kirchenhistoriker Kaufmann. Da der Besitz reformationszeitlicher Autographen nicht strafbar ist, gibt es rechtlich gar keine Möglichkeit, einen Privatbesitz zu verhindern.

    Deshalb konnte das Original mit dem antisemitischen Inhalt auch vor zwei Jahren schon einmal unter großem Interesse der Öffentlichkeit versteigert werden. Wie jetzt auch in Bosten. Damals wechselte der historische Brief für rund 150.000 Dollar den Besitzer. So viel erwartet das Auktionshaus auch jetzt wieder.

    Blogger Asaf Erlich: Brief wäre besser im Museum aufgehoben

    Der deutsch-israelische Blogger Asaf Erlich sieht Versteigerungen von antisemitischen Dokumenten aus der Vergangenheit kritisch. Auf seinem Blog "GanzErlich" äußert er sich immer wieder zu jüdischen Themen der Zeitgeschichte. Zur Auktion des Luther-Originals sagt er: "Wenn man das dann in ein Museum verschenken wollte, fände ich es okay, weil das ein Teil der Geschichte ist und Antisemitismus immer einen Kontext in jeder Epoche hatte."

    Genau weil dieser Antisemitismus aus einem anderen, einem historischen Kontext stamme, sei es umso wichtiger, dass der Brief nicht in Privathände gehöre, sondern in ein Museum, findet der jüdische Blogger. Nur so könne die Geschichte des Schriftstücks sensibel erzählt werden - damit sich der Antijudaismus von damals nicht nicht wiederhole.

    Fragwürdige Motive potenzieller Käufer nicht ausgeschlossen

    Aus rein wissenschaftlicher Perspektive sei es indessen kein allzu großer Verlust, wenn der Brief in privater Hand bleibt, sagt Luther-Forscher Thomas Kaufmann. "Das spezifisch wissenschaftliche Interesse an dem Original vermag ich nur darin zu sehen, dass man eine Untersuchung des Papiers oder der Tinte vornehmen könnte." Der Brief als solcher sei bekannt und bereits kritisch editiert. "Insofern ist die Eigentumsfrage für mich sekundär. Es kann natürlich sein, dass Menschen mit fragwürdigen Motiven gibt, die gerade einen solchen Brief erwerben wollen."

    Ob das US-amerikanische Auktionshaus RR-Auction in Boston solchen Menschen eine Plattform bietet, lässt der Auktionator auf BR-Anfrage unbeantwortet. Am Abend jedenfalls endet die Auktion – und der neue Eigentümer steht fest.

    Newsletter abonnieren

    Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität. Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.