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Unvergessen: Die Dörfer, die verschwanden | BR24

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Seit 1963 lebt niemand mehr in Leopoldsreut. Nun soll aus dem alten Schulhaus ein Wirtshaus für Wanderer entstehen.

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    Unvergessen: Die Dörfer, die verschwanden

    Groß waren Schwendreut und Leopoldsreut nie. Aber seit vielen Jahren gibt es sie gar nicht mehr. Und doch pflegen die Menschen hier eine besondere Erinnerungskultur, die die Geschichte dieser Orte am Leben erhält.

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    Schwendreut und Leopoldsreut sind Dörfer im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau, die es eigentlich längst nicht mehr gibt. Sie haben keine Einwohner mehr. In Schwendreut steht nur noch eine kleine Kapelle, in Leopoldsreut erinnern eine Kirche und ein Schulhaus an die Vergangenheit als Dorf.

    Karges Dorfleben

    Hans Reichenberger wurde 1936 in Schwendreut geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Das Dorf wäre in den 1930er Jahren schon einmal fast verschwunden, als eine Frau Feuer legte und alles niederbrannte bis auf zwei Höfe - der Hof der Familie Reichenberger blieb damals verschont.

    Dort, wo die Höfe früher standen, ist heute eine hohe Wiese. 1957 verließ der letzte Einwohner die Ortschaft. Das karge Leben am Existenzminimum, die extrem harten und langen Winter ohne Strom und fließendes Wasser, die Abgeschiedenheit und die schlechte Infrastruktur führten endgültig zum Niedergang der Siedlung. Am 17. Oktober 1968 verschwand der Name endgültig von der Landkarte. Schnell wurden die Häuser abgerissen und die Dorfflächen aufgeforstet. Nur die Kapelle ließ man stehen.

    Die Schwendreuter Kapelle

    Hans Reichenberger kämpft gegen das Vergessen seines Dorfes. Besonders der Waldverein, bei dem er lange Zeit im Vorstand war, kümmerte sich um den Erhalt der Kapelle. Vor etwa 20 Jahren fassten sich Einwohner aus Nachbargemeinden ein Herz und sammelten Geld, um die verfallene Kapelle wieder aufzubauen. Schwendreut ist offenbar immer noch ein emotional besetzter Ort. Die Kapelle wurde aufwendig saniert. Seit einigen Jahren findet jeden letzten Sonntag im Juli das traditionelle Schwendreuter Waldfest statt.

    Mystische Erinnerungskultur in Leopoldsreut

    Nicht weit von Schwendreut entfernt liegt das verlassene Dorf Leopoldsreut, dessen Geschichte allerdings weitaus populärer ist. Denn auf dem Höhenrücken des Haidelberges steht Deutschlands höchst gelegenes Schulhaus auf 1.100 Metern Höhe. Wie in Schwendreut waren auch hier die Lebensbedingungen auf Dauer für die Bewohner zu hart. Die Menschen wanderten ab in andere Dörfer und in die Städte, die schon mehr vom deutschen Wirtschaftswunder profitierten. 1963 verließ der letzte Einwohner Leopoldsreut. Und auch hier begann man schnell, die Vergangenheit abzureißen und die alten Dorfflächen aufzuforsten. Nur noch die kleine Nepomukkirche und das alte Holzschulhaus sind erhalten geblieben.

    Deutschlands höchst gelegenes Schulhaus wird Wirtshaus

    Auch der Unternehmer Markus Trauner will Leopoldsreut ins Leben zurückholen: "Ich habe einmal ganz zufällig einen Bericht gelesenen über das verlassene Dorf. Dann bin hierher gefahren und habe das Dorf gesucht, weil es mich so fasziniert hat. Irgendwie hat mich der Ort nicht losgelassen." Trauner baut das alte Schulhaus zu einer Wirtschaft um. Jahrelang stritt er sich mit den Behörden, unter anderem wegen der Anbindung an die Trink- und Abwasserversorgung. Nun wird sein Traum endlich Wirklichkeit.

    Mehr über die Verlassenen Dörfer erfahren Sie in STATIONEN am Mittwoch, den 17. Juli, um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.