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Unglaube als Asylgrund? Die Säkulare Flüchtlingshilfe in Bayern | BR24

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Kann das Nicht-Glauben an Gott ein Asylgrund sein? Der Bund für Geistesfreiheit sagt ja und hat in München eine Zweigstelle der "Säkularen Flüchtlingshilfe" gegründet. Diese richtet sich mit ihren Angeboten hauptsächlich an atheistische Flüchtlinge.

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Unglaube als Asylgrund? Die Säkulare Flüchtlingshilfe in Bayern

Kann das Nicht-Glauben an Gott ein Asylgrund sein? Der Bund für Geistesfreiheit sagt ja und hat in München eine Zweigstelle der "Säkularen Flüchtlingshilfe" gegründet. Diese richtet sich mit ihren Angeboten hauptsächlich an atheistische Flüchtlinge.

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Säkulare Flüchtlinge aus Ländern wie Saudi-Arabien, Iran oder Mauretanien fliehen weder vor Krieg, noch vor wirtschaftlichem Elend. Sie fliehen, weil sie in ihren Heimatländern wegen Apostasie - dem "Abfall vom Glauben" - verfolgt werden. Anders als Christen, Jesiden oder Juden gelten sie in Deutschland aber nicht als religiös Verfolgte, weil sie keiner Religion angehören.

Hilfe für Flüchtlinge, die wegen Apostasie verfolgt werden

Der Bund für Geistesfreiheit beteiligt sich daher in München an der "Säkularen Flüchtlingshilfe". Diese richtet sich mit ihren Hilfsangeboten hauptsächlich an säkulare und atheistische Flüchtlinge aus muslimischen Ländern, in deren Heimat Apostasie zum Verfolgungsgrund wird.

Eine säkulare Flüchtlingshilfe sei notwendig, so der Bund für Geistesfreiheit, da in normalen Flüchtlingsunterkünften atheistische Flüchtlinge von religiösen Muslimen häufig bedroht und angegriffen würden.

Atheistische Flüchtlinge werden in Flüchtlingsheimen angefeindet

Der 27 Jahre alte Menschenrechtsaktivist und Blogger Yahya Ekhou aus Mauretanien hat diese Erfahrung gemacht. 2018 ist er aus seiner Heimat geflohen, weil er Atheist ist. In dem vom politischen Islam geprägten Land gilt dies als Abfall vom Glauben und darauf steht die Todesstrafe. Auch wenn die bislang noch nie vollstreckt wurde, fühlte sich Yahya in Mauretanien nicht mehr sicher. Er kam nach Deutschland, in eine Flüchtlingsunterkunft. Hier wurde er von muslimischen Flüchtlingen bedroht und sein Handy zerstört.

Yahya Ekhou lebt inzwischen in einem anderen Flüchtlingsheim. Er achtet sehr darauf, nicht als Atheist erkannt zu werden. Sein Erstantrag auf Asyl wurde abgelehnt. Jetzt befindet er sich im Revisionsverfahren. Unterstützt wird er dabei von "Säkulare Flüchtlingshilfe", einem Verein mit Sitz in Köln, den die atheistische Giordano-Bruno-Stiftung mit dem Zentralrat der Ex-Muslime ins Leben gerufen hat.

Atheismus als Fluchtursache oft unbekannt

Die Fluchtmotive von Atheisten aus muslimischen Ländern würden oft verkannt, meint Sprecher Dittmar Steiner: "Wir haben Anwälte erlebt, die wussten gar nicht, dass auf Apostasie in Saudi-Arabien die Todesstrafe steht." Es könne außerdem vorkommen, dass muslimische Übersetzer in Gerichtsverfahren falsch übersetzten, so Steiner.

35 Geflüchtete betreut der Verein derzeit, die allermeisten sind Frauen aus Saudi-Arabien. Ihre Lage sei auch in Deutschland prekär, sagt Rana Ahmad, Mitbegründerin der säkularen Flüchtlingshilfe: "Die Familien der Frauen zahlen viel Geld, um sie zu finden. Auch die saudische Botschaft hilft dabei."

Frauen aus Saudi-Arabien besonders gefährdet

Frauen, die aus Saudi-Arabien flüchten, landen automatisch in einer Erstaufnahme in Sachsen-Anhalt. Dort hat das Bundesamt für Migration die einzige Außenstelle bundesweit, die Asyl-Anträge aus Saudi-Arabien bearbeitet. Während des Asylverfahrens haben die Frauen dort Residenzpflicht oder bekommen auch nach ihrer Anerkennung eine Wohnsitzauflage. So könnten sie von Angehörigen, die mit Touristenvisum einreisen, leicht gefunden werden. "Ein lebensgefährliches Problem", sagt Dittmar Steiner.

Dass sich dies in Zukunft ändert, dafür will sich nun auch der Bund für Geistesfreiheit in München einsetzen. Er will zudem auf politischer Ebene aktiv werden, damit Atheismus bei Flüchtlingen aus streng muslimischen Ländern als Asylgrund anerkannt wird.