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Und freitags gibt’s Fisch! Woher kommt diese Tradition? | BR24

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Renke mit Spinat und Kartoffeln

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Und freitags gibt’s Fisch! Woher kommt diese Tradition?

Fisch gilt als gesundes Nahrungsmittel. Fast 14 Kilogramm isst jeder Bundesbürger statistisch gesehen jährlich. Und ganz besonders freitags ist vielerorts traditionell Fischtag. Wie ist diese Tradition entstanden und was bedeutet sie heute noch?

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Es ist kurz nach 6 Uhr morgens. Mit seinem Fischerboot ist er unterwegs auf dem Starnberger See südlich von München. Er fährt zu seinen Fangnetzen hinaus, die er tags zuvor ausgelegt hat. Noch ist es ganz still auf dem Wasser. Andreas Gastl ist einer der 34 Berufsfischer, die es gegenwärtig rund um den See gibt.

Fischer - ein Beruf mit christlicher Geschichte

Wer eine Lehre zum Fischwirt oder zur Fischwirtin macht, ist fast immer familiär vorbelastet. Auch bei Gastl ist das so. Er ist eines von fünf Geschwistern. Die Fischerei ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Vater, Großvater: alle waren Fischer am See. Seit 1870 mindestens sind die Gastls Fischer - da ist der Familienhof in Leoni, einem kleinen Dorf am Westufer des Starnberger Sees, gebaut worden.

Schon bald 20 Jahre übt er den Beruf aus, einen Beruf, der wie kaum ein anderer mit christlicher Geschichte aufgeladen ist: Vor über 2000 Jahren lebten Simon Petrus und sein jüngerer Bruder Andreas am See Genezareth als Fischer. Beim Auswerfen ihrer Netze hat Jesus sie getroffen und aufgefordert, ihm zu folgen. So steht es im Neuen Testament.

Viele Fischer haben Apostel-Namen

Aber nicht nur Petrus und Andreas waren Fischer. Man weiß, dass mindestens vier der zwölf Apostel diesen Beruf hatten. Wer heute Fischer ist, lebt ganz selbstverständlich mit christlicher Symbolik. Das fängt schon bei den Vornamen an:

"Bei uns wars halt immer schon so, dass ein Peter vorhanden war und das in der Familie so weitegegeben worden ist." Andreas Gastl

Andreas Gastls verstorbener Vater hieß Peter, sein älterer Bruder heißt auch Peter. In Fischerfamilien sind Apostelnamen seit Jahrhunderten üblich. So entstand auch irgendwann der bis heute gebräuchliche Angler- und Fischergruß "Petri Heil".

Fisch war geheimes Erkennungszeichen der Christen

Der Fisch, und nicht das Kreuz, ist das urchristliche Glaubenssymbol schlechthin. Für die verfolgten Christen war er ein geheimes Erkennungszeichen. Wenn einer einen Bogen in Sand geritzt hat, und ein anderer ihn zu einem Fisch vervollständigte, war klar: Hier stehen zwei Christen voreinander. Erst im Jahr 431 wurde das Kreuz durch das Konzil von Ephesos offiziell zum wichtigsten Symbol für die Christenheit.

Fischer ist zwar ein Traditionsberuf, der aber immer wieder neue Geschäftsideen braucht. Der 38-Jährige Gastl kann sich und seine Familie nicht allein durch den Fischfang ernähren, deshalb betreibt er in Leoni neben seinem Fischladen noch ein kleines Café.

Freitag ist der Fischtag

Und trotzdem: Berufsfischer wird man auch zukünftig brauchen. Denn frisch gefangener Fisch ist gefragt, besonders, wenn das Wochenende naht. Denn der Freitag ist der Fischtag. In Gaststätten und Kantinen finden sich vielerorts freitags ganz selbstverständlich Fischgerichte als Tagesspezialität. Auch in Bernried am Westufer des Starnberger Sees im Landgasthof "Drei Rosen" ist freitags immer ein frischer Fisch die Tagesspezialität. Das gehört sich einfach so, meint Regina Steiger, die zusammen mit ihrem Bruder Josef das Gasthaus mit kleinem Hotel führt:

"Des kommt vom christlichen her. Wir sind a katholisches Bayern, und deswegen ist das für uns wichtig, dass diese Tradition erhalten wird. So simmer aufgwachsen einfach. Wir kennen das von klein auf und versuchen unseren Gästen beizubringen, dass Freitag einfach Fischtag ist." Regina Steiger

Freitag ist Gedenktag an Karfreitag ist Fastentag

In der christlichen Tradition ist jeder Freitag ein Gedenktag an Karfreitag, den Todestag Jesu. Insbesondere bei den Katholiken wird in Erinnerung daran freitags gefastet. Fische und Biber gehören in Bayern zu den Fast-Tieren. Biber? Ja, den haben die Mönche in früheren Zeiten als fischähnlich eingestuft, und somit das Fleischverbot in den Fastenzeiten umgangen.

Im Landgasthof will man auch künftig an der alten christlichen Freitags-Tradition festhalten, schließlich sei Fisch auch ernährungsphysiologisch ein wichtiges Lebensmittel, welches man ein- bis zweimal die Woche essen sollte, sagt Küchenchef Josef Steiger.

© BR/Burkhardt

Andreas Gastl ist jeden Morgen mit seinem Boot auf dem Starnberger See unterwegs.

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Er sieht nach seinen Netzen und holt sie ein.

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Die Fische räuchert er ...

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... und verkauft sie in seinem Laden.

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Außerdem verkauft er sie an Wirtschaften rund um den See, zum Beispiel an die Wirtsleute Regina und Josef Steiger.

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Andreas Gastl hat sogar eine eigene kleine Fischzucht.

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