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Und der Hund spielt überzeugend: "Shakespeares Italien" | BR24

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Ende gut, alles Gut?

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Und der Hund spielt überzeugend: "Shakespeares Italien"

Fünf Shakespeare-Stücke in gut zwei Stunden, das ist rekordverdächtig. Das niederbayerische Theater an der Rott verdichtet die Romanzen auf ihren Kern, und vier mitteilungsbedürftige "Hunde" dürfen auch mitspielen. Nachtkritik von Peter Jungblut

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Von "Romeo und Julia" über "Viel Lärm um Nichts", "Zwei Herren aus Verona" und "Der Widerspenstigen Zähmung" bis zum "Sturm" hat der rumänisch-deutsche Regisseur Ioan Toma fünf Shakespeare-Stücke mit dem Schauplatz Italien auf den Punkt gebracht: Nach gut zwei Stunden ist alles vorbei, und das Überraschende dabei: Romeo und Julia überleben. Sie nehmen kein Gift, sie erdolchen sich auch nicht, sondern sehen gerade noch rechtzeitig ein, dass die Liebe es wert ist, noch ein paar Jahre dran zu hängen.

Höhepunkt ist eine Hunde-Szene

Es ist eine vergnügliche Shakespeare-Beschwörung, die sich das Theater an der Rott da ausgedacht hat. Damit auch diejenigen unter den Zuschauern, die mit den Werken nicht so bewandert sind, einigermaßen durchblicken, hilft Erzähler Gerd Lohmeyer weiter. Höhepunkt ist eine Hunde-Szene, und selbst mit Schauspielern, die regelmäßig ihr Bein heben, funktioniert Shakespeare - sogar besonders gut! David Baldessari ist als schnurrender, winselnder und kläffender Köter herrlich albern, und der leckere Wurst-Ring entsprechend umkämpft.

Vespa steuert Abgase bei

Am Ende haben die Zuschauer das Gefühl, gar nicht soviel viel verpasst zu haben. Es ist alles dabei: Die Balkonszene aus "Romeo und Julia", der böse Caliban aus dem "Sturm", die resolute Katharina als "Widerspenstige", und die zeitraubenden Verwechslungs-Affären, Intrigen, Briefwechsel und Nebenschauplätze werden geschickt übersprungen oder in Windeseile zusammengefasst. Eine echte Vespa steuert die Abgase dazu bei und verbreitet die notwendige italienische Atmosphäre.

Vorbild Globe Theatre

Zum 400. Todestag von Shakespeare orientierte sich Ioan Toma bei seinem Bühnenbild am berühmten Globe Theatre in London, das im Original-Stil wieder aufgebaut wurde und wo Abend für Abend viele hundert Shakespeare-Fans unter freiem Himmel stundenlang im Stehen ausharren. In Eggenfelden hatte es das Publikum bequemer. Neben dem fernsehbekannten Gerd Lohmeyer spielten Johanna Martin, Bernhard Georg Rusch und Isabel Segmüller ihre zahlreiche Rollen allesamt rasant, mit viel komödiantischem Eifer, poetischer Kraft und dem Mut zum auch mal derben Klamauk. Eine wunderbare Shakespeare-Hommage!

Noch bis zum 20. November.

© Theater an der Rott

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