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Eine Sonderausstellung in Nürnberg beschäftigt sich mit dem Werkstoff Plastik in der Kunst.

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Umstrittener Werkstoff: Plastik in der Kunst

Ist das Kunst oder Umweltverschmutzung? Die Ausstellung "Naturstoff/Kunststoff" in der Nürnberger Kunstvilla zeigt die Verwendung von Plastik in der Kunstszene. Es ist ein sehr umstrittener Werkstoff - allerdings mit großer Gestaltungsmöglichkeit.

Ein roter Silikonschlauch kunstvoll gefaltet zur Skulptur in Blütenform, dahinter bunte abstrakte Bilder, auf deren Oberfläche Kupfer mit Acryl reagiert und die sich deshalb immer wieder verändern. Im nächsten Raum leuchten an der Wand knallorange Lampen – dank einer Paraffin-Wachshülle – und ein kunterbuntes Kunstrasenstück wächst vom Boden ab die Wand hinauf.

Plastik kann so viel

Plastik kann so viel, zum Beispiel auch als transparentes Objekt im Raum hängen. Kein Wunder also, dass dieser Werkstoff von den Kunstschaffenden so begeistert aufgenommen wurde, erklärt Andrea Dippel, die Leiterin der Kunstvilla in Nürnberg.

"Die Handhabung, die Verwandelbarkeit: wir haben seit den 50er und 60er Jahren wahnsinnige Fortschritte in der Kunststoffindustrie. Die ersten Werke sind noch sehr erdig, sehr dunkel gehalten, da gab es noch nicht die Farbvielfalt. Was es schon immer gab - die Wandelbarkeit."

Große Vielfalt

Das zeigen auch die Objekte von Herrmann Frauenknecht – direkt nebeneinander hängen drei ziemlich ähnliche Skulpturen - aus Eichenholz, aus Bronze und dann aus Plastik. Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Unterschiede zu erkennen. Alle Werke in der Ausstellung sind von Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern – aber sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Bei Karin Blums Collagen ist der Kunststoff nur ein Material von vielen in ihren filigranen Bildern.

Kunst aus Abfall

Bei den beleuchteten bunten Putzmittel-Flaschen dagegen steht das Plastik deutlich im Mittelpunkt und weggeworfene Alltagsgegenstände werden so zur Kunst. Auch Fred Ziegler, der sich selbst als Gelbforscher bezeichnet, hat Kunststoff-Abfall für sein Werk entdeckt. Seine knallgelben Fantasieobjekte kommen aus Fabriken, die Kunststoff-Gehäuse für Staubsauger produzieren. "Wenn diese Tiefzieh-Maschinen nicht richtig funktionieren, dann spritzt der Kunststoff raus und macht die tollsten Formen, das sind die, die ich hier gesammelt habe", so Fred Ziegler.

Transparent und filigran

Ganz anders ist die Kunst von Achim Weinberg. Seine hauchdünnen Objekte mit Wabenstruktur scheinen an der Wand förmlich zu schweben. Er schätzt vor allem die Transparenz und das Filigrane, das ihm das Material Kunststoff bietet. "Da bin ich eben auf den Silikonschlauch gekommen und habe so Wabenstrukturen entwickelt und habe mir von Silikonherstellern solche Schläuche machen lassen."

Ersatzstoff wird zum Ärgernis

Für die Kunst war Plastik erstmal eine Lösung für viele Formprobleme und ein guter Ersatzstoff, weil deutlich billiger und leichter formbar als zum Beispiel Metall. Heute aber wird das Plastik zum Problem und vor allem als Ärgernis für das Ökosystem wahrgenommen. Und genau diese Gegensätzlichkeit hat die Ausstellungsmacher in der Kunstvilla fasziniert. Schließlich sei das ein Material, das wir gewissermaßen erfunden haben und das uns jetzt über den Kopf wächst.

Dabei sei in der Kunst der Recycling-Gedanke durchaus präsent. "Viele Künstler arbeiten mit schon vorhandenen Materialien, das ist ein Strang. Und dann kann in der Kunst der Kunststoff nochmal ganz andere Bedeutungsebenen annehmen. Und als dritten Punkt würde ich meinen, dass Museen wie Künstler eben auch, sehr nachhaltig agieren und diese Dinge ja auch bewahren für die Nachwelt", verteidigt Andrea Dippel den Kunststoff als Arbeitsmaterial.

Plastik hat Nürnberger Kunstszene inspiriert

Mit der Sonderausstellung "Naturstoff/Kunststoff - Plastik in der Nürnberger Kunst" will die Kunstvilla zeigen, wie das Material die Nürnberger Kunstszene einst inspiriert hat und heute immer noch inspiriert. Zu sehen ist die Ausstellung ab 03. Dezember 2022 bis zum 11. Juni 2023.

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