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© The Andy Warhol Museum/Picture Alliance
Bildrechte: The Andy Warhol Museum/Picture Alliance

Warhols Suppendose digital

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    Umstrittene Auflösung: Pixel-Zoff um Andy Warhols Computerkunst

    Schon 1985 experimentierte der Pop-Art-Star mit digitalen Zeichnungen. Jetzt wurden fünf davon versteigert - allerdings mit stark "verbesserter" Qualität. Ist das dann noch ein Original? Experten kritisieren solche Eingriffe als "Reproduktionen".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Es war gar nicht einfach, diese Werke von Andy Warhol von verstaubten Floppy-Disks wieder lesbar zu machen: Der Künstler hatte Mitte der achtziger Jahre einen Amiga 1000-Computer geschenkt bekommen und prompt angefangen, damit künstlerisch zu experimentieren. So schuf er zwei Selbstporträts, eine Blume, eine Zeichnung der berühmten "Campbell's"-Suppendose und eine grün-schwarze Banane auf blauem Hintergrund. Logischerweise hatten die Bilder allesamt eine aus heutiger Sicht sehr geringe Auflösung von 640 mal 256 Pixel, mehr ließ die damalige Technik noch nicht zu. Jetzt kamen die Werke bei Christie´s als NFTs (non-fungible tokens, unveränderbare digitale Adressen) unter den Hammer und erlösten Preise zwischen 250.000 Dollar für die Banane und knapp 1,2 Millionen Dollar für die Suppendose. Das Auktionshaus kann also zufrieden sein. Kunstexperten dagegen verweisen darauf, dass die Arbeiten keine "Originale" seien, sondern eher vergrößerte Reproduktionen, sie wurden nämlich auf 4.500 mal 6.000 Pixel digital "aufgewertet".

    Dreißig alte Disketten mit Warhol-Werken

    Einer der "Retter" von Warhols IT-Kunst-Versuchen, der amerikanische "New Media"-Fachmann und Computer-Design-Professor Golan Levin, kritisiert im spanischen Blatt "El País" die ganze Aktion als "anachronistisch". Er argumentiert, dass die Werke von Warhol, die jetzt den Eigentümer wechselten, weder auf einem Amiga-Gerät von 1985 herstellbar waren, noch auf einer 1,4-Megabyte-Diskette Platz gehabt hätten. Levin und Kollegen hatten ungefähr dreißig alte Disketten ausgewertet, worauf sich "vergessene" Warhol-Arbeiten fanden, die mit dem damaligen ProPaint-Programm von Commodore angefertigt und mit einer frühen Asquard-Digitalkamera vom Monitor abfotografiert worden waren. Golan sagte, wenn Christie´s die Originale angeboten hätte, hätten die Käufer eine gewisse Sicherheit gehabt, so dagegen handle es sich um Nachbildungen aus "zweiter Hand".

    © The Andy Warhol Museum/Picture Alliance
    Bildrechte: The Andy Warhol Museum/Picture Alliance

    Warhol-Porträt auf Commodore 64

    Mit Hilfe eines Photoshop-Programms waren aus den wenigen vorhandenen Pixeln aus den Achtzigern über Interpolarisationsfilter kurzerhand neue berechnet worden. Wie ein beteiligter Ingenieur vermutete, weil die Andy-Warhol-Stiftung "schnelles Geld" brauchte. Die Institution hatte die Werke einst auf einem originalen Amiga-Monitor gezeigt, um sie so authentisch wie möglich zu präsentieren. Golan hält es für den falschen Weg, wenn Galerien und Auktionshäuser eine hohe Auflösung mit einer "verbesserten Qualität" gleichsetzen. Christie´s-Sprecherin Alexandra Kindermann nannte die Bearbeitung gegenüber "El País" eine "Restaurierung".

    Bezahlt werden konnte mit "Ether"

    Warhol selbst wurde mit Kopien und seriellen Werken berühmt, das heißt, er stellte die Aura des Originals systematisch in Frage, ein Kennzeichen der Pop Art, die ihre Motive gern aus der Werbung und der Comic-Welt entnahm. Am 23. Juli 1985 war ihm ein Amiga 1000-Gerät im Zuge einer Werbeaktion geschenkt worden. Bei einer Präsentation im New Yorker Lincoln-Center hatte er live die Pop-Sängerin Debbie Harry ("Blondie") digital gezeichnet.

    Insofern geht die Debatte womöglich an Warhols Kunstverständnis vorbei. Christie´s jedenfalls hatte die Werke ausdrücklich auch Käufern angeboten, die in der Digitalwährung Ether vom "Ethereum"-Netzwerk zahlen wollten, so dass der gesamte Vermarktungs-Kreislauf virtuell ablaufen konnte.

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