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Überzeugt von bizarrer Verschwörungstheorie: US-Bürger

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    Umfrage: Jeder siebte Amerikaner glaubt an QAnon-Verschwörung

    Schockierende Zahlen zur Debattenkultur in den USA: Das renommierte Public Religion Research Institute ermittelte, dass 15 Prozent aller US-Bürger wirren politischen Fantasien Glauben schenken. Jeder vierte Republikaner neigt demnach zu QAnon.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Einer der bekanntesten QAnon-Aktivisten, der "Schamane" Jake Angeli aus Arizona, der mit einem "gehörnten" Auftritt beim Sturm auf das US-Kapitol in Washington D.C. am 6. Januar weltweit bekannt wurde, wird derzeit auf Anordnung eines Richters auf seinen psychischen Gesundheitszustand untersucht. Es soll herausgefunden werden, ob Angeli sich der Tragweite seiner Taten überhaupt bewusst ist, zumal er weiterhin behauptet, auf Anweisung von Ex-Präsident Donald Trump gehandelt zu haben und das gewaltsame Eindringen in das Parlamentsgebäude als "friedlich" und "gutwillig" bezeichnet. Für Richter Royce Lamberth ist das ein Hinweis auf eine gestörte Realitätswahrnehmung.

    Zwanzig Prozent sehen einen "Sturm aufziehen"

    Das mag auch für viele andere Anhänger der QAnon-Bewegung gelten, glauben sie doch an eine so bizarre wie überraschend wirkmächtige satanistische Weltverschwörung von Pädophilen. Das unabhängige Public Religion Research Institute in Washington D.C. (PRRI) hat jetzt rund 5.600 Amerikaner nach ihrer Meinung zu QAnon befragt und beunruhigende Zahlen vorgelegt. Demnach stimmten 15 Prozent der Befragten den wirren Ansichten von QAnon zu, sogar 23 Prozent der Republikaner konnten sich damit anfreunden. Bei den Demokraten waren es nur acht Prozent.

    Noch deutlich mehr US-Bürger fanden die Aussage richtig, wonach ein "Sturm aufziehe", der die Eliten hinwegfegen werde, um Platz zu schaffen für die "rechtmäßigen Anführer". Zwanzig Prozent der Befragten stimmten zu, darunter 28 Prozent der Republikaner. Ebenso viele republikanische Parteianhänger unterstützten die Aussage, wahre Patrioten müssten möglicherweise mit Gewalt dafür sorgen, dass "die Dinge wieder in Ordnung" gebracht würden.

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    Bildrechte: STAR MAX/Picture Alliance

    "QAnon-Schamane" Jake Angeli vor dem Kapitol

    Dabei ermittelten die Meinungsforscher vom PRRI einen klaren, ja beängstigenden Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum und der Neigung zu Verschwörungstheorien. So zeigten sich rund vierzig Prozent der Zuschauer von rechten und ganz rechten Sendern empfänglich für die extremen Ansichten. Die besonders leidenschaftlichen Fans von radikal konservativen News-Kanälen sind nach Angaben von PRRI sogar neun Mal so anfällig für QAnon wie die Gesamtbevölkerung. Aufgeschlüsselt nach religiöser Zugehörigkeit gab es besonders unter weißen Evangelikalen, Mormonen und protestantischen Amerikanern mit südamerikanischen Wurzeln ("Hispanics") Sympathien für QAnon. Ex-Präsident Donald Trump gilt in diesen Kreisen als "rettender Held".

    Meinungsforscher: "Soweit sind wir gekommen"

    "Das sind Worte von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie in einer Umfrage schreiben würde oder muss, aber so weit sind wir gekommen", sagte Robby Jones, der Gründer von PRRI in einem Interview mit der "New York Times": "Es ist eine Sache, zu sagen, dass die meisten Amerikaner über diese übergeschnappten Ideen lachen, aber wenn man bedenkt, dass diese Überzeugungen mit einer Art apokalyptischem Denken und Gewalt einher gehen, stellt sich das ganz anders dar." Was ebenfalls beunruhigt: Zwar lehnen vierzig Prozent aller Befragten den QAnon-Unsinn ab, aber 46 Prozent sind lediglich "Zweifler", haben also diesbezüglich keine klare Haltung.

    Es liegt auf der Hand, dass diejenigen, die sich von QAnon angezogen fühlen, auch empfänglich für alle möglichen anderen Arten von Verschwörungsmythen sind. Sie glauben der Umfrage zufolge zum Beispiel zu einem Großteil oder sogar mehrheitlich, dass Corona-Impfstoffe Überwachungs-Mikrochips enthalten, dass die letzte Präsidentschaftswahl manipuliert war oder dass Covid-19 absichtlich von Wissenschaftlern unters Volk gebracht wurde. Wenig verwunderlich ist die Tatsache, dass sich unter der ländlichen und vergleichsweise wenig gebildeten Bevölkerungsschicht mit geringen Einkommen besonders viele Menschen finden, die für Verschwörungstheorien anfällig sind.

    Die Umfrage wurde zwischen dem 8. und 30. März in allen fünfzig US-Bundesstaaten unter 5.625 Befragten durchgeführt.

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