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Ulay, der Performancekünstler Frank Uwe Laysiepen, ist gestorben | BR24

© dpa/picture-alliance

Der Performance-Künstler Ulay ist gestorben

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Ulay, der Performancekünstler Frank Uwe Laysiepen, ist gestorben

Sein Medium war sein Körper: Mit Marina Abramović schrieb Ulay in den 70er-Jahren Performance-Geschichte und wurde in Deutschland zu einem der wichtigsten Vertreter der Aktions-Kunst. Jetzt ist Ulay in Ljubiljana mit 76 Jahren gestorben.

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Wer ihnen einmal begegnet ist, vergisst sie nicht mehr: Die Installationen und Performances von Ulay verstören und setzen sich wie Widerhaken im Gedächtnis fest: Sei es "Light/Dark", die Videoinstallation, die Ulay mit Marina Abramović machte, und die zuletzt in der Ausstellung "Durch Mauern gehen" zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Gropius-Bau gezeigt wurde. Oder der gigantische Kaktus "Pink Pain", dessen Stacheln Ulay rosa angemalt hat. Oder seine 90-tägige Aktion mit Marina Abramović auf der Chinesischen Mauer: Beide gingen - wohl dokumentiert wie immer - 90 Tage lang aufeinander zu, begegneten sich und trennten sich von da an für immer. "The Great Wall Walk" (1988) heißt diese letzte Performance der beiden Künstler*innen, die gut ein Jahrzehnt der Öffentlichkeit gezeigt haben, wie symbiotisch auch Künstlerkollegen miteinander leben können.

Malträtiert und in Szene gesetzt: sein Körper

Ulay wurde 1943 mit dem bürgerlichen Namen Frank Uwe Laysiepen in Solingen geboren. Nachdem er sein bürgerliches Leben samt Frau und Kind hinter sich gelassen hat, baute er sich in Amsterdam ein neues Leben auf: mit Kamera. Denn das Medium seiner Kunst wurde bald sein eigener Körper, den er herausforderte, bemalte, malträtierte. Die Kamera dokumentierte stets die Aktionen. Etwa wenn er - 1972 - mit den Geschlechteridentitäten spielte: sich halb als Mann mit Kippe im Mund und Dreitage-Bart und halb als Frau in Szene setzt: mit roten Lippen, Lidschatten, gezupfter Augenbraue und einem Fuchspelz: "S'he".

Der Künstler als Dieb - mit Kneifzange

1976 verschaffte ihm eine Aktion über die Kunstszene hinaus große Berühmtheit: Er stahl in der Berliner Nationalgalerie - einfach mit einer Kneifzange - den "Armen Poeten" von Carl Spitzweg, hängte die Museumswärter ab und hängte das Bild da auf, wo seiner Meinung nach die Armut wohnte: in Kreuzberg bei einer türkischen Familie. "Hinter dem Museum stand mein Citroën-Bus mit laufendem Motor, damit bin ich nach Kreuzberg gefahren und dann zu einer türkischen Familie in die Wohnung. Dort hängte ich das Spitzweg-Gemälde an die Wand. Dann rief ich bei der Polizei an und verlangte, dass man mit dem Museumsdirektor vorbeikäme. Er sollte bestätigen, dass ich das Bild nicht beschädigt hatte. Ich wartete auf der Straße, es fing an zu schneien. Eine Stunde später sperrte die Polizei den ganzen Block ab. Ich wurde kurzzeitig festgenommen, später in Abwesenheit zu 36 Tagen Haft oder 3600 D-Mark Strafe verurteilt", erinnert er in einem Interview.

Zuletzt ist es ruhig geworden um Ulay, während Marina Abramović immer berühmter wurde. Er selbst bezeichnete sich wiederholt und ohne jede Bitterkeit als der "bekannteste unbekannte Künstler".

Wie seine Ateliermanagerin jetzt der Kunstzeitschrift Monopol bestätigte, ist Ulay in der Nacht zum 2. März in Ljubljana gestorben.

© Bayern 2/ Foto dpa/picture-alliance

„Zu Gast in dieser Welt“ – ein Nachruf von Rudolf Schmitz auf Ulay, den radikalen Performancekünstler an der Seite von Marina Abramović.

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