BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Picture Alliance
Bildrechte: Picture Alliance

Botticellis "Geburt der Venus" (ca. 1485).

Per Mail sharen

    Uffizien prüfen Klage gegen Pornhub: Streit um nackte Grazien

    Schlechte Stimmung in Florenz: Ungefragt bietet eines der weltweit größten Erotik-Portale einen Audio-Guide zu Meisterwerken der Aktmalerei an. Für kommerzielle Zwecke sei dafür eine Genehmigung notwendig und eine Gebühr fällig, so die Museumsleute.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Es geht um Botticellis "Geburt der Venus", um Jacopo Ligozzis "Fortuna" und Caravaggios "Bacchus" - sämtlich Gemälde von nackten oder halbnackten Göttern und Helden: Nach Informationen der italienischen Nachrichtenagentur "Adnkronos" hat die Rechtsabteilung der Uffizien in Florenz bereits eine "Warnung" an den luxemburgischen Porno-Konzern Mindgeek geschickt. Grund dafür: Auf dem Hardcore-Portal Pornhub, das zu Mindgeek gehört, werden Abbildungen von Meisterwerken der Kunstgeschichte unter dem Titel "Classic Nudes" und ein dazu passender Audio-Guide von "Markenbotschafterin" Asa Akira angeboten. Doch wer klassische Gemälde für kommerzielle Zwecke nutzt, muss nach Auffassung von Experten wie Vittorio Sgarbi nach dem italienischen Kulturerbegesetz dafür die Genehmigung der Eigentümer einholen, in der Regel also von den Museen, in denen die Werke ausgestellt sind. Außerdem wird ein Nutzungsentgelt fällig.

    Uffizien selbst setzen auf Erotik

    Es sei an der Zeit, die "langweiligen Audio-Guides" hinter sich zu lassen, so die japanisch-amerikanische Porno-Darstellerin Akira: "Wenn Leute in den Louvre oder ins Metropolitan Museum gehen, können Sie einfach die 'Classic Nudes' öffnen und ich werde ihre Führerin sein." Auf diese Weise sei "jeder Pinselstrich dieser erotischen Meisterwerke" zu genießen.

    Den Uffizien selbst ist die mitunter aggressive Vermarktung ihrer Kunstwerke nicht fremd: So sorgte im vergangenen Jahr ein Instagram-Post der berühmten Kunstsammlung für Debatten. Dort war die Mode-Influencerin Chiara Ferragni (34) in einem bauchfreien Top vor der "Geburt der Venus" zu sehen, ergänzt um den Hinweis, die Frau sei "eine Art zeitgenössische Gottheit der Social-Ära". Die Folge waren zahlreiche Kommentare, auch jede Menge sexistische, was Eike Schmidt öffentlich bedauerte. Generell bekennt er sich jedoch zu einer vergleichsweise offensiven PR-Strategie und sagte, die Werke gehörten nicht nur einer "selbst ernannten kulturellen Elite", sondern "vor allem jungen Generationen". Die Instagram-Werbung bescherte dem Haus damals angeblich einen Besucherzuwachs um 24 Prozent und viel junges Publikum.

    © Picture Alliance
    Bildrechte: Picture Alliance

    "Drei Grazien" von Francesco Morandi.

    Moderiert wird die Werbung für die "Classic Nudes" übrigens von Ilona "Cicciolina" Staller, der Ex-Frau des US-Künstlers Jeff Koons, die in ihrer Einführung, die auch auf Youtube abrufbar ist, sagt: "Einige der besten Pornos der Welt gibt es nicht auf Pornhub, man findet sie nur im Museum." Und dort warteten sie "kostenlos" darauf "entdeckt zu werden". Dabei steht die ehemalige Porno-Darstellerin bekleidet mit einem hautfarbenen Ganzkörpertrikot wie Botticellis Venus in einer Muschel und empfiehlt die "heißesten Szenen" in Museen wie dem Prado oder dem Louvre. "Porno mag keine Kunst sein", so die "Fachfrau", aber manche Kunst könne durchaus pornografisch sein.

    "Diskrete" Beschwerde beim Kunstministerium

    Der einstige italienische Pornostar Rocco Siffredi wird dagegen mit dem Satz zitiert, Pornhub wisse genau, dass Provokation die beste Werbung sei. Demnach ist die internationale Aufregung einkalkuliert. Dem "Corriere della Sera" zufolge will sich der deutsche Leiter der Uffizien, der sonst keineswegs öffentlichkeitsscheue Eike Schmidt, zum aktuellen Fall nicht äußern. Laut "informierten Quellen" habe er sich stattdessen diskret an das italienische Kunstministerium gewandt und eine "sehr schwere Urheberrechtsverletzung" festgestellt. Andere Museen, wie das Musée d'Orsay in Paris, der Louvre in Paris und die National Gallery in London würden ähnliche Schritte überlegen.

    Mittlerweile bestätigte ein Sprecher der Uffizien Nachrichtenagenturen gegenüber, dass ein Anwalt eingeschaltet worden sei. Auf der offiziellen Seite des Museums freilich findet sich bisher keine öffentliche Stellungnahme zu dem Streit. Eine schriftliche Anfrage des BR blieb bisher unbeantwortet.