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Thomas Pekny

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    Übergriffe nach der Wiesn? Münchner Theaterintendant angeklagt

    Thomas Pekny, der Chef der Komödie im Bayerischen Hof, soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrfach betrunkene Frauen nach dem Oktoberfest missbraucht und gefilmt haben. Ob an den Vorwürfen was dran ist, muss das Landgericht München I klären.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Bild- und Videomaterial wird in diesem Fall wohl im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller am Strafprozess Beteiligten stehen: Es geht um Aufnahmen, die der Chef der Komödie im Bayerischen Hof Thomas Pekny (69) in den Jahren 2015 und 2016 von drei Frauen gemacht haben soll, an denen er sich nach dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft sexuell vergangen haben soll. Die Betroffenen sollen dabei nach einem Besuch auf dem Münchner Oktoberfest jeweils angetrunken gewesen sein bzw. während der sexuellen Übergriffe geschlafen haben.

    Zwei der auf zahlreichen Fotos und in kurzen Videoclips dargestellten Frauen blieben bis heute unbekannt, eine dritte erstattete 2018 Anzeige - nach Einschätzung von Juristen ist der zeitliche Abstand nicht ungewöhnlich. Gerade im "bürgerlichen Milieu" würden sich viele Frauen zunächst schämen und scheuen, den Behörden solche Vorfälle zu melden. Nach der Behauptung der Zeugin hatte ihr Pekny nach einem Beziehungsstreit angeboten, sie nach Hause zu fahren und ihre hilflose Lage ausgenutzt.

    Pekny bleibt als Intendant "vorerst im Amt"

    Anders als bei sonstigen Strafprozessen wegen sexueller Übergriffe wird es in diesem Fall nicht in erster Linie um langwierige Gutachten über die Glaubwürdigkeit von Zeuginnen gehen, es liegen neben der Aussage einer Betroffenen mit den Bildaufnahmen ja "objektive" Beweismittel vor, die von der Polizei sichergestellt werden konnten. Derart intime Bilder könnten den "höchstpersönlichen Lebensbereich" der gezeigten Personen verletzen und wären damit unabhängig von den sexuellen Handlungen an sich bereits strafwürdig.

    Da zwei der abgebildeten Frauen jedoch nach wie vor nicht ermittelt werden konnten, dürfte es schwierig sein, die tatsächlichen genauen Begleitumstände der jeweiligen Situationen zu klären. Die fraglichen Vorkommnisse sollen sich in den Probenräumen der Komödie abgespielt haben. Ob Pekny an der U-Bahn-Station am Wiesn-Gelände "gezielt" nach Opfern Ausschau hielt, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet, wird das Gericht ebenfalls bewerten müssen.

    "Sie wollte, dass ich weitermache"

    Thomas Pekny selbst wollte die Vorwürfe vor Prozessbeginn nicht kommentieren, wie er der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Vor Gericht ließ er über seine Verteidigung am ersten Verhandlungstag mitteilen, die Frauen seien mit den sexuellen Handlungen einverstanden gewesen. Er habe auch "gefragt, ob ich weitermachen darf, wenn sie einschläft", sagte er über einen der drei Fälle, die ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt werden: "Sie wollte, dass ich weitermache."

    Vom Theater hieß es in einer Pressemitteilung lediglich, er stelle sich dem Verfahren. Die Komödie im Bayerischen Hof stehe "voll hinter ihm". Überdies gelte die Unschuldsvermutung - ein Hinweis, der umso wichtiger ist, als der Name des prominenten Angeklagten durch Presseberichte und dpa im Vorfeld der Verhandlung öffentlich bekannt wurde. Dessen ungeachtet wird Pekny seine Aufgabe als Intendant "vorerst" weiter wahrnehmen, wie eine Sprecherin des Theaters gegenüber dem BR sagte. Falls weitere Entscheidungen notwendig sein sollten, würden sie "nach dem Verfahren" getroffen.

    Drei Verhandlungstage anberaumt

    Der gebürtige Linzer Pekny ist seit Februar 2016 Intendant und Geschäftsführer der Komödie im Bayerischen Hof. Er studierte nach einer Ausbildung zum Schreiner und Holzbildhauer an der Akademie für Bildende Künste in München Szenenbild, arbeitete danach zunächst in Göttingen und Augsburg, leitete ab 1986 die Ausstattungsabteilung des Theaters Heilbronn und stattete seit 1983 außerdem viele Produktionen des Boulevardtheaters im Hotel Bayerischer Hof am Münchner Promenadeplatz aus.

    Als freier Bühnenbildner war er international sehr gefragt und regelmäßiger Gast am Salzburger Landestheater. Auch bei den Luisenburgfestspielen in Wunsiedel war er engagiert ("Madagascar"). 2017 war er zum ersten Mal als Regisseur tätig, bei Carlo Goldonis Commedia dell'arte "Mirandolina".

    Die Verhandlung vor dem Landgericht München I ist zunächst auf drei Tage anberaumt, vom 22. bis 28. Juli. Das Urteil könnte demnach am 28. Juli fallen.