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Über "Humanitäre Korridore" kommen Flüchtlinge legal nach Europa | BR24

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Syrische Flüchtlinge kommen über die "Humanitären Korridore" von Sant'Egidio in Italien an.

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Über "Humanitäre Korridore" kommen Flüchtlinge legal nach Europa

Legal und sicher über das Mittelmeer: Sant’Egidio und ihr Begründer Andrea Riccardi ermöglichten bereits Tausenden Flüchtlingen mit dem Projekt "Humanitäre Korridore" die Reise nach Europa.

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Eigentlich ist er der Mann, der sich im Hintergrund hält: Andrea Riccardi. Der Italiener gründete vor rund 50 Jahren die katholische Laienbewegung Sant’Egidio, die heute in der ganzen Welt aktiv ist. Ein Projekte von Sant’Egidio: Entgegen der gängigen europäischen Politik schafft die Organisation „Humanitäre Korridore“ für Flüchtlinge, um Menschen aus Ländern wie Syrien, dem Irak, Somalia oder Eritrea nach Europa zu holen.

Keine lebensgefährliche Überfahrt übers Mittelmeer

Ohne lebensgefährliche Überfahrt durchs Mittelmeer, stattdessen im Flugzeug und völlig legal, kamen über die "humanitären Korridore" bisher schon mehreren tausend Menschen nach Europa. Soziales Engagement, Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, vom Glauben her politisch – für all das stehen Sant’Egidio und sein Gründer Andrea Riccardi.

Darüber hat der Italiener jetzt auch ein Buch geschrieben: „Alles kann sich ändern“. Bei einer Podiumsdiskussion, zu der Sant’Egidio eingeladen hatte, diskutierten unter anderem der Münchner Kardinal Reinhard Marx, die ehemalige Vatikan-Botschafterin Annette Schavan, der frühere evangelische Bischof von Berlin, Markus Dröge, mit Sant’Egidio Begründer Andrea Riccardi in der Herz-Jesu-Kirche in München.

Riccardi vermittelte im Libanon und in Mosambik

Andrea Riccardi, Diplomat während Papst Johannes Paul II., vermittelte unter anderem im libanesischen Bürgerkrieg und bei den Friedensverhandlungen in Mosambik. "Ich bin überzeugt, dass sich alles ändern kann. Mein christlicher Glaube bringt mich dazu, die Resignation nicht zu akzeptieren, die um uns herum ist. Da ist die Herrschaft der Angst vor Migranten und Flüchtlingen. Wie reagieren die Europäischen Länder? Sie haben Angst“, sagt Andrea Riccardi auf dem Podium.

"Das ist großartig! Ich weiß nicht, ob es irgendeine Gruppe in Europa gibt, die so klare Vorstellungen entwickelt hat, mit der Politik im Gespräch ist und wirklich Solidarität und Spiritualität miteinander verbindet", zeigt sich Annette Schavan, ehemalige deutsche Botschafterin im Vatikan, begeistert.

"Ich denke, dass Zivilgesellschaften vielleicht manchmal mehr können als Regierungen." Annette Schavan, ehemalige deutsche Vatikan-Botschafterin

Sant’Egidio organisiert Einreise und Unterkunft

Die "Humanitären Korridore" sind lediglich eine Anwendung des Gesetzes. Die Regierung stellt für jeden Flüchtling, der von Sant’Egidio vor Ort ausgewählt wird, ein sogenanntes "humanitäres Visum" aus, das ihnen die Einreise erlaubt. In Europa leben die Menschen dann in den Familien oder den Pfarreien.

Die Kirche fordere die Politik schon lange auf, legale Möglichkeiten zu schaffen, um Asyl in europäischen Ländern zu erhalten, sagt Markus Dröge, evangelischer Alt-Bischof von Berlin. Die evangelischen Waldenser in Italien unterstützen Sant’Egidio.

"Es ist jedes Mal ein sehr schönes Erlebnis, dieses Ankommen der Familien mit den Kindern, die Freude in den Augen dieser Menschen. Und da sehen wir, dass es Menschen gibt, die helfen möchten, sie möchten was tun: die Mauern in Europa einreißen." Andrea Riccardi, Gründer Sant’Egidio
© dpa/ picture alliance

Andrea Riccardi gründete Sant'Egidio, eine Organisation, die Flüchtlinge sicher und legal nach Europa bringt.