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Trump-Fan: Rechtskonservativer Radio-Talker Rush Limbaugh tot | BR24

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Rush Limbaugh

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    Trump-Fan: Rechtskonservativer Radio-Talker Rush Limbaugh tot

    Dreißig Jahre beeinflusste er die amerikanische Politik vom rechten Rand und war damit äußerst erfolgreich. Vor einem Jahr wurde er von Donald Trump mit der "Medal of Freedom" ausgezeichnet. Jetzt ist Limbaugh im Alter von 70 Jahren gestorben.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Noch im vergangenen Oktober hatte Rush Limbaugh den damaligen US-Präsidenten Donald J. Trump interviewt - geschlagene zwei Stunden. Kurz vor Schluss zeigte sich der Journalist geradezu hingerissen von seinem Gesprächspartner und bemerkte, mehr zu sich als zum Publikum: "Nicht ein einziges Mal wusste dieser Präsident nicht mehr weiter oder es fiel ihm nicht ein, was er sagen wollte." Wenig verwunderlich also, dass Beobachter das Ganze weniger als Interview denn als Plauderei bezeichneten und die beiden älteren Männer als "Dreamteam" ironisierten. Wes Geistes Kind Limbaugh war, konnte jeder hören: "Es ist gar nichts falsch an 'America first'. Wir sind die guten Kerle in der Welt. Trump wird gehasst und angefeindet dafür, dass er Amerika liebt."

    Gleichzeitig hatte Limbaugh sich an Trumps Vorgänger Barack Obama abgearbeitet, den er als "Radikalen" kritisierte, der dafür verantwortlich gewesen sei, dass die "Wirtschaft im Belagerungszustand" und "zerstört" worden sei, wie der Talker in einem Interview mit dem rechtskonservativen Sender Fox-News behauptete. Obama habe die "Freiheit gestutzt, die Unabhängigkeit angegriffen" und das Wirtschaftswachstum ganz allein mit der "Erhöhung von Staatsausgaben und Kinkerlitzchen" zustande gebracht.

    Bis zu 25 Millionen Hörer in der Woche

    Dreißig Jahre talkte sich Limbaugh an die Spitze der rechtskonservativen Medienstars. Nach längerem Leiden ist er am heutigen Mittwoch einer Krebserkrankung erlegen, wie seine Frau Kathryn in seiner Radio-Sendung mitteilte. Der Moderator selbst hatte seine Erkrankung im Februar vergangenen Jahres öffentlich gemacht, nachdem er einige Tage Auszeit nehmen musste, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Im selben Monat hatte er aus der Hand von Donald Trump die "Medal of Freedom" erhalten, den höchsten zivilen Orden, den die USA zu vergeben haben.

    In seiner Wortwahl war Limbaugh niemals wählerisch: Unliebsame Frauen beschimpfte er als "Femi-Nazis", Obama 2008 als "Quoten-Kandidat". Das wollte ein rechtes Publikum offenkundig immer und immer wieder hören, denn Limbaugh war geschäftlich äußerst erfolgreich. 2008 machte er einen Vertrag mit Premiere Networks klar, der ihm über eine Laufzeit von acht Jahren 400 Millionen Dollar sicherte. Er soll zu Spitzenzeiten rund 25 Millionen Hörer in der Woche erreicht haben.

    Selbst am jüngsten Wahltag in den Vereinigten Staaten, dem 3. November, stellte sich Limbaugh, schwer gezeichnet von seiner Krankheit und äußerst "dankbar", diesen Tag noch erleben zu dürfen, den Interviewern von Fox News und lobte Trump als Republikaner, der "am meisten für das Land" getan habe. Limbaugh hielt es für einen "Segen" mit ihm "zusammen gearbeitet" zu haben.

    Gefragt nach seinem seelischen Zustand angesichts der tödlichen Krankheit, antwortete Limbaugh, das Leben sei kostbar, was viele im hektischen Alltag allerdings übersähen: "Wir sind Amerikaner, wir können also in das investieren, was immer uns glücklich macht, das steht in unserer Gründungsurkunde." In allem, was geschehe, gebe es ein Körnchen Gutes, wenn man nur danach suche.

    Donald Trump meldete sich zum ersten Mal nach dem Ende seiner Amtszeit am 20. Januar öffentlich zu Wort und rief beim Sender Fox News an, um Limbaugh zu würdigen. Egal, ob die Leute den Moderator geliebt oder "weniger geliebt" hätten, er sei jedenfalls respektiert worden. Vor "drei oder vier Tagen" habe er noch mit Limbaugh gesprochen, so Trump: "Er war einzigartig, und wir waren befreundet." Von dem Moment an, in dem er 2016 seine Präsidentschaftskandidatur verkündet habe, sei Limbaugh auf seiner Seite gewesen, obwohl sie sich vorher weder jemals begegnet seien, noch miteinander geredet hätten. Und anders als viele habe Limbaugh seinen Wahlsieg 2016 frühzeitig vorhergesehen, so Trump. Im Übrigen sei der Verstorbene ein hervorragender Golfspieler gewesen.

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    Ziemlich beste Freunde: Limbaugh und Donald Trump

    Geboren am 12. Januar 1951 in Cape Girardeau, Missouri, soll Limbaugh schon im Alter von acht Jahren davon geträumt haben, zum Radio zu gehen. In der High School war er Diskjockey im Sender, der seinem Vater gehörte. Seine Sehnsucht nach dem Mikrofon war so groß, dass er sein Studium nach einem Jahr hinwarf und beim regionalen Network ABC anheuerte. Zwischendurch arbeitete er im Vorverkauf eines Baseballteams in Kansas City. 1983 kehrte er zum Radio zurück, zog später ins kalifornische Sacramento um, setzte sich dort beim Sender KFBK ans Mikro und sorgte dafür, dass das Publikum vor Begeisterung ausrastete.

    Er beleidigte Stars und verunglimpfte Veteranen

    Seine "Rush Limbaugh Show" lief werktäglich drei Stunden, jeweils von mittags zwölf bis drei Uhr nachmittags, lange Zeit auf Mittelwelle, was im Flächenstaat USA keineswegs unüblich ist. Selbst 2019 war er nur auf etwa der Hälfte aller Sender, die sein Format übernahmen, in der deutlich besseren UKW-Qualität zu empfangen. Zu seinen Feindbildern gehörten Minderheiten aller Art, emanzipierte Frauen, alle, die vor der Klimakatastrophe warnten oder die Freigabe von Cannabis forderten. Außenpolitisch war er natürlich ein Falke und verteidigte den Irakkrieg. Dass im Vorfeld "Beweise" für angebliche irakische Massenvernichtungswaffen gefälscht worden waren, hielt er für eine "Verschwörung" der Geheimdienste, um Präsident Bush zu schaden. Entsprechend harsch war sein Standpunkt, was Folter angeht.

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    Triumph: "Medal of Freedom" für Limbaugh

    Vor der Beleidigung auch von Stars schreckte Limbaugh nie zurück, so warf er dem an Parkinson erkrankten Michael J. Fox vor, seinen Gesundheitszustand im Fernsehen schlimmer aussehen zu lassen, damit Geld für die Stammzellforschung mobilisiert wurde. Veteranen, die am Irak teilgenommen hatten und ihn hinterher missbilligten, wurden als "verlogene Soldaten" verunglimpft.

    Zu den bizarren Anekdoten seines Lebens zählte ein Vorfall am Flughafen von Palm Beach, als er mit illegalen Viagra-Tabletten im Gepäck kurzzeitig festgenommen wurde. Er witzelte später in seiner Sendung, er habe das Zeug aus der Präsidentenbibliothek von Bill Clinton entwendet, wo es ihm als "M & M"-Dragees angeboten worden sei.

    1993 zog Limbaugh in die "Radio Hall of Fame" ein. Einige seiner Bücher wurden Bestseller, darunter Titel wie "Was passieren sollte" und "Seht Ihr, ich hab's gleich gesagt". Limbaugh war vier Mal verheiratet.

    Heroische Nachrufe und viel Spott

    Die zahlreichen Reaktionen auf den Tod von Rush Limbaugh reichen von Lobreden etwa vom Gesinnungsgenossen Glenn Beck, er sei ein "Patriot und Revolutionär" gewesen, der das Radio rettete und dem "Himmel zur Ehre gereiche" bis zum Spott, er werde jetzt wohl ein Talk-Programm in der Hölle aufmachen und dort gegen "Eindringlinge" predigen. Kayleigh McEnany, frühere Trump-Sprecherin, schwelgte in Erinnerungen, ihr Vater habe im Pick-up-Truck ständig Limbaughs Sendung gehört.

    Schauspieler Kit Williamson nannte als Hinterlassenschaften von Limbaugh: Grausamkeit, Bigotterie, Homophobie, Rassismus und Hass. Die texanische Autorin Marianne Williamson schrieb, der liebe Gott werde Limbaugh jetzt wohl einiges erklären, und der Moderator werde sich "still und leise" alles anhören. Der Komiker Hal Sparks ätzte, die Trump-Anhänger hätten noch gestern vom "reinigenden Schnee" geschwärmt, der Amerika gerade heimsuche und damit wohl kaum das Ableben des Moderators gemeint: "Rush Limbaugh ist tot. Die Trump Plaza ist explodiert."

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