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Rudy Giuliani im Juni in New York

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    Trump-Enthüllungen: "Wir sagen einfach, wir haben gewonnen"

    Reporter der "Washington Post" haben für ein Buch bizarre Details aus dem letzten Amtsjahr des US-Präsidenten zusammengetragen. Demnach empfahl Berater Rudy Giuliani in der Wahlnacht, die Ergebnisse zu ignorieren und einen Wahlsieg zu "erfinden".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die amerikanischen Late-Night-Talker mussten diesmal nicht lange nach einem süffigen Thema suchen: Sie zitierten am Dienstagabend ausführlich aus einem neuen Buch der "Washington Post"-Reporter Carol Leonnig und Philip Rucker mit dem Titel "I Alone Can Fix It: Donald J. Trump's Catastrophic Final Year" ("Ich allein kann´s richten. Donald J. Trumps katastrophales letztes Jahr"). Darin wird behauptet, der persönliche Rechtsberater Rudy Giuliani habe in der Wahlnacht im angetrunkenen Zustand gefragt, wie es im Schlüsselstaat Michigan bei der Stimmenauszählung stehe. Als Wahlkampfleiter Bill Stepien, Stabschef Mark Meadows und Chefberater Jason Miller antworteten, es sei noch zu früh, um konkrete Aussagen zu machen, soll Giuliani gesagt haben: "Sagt einfach, wir haben gewonnen." Als es um Pennsylvania gegangen sei, habe Giuliani seine bizarre Empfehlung wiederholt.

    "Gehen Sie raus und rufen Sie den Sieg aus"

    Meadows habe daraufhin zornig geantwortet, das könnten sie nicht machen, "auf gar keinen Fall". Doch Trump habe gegenteilig reagiert. Und als der Trump-nahe Sender Fox News den Sieg im Staat Arizona Joe Biden zubilligte, habe Giuliani den damaligen US-Präsidenten gedrängt: "Gehen Sie raus und rufen Sie dort jetzt sofort den Sieg aus. Sie müssen jetzt den Sieg beanspruchen." Daraufhin habe Trump um zwei Uhr morgens gesagt: "Das ist ein Betrug an der amerikanischen Öffentlichkeit. Das ist eine Beleidigung unseres Landes. Wir waren bereit, diese Wahl zu gewinnen. Offen gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen. Wir haben gewonnen."

    Das Buch von Leonnig und Rucker wird am 20. Juli erscheinen, die "Washington Post" stellte jetzt Auszüge ins Netz. Demnach ging Trump am Morgen nach der Wahl durchs Weiße Haus und verkündete gegenüber Mitarbeitern mit belegter Stimme, er könne "gegen diesen verdammten Kerl" nicht verlieren. Seine Berater Jared Kushner und Jason Miller habe er angewiesen, bei Fox News anzurufen und die Chefs des Senders zu drängen, die Ausrufung des Wahlsiegers Biden in Arizona rückgängig zu machen. "Was zum Teufel macht Fox da?" soll Trump geschrien haben: "Was machen diese verdammten Kerle? Wie können sie sich so früh festlegen?"

    In zwei weiteren aktuellen Büchern von Michael Bender ("Frankly, We Did Win This Election") und Michael Wolff ("Landslide") werden ähnliche Behauptungen über Giulianis Verhalten aufgestellt. Der Politiker verlor wegen seiner Beteiligung an den Gerüchten über einen "Wahlbetrug" mittlerweile seine Anwaltslizenz. Er darf vor Gerichten im Bundesstaat New York keine Mandaten mehr vertreten, denn er gefährde das öffentliche Interesse, urteilte ein Gericht.

    "Er nuschelte, er war verwirrt und dann begann er zu trinken"

    Late-Night-Gastgeber Stephen Colbert von der CBS-"Late Show" kommentierte die Enthüllungen mit den Worten, einige Leute seien der Meinung, Rudy Giuliani habe in der Wahlnacht zu viel getrunken: "Die übrigen Leute sind Giuliani." Der Mann müssen ein "ärgerliches Kind" gewesen sein: "Du spielst mit ihm Fangen, Du berührst ihn an der Schulter und statt es zuzugeben, gibt er neben einem Dildo-Laden eine Pressekonferenz und streitet alles ab." Eine Anspielung darauf, dass sich Giuliani nach der Wahl tatsächlich auf dem Parkplatz vor einem Gartencenter zwischen einem Krematorium und einem Sexshop in Philadelphia vor Journalisten geäußert hat. Damals waren von Satirikern T-Shirts mit der Aufschrift "Lawn and Order" verkauft worden: "Rasen und Ordnung".

    Kollege Jimmy Fallon von der "Tonight Show" auf NBC witzelte: "Stimmt, Rudy war in der Wahlnacht in schlechter Form. Er nuschelte, er schwitzte, er war durcheinander, und dann begann er zu trinken." Giuliani habe aber auch noch einen "Alternativ-Plan" gehabt: Trump hätte sich in Joe Biden umbenennen können.