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© Bildundtonfabrik / Headup Games

Trüberbrook Screenshot

"Trüberbrook" hat schon im Vorfeld seiner Veröffentlichung in der Gamer-Szene und darüber hinaus für Gesprächsstoff gesorgt hat. In gleich vier Kategorien wurde das Game für den Deutschen Computerspielpreis nominiert: "Bestes Jugendspiel" „Beste Innovation“, "Bestes Deutsches Spiel", und "Beste Inszenierung". „Trüberbrook“ ist entwickelt worden von der Firma Jan Böhmermanns, der „bildundtonfabrik“, und mitdesignt hat dieses Mystery-Adventure-Game als Lead Artist Hans Böhme. Knut Cordsen hat mit Hans Böhme gesprochen.

Knut Cordsen: Erklären Sie uns bitte kurz, was ein Lead Artist macht.

Hans Böhme: Das sind in der Unterhaltungsindustrie und vor allem auch bei Computerspielen ein bisschen fließende Begriffe. Bei mir war das so, dass ich in den ganzen 3D-Workflows, die wir bei dem Spiel haben und auf die wir wahrscheinlich auch gleich nochmal zu sprechen kommen, mit beaufsichtigt habe, wie echte kleine Modelle in 3D-Modelle verwandelt werden. Ich habe 3D-Charakter gebaut, Figuren, die praktisch die Schauspieler in diesem Spiel sind, und war für alles zuständig, was mit diesen 3D-Figuren zu tun hat.

Herr Böhme, ich bin gebürtiger Kieler. In Kiel gibt es einen Stadtteil, dessen Name mich an den Titel Ihres Spiels erinnert: Düsternbrook. Ihr Spiel heißt „Trüberbrook“, klingt auch sehr norddeutsch. Hat Ihr Spiel irgendetwas mit Norddeutschland zu tun?

Ich glaube, daraus wurde ein bisschen Inspiration gezogen, aber "Trüberbrook" könnte theoretisch in vielen Teilen Deutschlands spielen, es wird auch absichtlich nicht explizit erwähnt, wo es denn spielt.

Der Autor, Designer und Regisseur des Ganzen, Florian Köhne, hat das Setting als "Twin Peaks im Teutoburger Wald" beschrieben.

Ja, Twin Peaks, die Serie von David Lynch, war eine große Inspiration für uns, und die wollten wir dann ins ländliche deutsche Setting übertragen.

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Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

"Trüberbrook": Das Ensemble - Alles selbst gebastelt und dann digitalisiert

"Trüberbrook": Das Ensemble - Alles selbst gebastelt und dann digitalisiert

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Szene aus dem Spiel "Trüberbrook"

Man sieht Fachwerkhäuser und Berge im Trailer, was eher auf eine süddeutsche Gegend schließen ließe. Ihr Computerspiel ist ein Mystery-Adventure-Game, in dessen Mittelpunkt ein junger amerikanischer Physik-Doktorand mit dem sehr deutschen Namen Hans Tannhauser steht. Bei Tannhauser denkt jeder gleich an den Minnesänger Tannhäuser und an Richard Wagners Oper. Tannhauser kommt 1967 durch den Gewinn eines Preisausschreibens ins Dorf Trüberbrook. Worum genau geht’s in Ihrem Spiel?

Die Anspielungen haben Sie tatsächlich richtig erkannt. Tannhauser bekommt unter mysteriösen Umständen diese Einladung und landet dort in Trüberbrook. Und anfangs wirkt alles sehr verschlafen in diesem Örtchen. Von einer touristischen Saison kann schon seit vielen Jahren nicht mehr die Rede sein in diesem Kurort. Aber schon in der ersten Nacht werden Tannhauser seine Unterlagen gestohlen. Er ist nämlich Physiker und schreibt gerade an seiner Abschlussarbeit und will dem dann auf die Spur gehen. Dabei trifft er auf die abenteuerliche Greta Lemke, die ihn direkt dazu überredet, den Übeltäter zu suchen und sie zu begleiten, weil sie selber auch Nachforschungen anstellt in dieser Gegend. Und so stürzen sich die beiden ins Abenteuer. Was Tannhauser zu der Zeit noch nicht weiß: Unter diesem verschlafenen Luftkurort schlummert tatsächlich noch viel mehr. Es geht dann schnell in ganz fantastische Welten.

Ein besonderes Augenmerk, das deuteten Sie ja schon eingangs an, haben Sie auf die Kulissen gelegt. Die sind nämlich allesamt handgefertigt und anschließend digitalisiert beziehungsweise animiert worden. Also war der Ausgangspunkt des Ganzen eine Art selbst gebastelte Puppenstube, wenn ich das richtig verstanden habe.

Das könnte man tatsächlich so sagen.

Das heißt, dieses Spiel lebt wie jede Puppenstube auch von der Liebe zum Detail?

Ja, auf jeden Fall. Das war ganz wichtig und das macht auch den Stil ein bisschen aus. So viel Details, dass fast schon ein kleines Wimmelbild entsteht.

Man darf sich das so vorstellen wie klassischen Modelleisenbahnbau, dass man da seine Fantasie-Landschaften zusammensetzt, die dann anschließend digitalisiert und animiert werden?

Ja, der eigentliche Prozess ist natürlich ein ziemlich weitreichender. Das fängt schon bei der Konzeption an. Da muss erst mal ein Level geplant werden, es ist ja ein Adventure, ein Rätselspiel. Da muss man schon planen, welche Level folgen aufeinander, was kann man wo finden, damit nicht irgendwelche Sackgassen entstehen. Zum Beispiel, dass man etwas gar nicht finden kann oder zu einem Level gar nicht kommt, in dem man aber etwas finden müsste. Deswegen mussten die Sets schon vorgeplant werden, und die hatte Florian Köhne am Anfang auch mal grob skizziert. An diesen Skizzen haben sich dann die sehr talentierten Modellbauer orientiert. Die haben dann noch ihre eigenen Visionen vor allem zur visuellen Ästhetik mit einfließen lassen.

"Trüberbrook" ist das dritte Computerspiel, das der erwähnte Florian Köhne entwickelt hat für die Firma von Jan Böhmermann, die btf (bildundtonfabrik), und Jan Böhmermann leiht einer Figur im Spiel auch seine Stimme. Auch andere bekannte Stimmen sind dabei: der Musiker und Autor Dirk von Lowtzow, die Schauspielerin Nora Tschirner. Wie wichtig sind diese prominenten Stimmen für das Lancieren ihres Computerspiels?

Florian Köhne sagt immer, dass er viele der Rollen schon gewissen Stimmen, gewissen Schauspielern und Sprechern auf den Leib geschrieben hat. Natürlich bringen diese bekannten Schauspieler auch ziemlich viel Erfahrung mit in die Rollen. Davon profitiert das ganze Computerspiel auch. Tatsächlich gibt es aber auch unbekanntere Stimmen, zum Beispiel der Hauptcharakter. Es war uns relativ wichtig, dass das kein super bekannter Schauspieler ist, da wir dem Spieler eine Figur geben wollten, mit der er sich identifizieren kann: ein Amerikaner, der jetzt in der deutschen Provinz ist, der sich dort gar nicht auskennt, für den alles fremd ist. Das sollte eben in der Stimme auch widergespiegelt werden, da man ja mit berühmten Stimmen auch direkt immer gewisse Charaktere in Verbindung bringt.

Jetzt lese ich über ihr Spiel, es erinnere an Spieleklassiker wie "Maniac Mansion" und "Monkey Island". Das sagt mir persönlich nichts, das müssen Sie entschuldigen, ist meine persönliche Ignoranz. Für welche Altersgruppe ist "Trüberbrook" konzipiert? Ich bin 46. Wäre ich ein geeigneter Spieler dafür?

Ich denke schon. Ich finde, dass es für ein ziemlich breites Spektrum an Spielern gemacht ist, weil es darin eben viele verschiedene Anspielungen gibt. Tatsächlich beziehen sich die meisten Anspielungen, wie Sie schon richtig sagten, auf diese alten LucasArts-Adventures und Pixel-Grafik-Adventures. Aber es ist keine Notwendigkeit, das zu kennen. Man kann die Geschichte und das ganze Abenteuer auch so genießen.

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