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Trotzdem lachen – Humor am Krankenbett | BR24

© Andreas Arnold/dpa

Clowndoktor Dr. Krümel bringt Emma und Mutter Manuela zum Lachen.

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    Trotzdem lachen – Humor am Krankenbett

    Lachen im Angesicht des Todes: Für viele Menschen ist diese Vorstellung nur schwer nachvollziehbar. Dabei entfaltet Humor gerade dann seine wohltuende Wirkung, wenn es Menschen nicht gut geht, wissen Experten aus Hospiz und Pflege.

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    Der Sozialarbeiter und Theaterpädagoge Werner Gruber ist seit 2001 im Raphael Hospiz in Salzburg tätig. Dort ist er zuständig für die psychosoziale Unterstützung schwerkranker und sterbender Menschen und deren Angehöriger. Außerdem koordiniert er die Einsätze der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hospiz. Gerade die Arbeit im Hospiz brachte ihn dazu, sich intensiv mit dem Thema Humor zu beschäftigen. Er hat Menschen erlebt, die auf dem Sterbebett Witze reißen oder ihre schwere Krankheit mit einem scheinbaren Augenzwinkern nehmen, wie etwa der alte Mann, der zu seinem Sohn sagt: "Ich glaube, mein Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen."

    "Ich beiße ins Gras" – und zwar wortwörtlich

    Auch die Hospizpflegerin Heike Walper schmunzelt noch immer bei der Erinnerung an eine Patientin im Christophorus Hospiz in München. Die Dame war sehr unruhig, ist immer wieder aufgestanden, obwohl sie schon sehr schwach war. Sie wollte auch unbedingt wieder in den Garten hinaus und nach vielen regnerischen Tagen schien endlich die Sonne. Heike Walper fuhr die Patientin im Rollstuhl in den lang ersehnten Garten. Dort kam sie sofort zur Ruhe, so dass die Pflegerin sie dort allein ließ. "Als ich eine Viertelstunde später wiederkam, lag sie mit dem Gesicht im Gras. Und ich hab dann gesagt; Ups, was ist denn passiert, was ist denn jetzt los. Und dann hat sie ganz laut gerufen: Ich beiße gerade ins Gras, sehen Sie das nicht und jetzt helfen sie mir doch mal."

    Die Patientin hatte sich aus dem Rollstuhl rutschen lassen, um eine Blume auf der Wiese besser betrachten zu können. Doch das war ihr nicht gelungen und so lag sie bäuchlings im Gras. Heike Walper setzte sie zunächst in der Wiese auf. "Und sie hat das sehr genau verstanden, dass das jetzt sehr komisch im Zusammenhang ist und hat das noch zwei bis drei Mal wiederholt, dass sie jetzt fast ins Gras gebissen hätte."

    Humor schafft Nähe, aber auch Distanz

    Für den Sozialarbeiter Werner Gruber kommt das nicht von ungefähr. "Humoris kommt ja aus dem lateinischen und heißt fließen, Humor kann Aufgestautes wieder zum Fließen bringen." Humor und Lachen seien Ressourcen, würden Distanz oder Nähe schaffen. "Mit Humor kann ich etwas auf Distanz halten, einen Witz erzählen, dann brauche ich mich nicht damit auseinandersetzen, was mich gerade tief betrifft. Aber Humor kann auch Nähe herstellen, es schafft Vertrauen, es fließt Emotion." Humor sei auch deshalb so wichtig für den Patienten, weil er dadurch eine Distanz zu seiner Betroffenheit, zu seinem schweren Schicksalsschlag herstellen könne. "Und wenn es auch nur für einen Moment ist, wo er wieder Hoffnung oder eine Leichtigkeit erlebt, dann ist das für einen Patienten was Wunderbares."

    Der Wiener Psychiater und Neurologe Viktor E. Frankl meinte gar, dass "nichts mehr geeignet ist, Distanz zu schaffen, als der Humor". Mit dieser Fähigkeit werden schwierige Situationen entzerrt, Sprachlosigkeit wird durchbrochen und Abstand geschaffen zu Belastungen. Adäquat eingesetzter Humor unterstützt eine angstfreiere und offenere Kommunikation. Denn Lachen unterstützt erwiesenermaßen das Immunsystem, stärkt Herz und Kreislauf. Lachen fördert richtiges Atmen, lindert Schmerzen und kann neuen Lebensmut geben.

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