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Tröten und Alphorn: So schräg feierte Augsburg Leopold Mozart | BR24

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Seine Geburtsstadt feierte den 300. Geburtstag von Leopold Mozart mit einer neu komponierten "Silly Symphony" von Moritz Eggert: Vierzig Kinder-Instrumente und ein Alphorn sorgen für Quietschen, Rasseln und Tröten mit gewollt "bräsigem" Tempo.

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Tröten und Alphorn: So schräg feierte Augsburg Leopold Mozart

Seine Geburtsstadt würdigte den 300. Geburtstag von Mozart senior mit einer neu komponierten "Silly Symphony" von Moritz Eggert: Vierzig Kinder-Instrumente und ein Alphorn sorgen für Quietschen, Rasseln und Pfeifen mit gewollt "bräsigem" Tempo.

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Auf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemein: Leopold Mozart und Moritz Eggert. Hier der Helikopter-Vater, der gerissene Manager und Wolfgang-Amadeus-Mozart-Macher. Dort der selbsterklärte "Bad Boy" der Neuen Musik. Hier der Verfasser einer – peppiger Titel – "Gründlichen Violinschule". Dort der Verfasser von Essays mit Titeln wie "Ich hasse Hans Zimmer". Hier der Kompositeur, dort der Provokateur. Daher die Frage: Was verbindet die beiden eigentlich, Leopold Mozart und Moritz Eggert? Dazu Letzterer: "Es ist natürlich so, dass solche Aufträge auch etwas mit Jubiläen zu tun haben. Sowas kriegt man dann halt im Bachjahr oder im Mozartjahr – mit Beethoven habe ich auch ein riesen Projekt vor, nächstes Jahr in Bonn. Also, das gehört so ein bisschen zum Alltag eines Komponisten, dass solche Aufträge auch mit Jubiläen zu tun haben."

Inspiriert von Spielzeug-Sinfonie

Ein Auftragswerk also. Muss ja nichts Schlechtes, im Gegenteil, kann auch Chance sein, ein Werk zu entdecken, mit dem man sich sonst nicht befasst hätte. Musik zu schreiben, die ohne so einen Anlass nie entstanden wäre, oder? Moritz Eggert: "(Zieht die Luft durch die Zähne) Ja, wobei, ...bei diesem Stück muss ich jetzt sagen, ist es jetzt keine direkte Auseinandersetzung mit seiner Musik, sondern es ist ein Anlass gewesen, eine Idee für ein Stück zu realisieren, das ich schon lange mal machen wollte. Insofern wäre dieses Stück wahrscheinlich auch oh-ne Leopold Mozart entstanden. Es ist aber inspiriert von der ihm zugeschrie-benen, aber wahrscheinlich nicht von ihm komponierten Spielzeug-Sinfonie mit den Spielzeuginstrumenten.

© Soeren Stache/dpa

Moritz Eggert:

Scheint so, als wäre der Mann zu schnell für Suggestivfragen. Halten wir also bis hierhin fest: Komponiert hätte Moritz Eggert seine „Silly Symphony“ sowieso irgend-wann, Festkonzert hin oder her; und wenn überhaupt, dann ist sie von einem Stück Leopold Mozarts inspiriert, das aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht von Leopold Mozart stammt. Ganz offensichtlich ist es an der Zeit die Gesprächsstrategie zu überdenken: Also erstmal weg von Mozart, hin zu Eggert – Wie war das noch mit den Spielzeuginstrumenten?

Unheimlich fest reinblasen

"Also ich habe...", wie zur Antwort schleppt Eggert eine proppevolle Plastiktüte an, "…riesige Lager von solchen Instrumenten. Also, das sind nur meine jetzt. Zum Beispiel ein Toypiano, das ist jetzt ein sehr schlechtes leider. So eine Trompete, eine dieser Kindertrompeten, die unheimlich schlecht sind, weil fast nichts rauskommt, man muss also unheimlich fest reinblasen. Dann gibt’s einen Satz, der nur mit solchen Quietschobjekten funktioniert, wobei es wahnsinnig schwierig war, genau das zu finden, weil das ist wirklich sehr gut, weil man da solche Geräusche machen kann."

Über vierzig Kinderinstrumente bindet Eggert den drei Solisten seiner "Silly Symphony" ans Bein. Immerhin: der Komponist nimmt sich selbst in die Pflicht und steht als Multi-Instrumentalist mit auf der Bühne. Als Multi-Instrumentalist und als Virtuose – die Partitur verlang den Solisten nämlich einiges ab. Eggert hat die Stimmen streng ausnotiert: Wo und wie gequietscht, getrötet, gepfiffen und geflötet wird, ist genauestens festgelegt. Und an dieser Stelle schließt sich dann doch noch der Kreis zu Leopold Mozart. Der ebenfalls versucht hat, das klassische Instrumentarium zu erweitern, durch Rasseln, Schellen und, ja, auch Alphörner.

© Picture Alliance/Heritage Image

Die Mozarts in Versailles

Davon zeugt etwa seine Sinfonia pastorale, heute Abend ebenfalls auf dem Programm. Moritz Eggert: "Das ist jetzt auch bei meinem Stück ein bisschen das Vorbild Leopold Mozarts gewesen: dass wir eben extrem blöde Instrumente benutzen, die auch zum Teil nicht wirklich funktionieren, die unbeholfen sind, die ihre Grenzen haben, wir das aber sehr seriös darbieten. Und es ist auch eine seriöse Komposition, es ist keineswegs eine Komposition, die irgendwie sich über die Klänge, die da verwendet werden lustig macht, sondern die genau diese Klänge versucht so gut wie möglich kompositorisch zu verwerten."

Alphorn verschleppt bräsiges Tempo

Wobei sich, allem ernsthaften Bemühen zum Trotz, die Kindertröten und Nasenflöten dann doch nicht so smooooooth einfügen, in den Sound eines romantischen Orchesters. Im Gegenteil, sie behalten eine tönende Widerborstigkeit. Noch so eine Gemeinsamkeit der Kompositionen von Eggers und Mozart. Denn auch das Alphorn, obwohl zum Solisten erklärt, füllt diese Rolle eher widerwillig aus, verschleppt das bräsige Tempo. Wird vom Orchester eher mitgeschleift als es anzuführen. Einer gewissen Komik, kann man sich da als Hörer kaum entziehen. Und das ist vielleicht die interessanteste Verbindung von Eggert und Mozart, das interessanteste Licht, das dieser auf jenen wirft – es zeigt dass der Helikopter-Vater, Manager und Mozart-Macher noch etwas viertes war: ein musikalischer Humorist.

Festkonzert zum 300. Geburtstag Leopold Mozarts mit Christian Tetzlaff und den Augsburger Philharmonikern, 14. November 2019, 19.30 Uhr, Kongress am Park Augsburg

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